WÜRZBURG/KITZINGEN

Gewalttäter muss Therapie machen

Wegen versuchten Totschlags und Körperverletzung hat das Landgericht Würzburg einen 40-Jährigen aus dem Landkreis Kitzingen zu sechs Jahren Freiheitsstrafe verurteilt. Der Pflasterer hatte im Juni 2013 einen vermeintlichen Nebenbuhler durch fünf Messerstiche lebensgefährlich verletzt.

Ob der vielfach vorbestrafte Gewalttäter die Strafe verbüßen muss, hat er selbst in der Hand. Das Gericht ordnete nämlich auch die Unterbringung des Mannes, der seit zehn Monaten in Untersuchungshaft sitzt, in einer Entziehungsanstalt an. Die Drogentherapie werde, so der psychiatrische Gutachter, „mindestens zweieinhalb Jahre dauern“. Hält der 40-Jährige sie durch, muss er die Freiheitsstrafe nicht verbüßen.

Morphium gekocht und gespritzt

Der Pflasterer ist ein erschreckendes Beispiel dafür, was harte Drogen aus einem Menschen machen können. Schon als er noch in der ehemaligen Sowjetunion lebte, habe er Rauschgift genommen, erzählte er dem psychiatrischen Gutachter. Wie dort üblich, habe er Morphium aufgekocht und sich den Sud gespritzt. Seit er 1995 mit seiner Mutter nach Deutschland kam, habe er regelmäßig Heroin, Amphetamin und die Substitutionsmittel Subutex und Methadon genommen. Verurteilungen und Gefängnisstrafen änderten nichts an seiner Lebensweise. Er lernte auch nicht Deutsch und kann sich nach fast 20 Jahren in Deutschland kaum verständigen. Das Gericht bescheinigt dem Mann eine „gestörte Impulskontrolle durch langjährigen Drogenkonsum“. Dass der Angeklagte in seinem Prozess keine Schuldeinsicht und Reue zeigte, schreibt das Gericht ebenfalls seiner Rauschgiftkarriere zu.

Auch am 15. August 2013 stand der 40-Jährige unter Drogen. Seine Angebetete hatte ein Treffen mit ihm abgesagt, weil sie Besuch vom Bruder einer Freundin hatte. Der Angeklagte terrorisierte die 28-Jährige mit Anrufen und SMS, klopfte am Fenster ihrer Wohnung. Damit er „die Kinder nicht aufweckt“, ging die Frau zu ihm in den Hof, um ihn zu beruhigen. Er würgte sie und schlug ihr ins Gesicht.

Tat „nicht nachvollziehbar“

Nachdem die Altenpflegerin weinend ins Haus zurückgekehrt war, wollte ihr Besucher den Angeklagten zur Rede zu stellen. Aber der 40-Jährige mochte nicht reden – und stach dem Mann unvermittelt fünf Mal sein Messer in den Bauch. Der 30-Jährige erlitt lebensgefährliche Verletzungen, musste notoperiert werden und leidet bis heute an den Folgen der Tat. Als die Polizei den Pflasterer festnahm, fragte er die Beamten im Auto „lebt das Arschloch noch?“

Seinen Prozess nahm der Angeklagte erstaunlich locker. Er lachte oft, er fiel dem Gericht ins Wort – und er behauptete, sein vermeintlicher Nebenbuhler habe ihn angegriffen. Das aber glaubte die Kammer ihm nicht. Der 40-Jährige habe „völlig überzogen“ reagiert, sagt der Vorsitzende Richter Burkhard Pöpperl in der Urteilsbegründung. Es sei „nicht ansatzweise nachvollziehbar, warum er zu dem Messer griff“.

Der Staatsanwalt hatte für den Pflasterer eine Freiheitsstrafe von sieben Jahren und drei Monaten gefordert, sein Verteidiger hatte für vier Jahre und drei Monate plädiert. Beide beantragten außerdem die Unterbringung des Angeklagten in einer Entziehungsanstalt.

Das Urteil ist nicht rechtskräftig.

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