Schmallenberg/Brilon (dpa)

Trendsport Wandern lässt die Kassen klingeln

Seit Jahren erlebt das Wandern eine Renaissance. Auch Jüngere und Familien sind in ihrer Freizeit wieder häufiger unterwegs. Zeitgleich mit der Neuentdeckung des Wanderns ist vor zehn Jahren im Sauerland der Rothaarsteig eröffnet worden.
Trendsport Wandern       -  Auf dem Rothaarsteig zwischen Schmallenberg und Brilon: Seit Jahren erlebt das Wandern eine Renaissance. (Bild: Rothaarsteig e. V.)
Auf dem Rothaarsteig zwischen Schmallenberg und Brilon: Seit Jahren erlebt das Wandern eine Renaissance. (Bild: Rothaarsteig e. V.)

Die Strecke vom sauerländischen Brilon ins hessische Dillenburg ist eine der Wander-Autobahnen in NRW. «Wir rechnen mit jährlich rund 1,5 Millionen Menschen, die bei uns unterwegs sind», sagt Ulrike Becker vom Rothaarsteigverein in Schmallenberg. 1,2 Millionen machen davon als Tagesgast nur eine kleine Etappe des insgesamt 154 Kilometer langen Fernwanderweges, der am 6. Mai vor zehn Jahren offiziell eröffnet wurde.

Die ersten Ideen zu einem Kammweg über das Rothaargebirge gab es schon 1997. «Wir haben dann vorhandene Wege miteinander verbunden», sagt Harald Knoche, der sich um die Infrastruktur kümmert. Wichtig ist den Wanderern vor allem eine gute Beschilderung. «Keiner darf Angst haben, sich zu verlaufen», sagt Knoche. Den Erfolg des Rothaarsteiges erklärt er aber auch mit dem Service rund ums Wandern. «Die meisten wollen nicht erst stundenlang planen, bevor sie losgehen.» Deshalb können Interessierte mit einem Anruf ihre Tour planen. «Das Publikum ist außerdem jünger und gesundheitsbewusster geworden», sagt Knoche.

Das Wandern habe das Alte-Leute-Image abgelegt, sagt auch Julie Sengelhoff vom Verband Tourismus NRW in Düsseldorf. «1992 ist nur jeder fünfte im Urlaub gewandert, heute sind es mehr als zwei Drittel.» Neben Radfahren und Städtetourismus sei das Wandern eines der Hauptmotive für einen Kurzurlaub in NRW. Überall im Lande gebe es mittlerweile schöne Wanderwege, die diesem Bedürfnis gerecht würden. Rhein-, Eifel oder Rothaarsteig, der Eggeweg und die Hermannshöhen sind dabei für die jeweilige Region das Zugpferd.

Mittlerweile arbeiten die Verantwortlichen der bekannten Wanderwege zusammen. «Jeder hat seinen Reiz», sagt Knoche. Während man vom Rheinsteig beispielsweise überall ins Tal komme, könne der Rothaarsteig als «Weg der Sinne» mit Ruhe und Naturerlebnis punkten.

Die als «Top-Trails» ausgezeichneten Wanderwege locken selbst wanderbegeisterte Urlauber aus dem Ausland an. «Und viele lernen durch den Rothaarsteig die Region kennen und kommen dann wieder», sagt Knoche. Und genau darum gehe es: Der Ausbau und die Werbung für die Wanderwege ist aktive Wirtschaftsförderung.

Davon leben Hotels und Gastwirte entlang der Strecke. «Gut Essen und Trinken ist vielen wichtig. Die wollen sich nach der Tour belohnen», sagt Knoche. Eine Studie habe gezeigt, dass ein Tagesgast 15 Euro ausgebe, ein Übernachtungsgast lasse 50 Euro in der Region, sagt Knoche. Hochgerechnet auf die 1,2 Millionen Tageswanderer und 300 000 Wander-Kurzurlauber mache das einen Jahresumsatz von rund 33 Millionen Euro für die Tourismusbranche entlang des Rothaarsteiges.

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