SCHWEINFURT

Fragwürdiges Geschäft mit Schlachtpferden

Fragwürdiges Geschäft mit Schlachtpferden

Zwirna blieb nicht lange in ihrem neuen Zuhause. Die weiße Lipizzaner-Stute war unheilbar krank, litt an bösartigen Tumoren und musste getötet werden. Nur wenige Tage zuvor hatte eine Frau aus Schwaben das Tier bei einem Viehkaufmann aus dem Landkreis Schweinfurt erworben. Er saß nun am Amtsgericht Schweinfurt auf der Anklagebank. Der Vorwurf: Betrug und Tierquälerei.

Der Fall Zwirna soll nicht der einzige gewesen sein. Auch eine dunkelbraune Stute, die der Händler verkauft hat, sei krank gewesen, berichtet die Käuferin, eine Frau aus Hessen, vor Gericht.

Der Händler habe die Pferde weiterverkauft, obwohl er gewusst habe, dass sie schwer krank sind, lautet der Vorwurf der Staatsanwaltschaft. Die dunkelbraune Stute habe er außerdem – trotz ihres Leidens – kilometerweit durch die Republik gefahren.

Angeklagt wegen Betrugs ist auch eine Mitarbeiterin des Unternehmens. Die Pferdepflegerin habe die beiden Tiere als „topfit“ bezeichnet, so die Anklage, dabei habe auch sie gewusst, dass die Pferde krank sind.

Im Internet angeboten

Angeboten wurden die Tiere unter www.schlachtpferderettung.de. Tierfreunde hätten den Händler kontaktiert, um die Pferde vor der Schlachtbank zu retten. „Die Leute sind auf uns zugekommen“, erklärt der Angeklagte, und hätten gesagt, dass die Lipizzaner-Stute „zu schade zum Schlachten“ sei.

Dass die Tiere zum Teil todkrank gewesen seien, habe er nicht gewusst, versicherte er. Er selbst habe mehrere Hundert Euro für die Lipizzaner-Stute hingelegt. Hätte er gewusst, dass sie todkrank ist, hätte er sicherlich weniger bezahlt.

Zwischen 700 und 800 Pferde kaufe und verkaufe er pro Jahr. In einigen Fällen würden die Tiere von einem in den anderen Lkw umgeladen, sodass er nicht jedes Tier begutachten könne. Allerdings seien Tierärzte mehrmals in der Woche in dem Unternehmen, um sich gegebenenfalls um erkrankte Tiere zu kümmern.

Klar müsse aber sein, dass es sich um Pferde gehandelt habe, die für die Schlachtung vorgesehen seien, so der Kaufmann. „Das sind keine Reit- oder Turnierpferde.“ Er habe aber nichts dagegen, wenn jemand die Pferde kaufen möchte.

Verkauft habe er die Lipizzaner-Stute für 700 Euro und die Besitzerin sei zunächst zufrieden gewesen, so der Anwalt des Angeklagten. Er zitierte Einträge von Internetseiten, auf denen das Pferd kurz nach dem Kauf noch als Prachtstück beschrieben wurde. Erst später habe die Besitzerin ihre Meinung geändert.

Auch sie habe bei beiden Pferden keine Krankheiten festgestellt, sagte die Pferdepflegerin, die die Tiere via Internet angeboten hatte. Sie habe so schon viele Pferde vermittelt, die zum Schlachten vorgesehen waren – und viel positives Feedback bekommen.

In einigen Diskussionsforen im Internet sieht man das anders. So beobachtet und beschreibt die Münchener Anwaltskanzlei Graf & Partner seit Ende 2008 das Geschäft mit Schlachtpferden im Internet. Eine Rolle in den Berichten spielt immer wieder der Viehhändler aus dem Landkreis Schweinfurt.

In derartigen Foren würden zwar auch gesunde Pferde angeboten, oft aber seien die Tiere schwer krank, so Anwalt Bernhard Schmeilzl von Graf & Partner. Obwohl immer wieder Tierfreunde auf die Angebote hereinfielen, landeten nur wenige Fälle vor Gericht. Und die Verfahren gingen oft denselben Gang: Der Angeklagte sagt, er habe nichts gewusst und komme straffrei davon, so Schmeilzl.

„Die Menschen glauben, dass sie die Pferde retten“, sagt eine Kennerin der Schlachtpferde-Internetseite im Gespräch mit dieser Zeitung. Dabei sei aber klar: Wenn das eine Pferd gerettet wird, fährt eben ein anderes zum Schlachter. „Der Lkw wird auf jeden Fall voll“, sagt sie.

Vor dem Kauf nicht gesehen

Auch die Käuferin der dunkelbraunen Stute sei über die Internetseite auf das Pferd aufmerksam geworden, erzählt sie. Gesehen habe sie das Tier vor dem Kauf nicht. Der Händler habe ihr jedoch versichert, es sei gesund, habe nur eine leichte Erkältung. Als er das Pferd lieferte, sei der ganze Unterhals geschwollen gewesen, sagte sie vor Gericht. Ein Jahr habe es gedauert, bis die Stute wieder gesund gewesen sei. Auch hier gibt der Händler an, von der Krankheit nichts gewusst zu haben. „Sonst hätte ich das Pferd ja nicht transportiert“, versichert er.

Einige Zeugen, darunter die zwischenzeitliche Besitzerin der todkranken Lipizzaner-Stute, konnten nicht zur Verhandlung kommen. Deshalb muss nun ein neuer Verhandlungstermin festgesetzt werden. „Es gibt einige Unklarheiten“, so der Richter. Die gilt es beim nächsten Termin auszuräumen.

Vorwürfe werden im Internet auch gegen das Landratsamt Schweinfurt erhoben. Das Amt würde Tiere an den Pferdehändler vermitteln, heißt es dort. Landratsamts-Pressesprecher Thorsten Wozniak erklärt auf Nachfrage dieser Zeitung: „Wir haben ihm keine Pferde gegeben.“ Gleichzeitig betont er, dass es keine Beanstandungen seitens des Veterinäramts gegen den Händler gebe. Das Amt sei öfter vor Ort, so Wozniak, und „kann ernsthafte Tierschutzverstöße oder Tierschutzprobleme ausschließen“.

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