WÜRZBURG/WALDBÜTTELBRUNN

Götz-Brot nimmt Vorwürfe zurück

Friede, Freude . . .? Na ja. Nach monatelangem Streit zwischen der Gewerkschaft NGG (Nahrung-Genuss-Gaststätten), zwei geschassten Betriebsräten und der Großbäckerei Götz-Brot, unter anderem Betreiber von Kiliansbäck, stehen die Zeichen zwar nicht direkt auf Versöhnung. Allerdings sieht es so aus, als könne man in Zukunft getrennte Wege gehen – ohne nachzutreten.

Diskriminierung, die Unterschlagung von Geldumschlägen, das Ausüben einer Nebentätigkeit: Aus diesen Gründen wurden laut Götz-Brot Torben Ackermann und Alina Iordan, Betriebsratsvorsitzender und Betriebsrätin, gekündigt. Alle Vorwürfe hat Götz-Brot jetzt fallen lassen, Iordan und Ackermann bekommen Abfindungen, über deren Höhe außergerichtlich Stillschweigen vereinbart wurde, und haben andere berufliche Alternativen. In einer Erklärung des Unternehmens heißt es am Dienstag: „Die Kündigungsprozesse wurden einvernehmlich beendet.“ Deutlicher wird es in der Erklärung der Kanzlei Spengler, die die NGG, Ackermann und Iordan vertritt: „Voraussetzung für diese Einigung war, dass die Firma Götz-Brot die mit der Kündigung erhobenen Vorwürfe nicht länger aufrechterhält und anerkennt, dass die Kündigungen gegenstandslos sind.“ Zu einer Gerichtsverhandlung über die Kündigungen, die für diesen Mittwoch angesetzt war, kommt es also nicht. Auch zwei weitere Verfahren müssen nicht mehr ausgetragen werden: „Das Wahlanfechtungsverfahren (. . .) wird seitens der Firma Götz beendet werden. Die NGG nimmt im Gegenzug das Verfahren auf Entfernung des Herrn Dietrich aus dem Betriebsrat zurück“, hieß es am Sonntag in einer gemeinsamen Presseerklärung von NGG und Götz. Dietrich, ein als arbeitgebernah geltender Betriebsrat, war nach Ackermanns Kündigung an dessen Posten als Vorsitzender gelangt.

Allein die Tatsache, gemeinsam Autor einer Pressemeldung zu sein, schien bis vor kurzem undenkbar. Doch nun der Kurswechsel von Götz: Die Firma verabschiedet sich – auf Forderung der Gewerkschaft – von Anwalt Helmut Naujoks, weithin als einer bekannt, der Betriebsräte recht rabiat plattmacht. Vertreten wird Götz nun von der Würzburger Kanzlei Leopold und Sues.

Auch distanziert sich Götz-Brot im Schreiben „von jeglicher Form des 'Union Bustings' und der Benachteiligung von Gewerkschaftsmitgliedern und Betriebsräten“. Unter Union Busting versteht man das systematische Bekämpfen und Sabotieren von Arbeitnehmervertretungen durch die Geschäftsführung oder Anwaltskanzleien – durchaus mit Mitteln, die nicht legal sind. Weiter heißt es: „Sollte dieser Eindruck in der Vergangenheit entstanden sein, so bedauert dies Firmenchef Wolfgang Götz.“

Eine Frage bleibt: Warum ist dieses Quasi-Dementi überhaupt nötig? Was kommt noch raus? Sowohl in Presseerklärungen von Götz als auch der Kanzlei Spengler heißt es, dass alle strafrechtlichen Ermittlungen bezüglich weiterer Vorkommnisse von der Einigung nicht berührt sind. Was also die Kündigungen und die Wahlanfechtung betrifft, sind die Eisen aus dem Feuer. Gänzlich geklärt sind die Fronten allerdings noch nicht – aber sie sind weicher geworden.

Schlagworte

  • Waldbüttelbrunn
  • Lara Meißner
  • Betriebsräte
  • Gewerkschaften
  • Großbäckereien und Bäckereiketten
  • Kanzleien
Lädt

Schlagwort zu
„Meine Themen“

hinzufügen

Sie haben bereits
/ 15 Themen gewählt

bearbeiten

Sie folgen diesem Thema bereits

entfernen

Um "Meine Themen" nutzen zu können müssen Sie der Datenspeicherung zustimmen

zustimmen
6 6
Kommentar schreiben

Der Diskussionszeitraum für diesen Artikel ist leider schon abgelaufen. Sie können daher keine neuen Beiträge zu diesem Artikel verfassen!