Frau und Tochter bejubelten Barclay-James-Harvest-Chef

Leicht indisponiert: Les Holroyd, Sänger und Kopf von Barclay James Harvest, in Würzburg. Foto: chris Weiss
Würzburg

 

Eine bestuhlte Posthalle – das sieht man selten bei Musikveranstaltungen. Jedoch ist die Musik, die Les Holroyd mit seiner Ausgabe von Barclay James Harvest am Samstag in Würzburg darbot, auch nicht unbedingt zum Tanzen, sondern eher zum Zuhören geeignet. Das taten die Besucher in der nahezu ausverkauften Halle denn auch beinahe andächtig. Wem bei ausufernden, sphärischen Songs mit langen Soli eher zum Dahindämmern als zum Träumen zumute ist, der war fehl am Platz.

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Barclay James Harvest

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Zwei Stunden lang klebten die Fans an den Lippen des Altmeisters, der vor allem in den 1970er und 1980er Jahren mit der Gruppe Barclay James Harvest Erfolge feierte. Die siebenköpfige Band präsentierte viele alte Klassiker wie „Sip of Wine“ oder „Ring of Changes“ und einige neue Songs, die sich nahezu nahtlos in den Reigen einreihten. Zwischendrin blieb viel Platz für Soli, bei denen vor allem Gitarrist Michael Byron-Hehir brillierte, sowie einige Klangexperimente.

Nach dem Bruch mit Sänger und Gitarrist John Lees versuchten beide Galionsfiguren von Barclay James Harvest einige Jahre lang, mit eigenen Combos und unter dem Barclay-James-Harvest-Banner, das mit dem Emblem des jeweiligen Sängers versehen war, zu punkten.

Während der mittlerweile wenig geliebte Kollege in deutschen Landen recht wenig von sich hören lässt, ist Lockenkopf Holroyd öfter hier zu Gast. Was auch daran liegen könnte, dass er Frau und Kind in Deutschland – genauer gesagt: in Tauberbischofsheim – hat. Vor rund zehn Jahren lernte er seine seit wenigen Wochen Angetraute bei einem Konzert in Lauda-Königshofen kennen und lieben. Ergebnis: eine kleine Tochter, mittlerweile vier Jahre alt, die zusammen mit der Mama in der Posthalle ihrem Daddy zujubelte, mit dicken Ohrenschützern versehen.

Liebe und Vaterglück

Die Liebe und das Vaterglück mögen den seit 1967 auf der Bühne stehenden Engländer beflügeln. Leider hatte das einzig verbliebene Originalmitglied der Progressive-Pop-Band am Samstag aber offenbar einen schlechten Tag erwischt. „Sie hören es ja, eine Erkältung macht mir zu schaffen, daher werde ich versuchen, die Stimme jetzt mit ein paar Bier wieder auf Vordermann zu bringen“, scherzte der 62-Jährige vor der Pause.

Ob der Barclay-James-Harvest-Chef sich und seinen Fans einen Gefallen tat, mit brüchigem und immer wieder sich überschlagendem Organ aufzutreten, das kann man sich ernsthaft fragen. Seine Begleitband spielte jedoch sehr entspannt auf und konnte mit knackigen Satzgesängen und gut aufeinander eingespielten Arrangements punkten.

Als zum Ende der Show mit „Hymn“ und „Live is for Living“ die beiden ganz großen Klassiker von Barclay James Harvest erklangen, brandete stürmischer Beifall auf. Wer solche Welthits geschrieben hat und singt, dem verzeiht man eben auch mal einen kratzigen Hals.

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