CASTELL

Fürst wettert gegen schwule Pfarrer

Es war ein Treffen, das Folgen haben sollte: Helmut Matthies, Pfarrer und Chef der Evangelischen Nachrichtenagentur Idea, war in die castellsche Hausbank nach Würzburg gekommen, um mit Albrecht Fürst zu Castell-Castell ein Interview zu führen. Das Gespräch wurde wenig später in dem konservativen Kirchenblatt „ideaSpektrum“ veröffentlich und trug die Überschrift „Bayerische Kirche hat Glaubwürdigkeit verloren“.
Verstimmt: Albrecht Fürst zu Castell-Castell kritisiert die Evangelische Landeskirche wegen ihres Beschlusses zu Homo-Ehen im Pfarrhaus.
Verstimmt: Albrecht Fürst zu Castell-Castell kritisiert die Evangelische Landeskirche wegen ihres Beschlusses zu Homo-Ehen im Pfarrhaus. Foto: Müller

Der Inhalt: eine Abrechnung mit der bayerischen Landeskirche und der Forderung, keine homosexuellen Partnerschaften im Pfarrhaus zuzulassen. Anlass war der Beschluss des Landeskirchenrats, lesbische und schwule Partnerschaften von Pfarrern unter bestimmten Bedingungen zu erlauben – nämlich wenn Gemeinde und Kirchenleitung dies einmütig befürworten.

Albrecht Fürst zu Castell-Castell, Oberhaupt des ältesten evangelischen Adelsgeschlechts in Bayern, sieht mit dieser Entscheidung die Schöpfung Gottes verletzt. In dem Interview heißt es, es würden „Mann und Frau zusammengehören und nicht Mann und Mann oder Frau und Frau“.

Nach Meinung des Fürsten habe die Kirchenleitung durch den Beschluss Sünde legitimiert: „Von daher habe ich das Vertrauen in die Führung meiner Landeskirche verloren.“ Er habe deshalb auch darüber nachgedacht, die Landeskirche zu verlassen: „Doch ein Übertritt in eine Freikirche oder die katholische Kirche kam für mich nicht infrage.“ Er suche derzeit dennoch nach einer Lösung, wie er seine Kirchensteuer der Kirchengemeinde Castell zukommen lassen könne, aber nicht weiter der Landeskirche.

Der frühere bayerische Landessynodale – er bekleidete das Amt zwölf Jahre – zeigte sich überzeugt, dass sich aufgrund der jetzigen Entwicklung „wie im Dritten Reich der Widerstand in Form einer Art Bekennenden Kirche bilden wird“.

Für den 85-jährigen Adeligen ist es zudem „völlig unverständlich“, dass es bisher in der Landeskirche keine Stelle für die Seelsorge an homophilen Menschen gebe: „Denn es ist wissenschaftlich erwiesen, dass eine große Zahl gleichgeschlechtlich empfindender Menschen von ihrer Neigung befreit werden möchte.“

Nachdem das Interview erschienen war, meldete sich der Pressesprecher der Landeskirche, Johannes Minkus, mit einer Stellungnahme zu Wort und konterte die Kritik. „Homosexualität ist keine sündhafte Verfehlung“, so die Kernaussage des Schreibens. Weiter heißt es: „Die Kirchenleitung geht davon aus, dass Homosexualität bei manchen Menschen angelegt ist und sie diese Anlage nicht ablegen können. Darum ist Homosexualität keine sündhafte Verfehlung oder eine heilbare Krankheit.“

Wie Helmut Matthies auf Anfrage dieser Zeitung betonte, seien die Aussagen des Casteller Fürsten „auf ein sehr positives Echo“ gestoßen. Auch der Fürst selber zeigt sich von den bisherigen Reaktionen angetan. Er erhalte „laufend Briefe“, in denen ihm „für den gewagten Schritt gedankt“ und er zudem aufgefordert werde, auch weiterhin „glaubensfest“ zu bleiben.

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