MÜNCHEN/GRAFENRHEINFELD

Grafenrheinfeld länger am Netz?

Um der Gefahr von Stromausfällen in Bayern zu begegnen, darf nach Ansicht von Alfred Gaffal, dem Präsidenten der Vereinigung der Bayerischen Wirtschaft (vbw), auch eine längere Nutzung der Atomkraft nicht ausgeschlossen werden: „Denn in unserer hocheffizienten bayerischen Industrie können wir uns Stromausfälle nicht leisten“, warnt er.

KKG Grafenrheinfeld
Im Zweifel müsse etwa das AKW Grafenrheinfeld laufen, bis ausreichend Leitungen zum Schließen von Versorgungslücken fertig sind, sagte der Verbandschef. Auch Atomstrom aus Frankreich oder Tschechien dürfe „kein Tabu sein“, falls die Politik das Stromdefizit nicht beseitigen könne. Er hoffe aber, dass es so weit nicht kommen müsse, so Gaffal.

Hintergrund ist eine Studie zur Energiewende, die die renommierte Prognos AG für die vbw erstellt hat. Darin wird spätestens mit der geplanten Abschaltung des Kernkraftwerks Grafenrheinfeld Ende 2015 vor einer massiven Unterversorgung mit Strom in Bayern gewarnt.

  • Das große Extra zum KKG Grafenrheinfeld...

Dieses Defizit werde durch den schleppenden Netzausbau noch verschärft: So sei mit der Fertigstellung der wichtigen „Thüringer Strombrücke“ nicht vor 2017 zu rechnen: „Damit ist ab 2016 die Frage: Wo kommt der Strom her?“, sagte der Verfasser der Studie Dr. Michael Schlesinger.

Während im Rest Deutschlands noch ausreichend Reserven vorhanden seien, sei der Stromverbrauch im Freistaat zudem schon jetzt „ziemlich an der Kante“, warnte Schlesinger. Dies liege nicht zuletzt an einem gestiegenen Strombedarf infolge der guten Wirtschaftslage.

Zwar habe die Produktion von Ökostrom in Bayern wie gewünscht zugelegt. Doch auch hier könne der Ausbau der Stromnetze nicht Schritt halten: Die Zahl der Zwangsabschaltungen von Öko-Stromanlagen aufgrund von Netzüberlastung wachse deshalb gewaltig. Zudem könne Ökostrom mangels vorhandener Speicher nur bedingt zur „gesicherten Leistung“ beitragen. „Mehr Windkraft ist für uns nicht das Thema – es geht um Versorgungssicherheit“, findet deshalb Wirtschaftslobbyist Gaffal. Diese müsse Bayerns Staatsregierung garantieren – und deshalb etwa dafür sorgen, „dass Ersatzkraftwerke schnell in Betrieb kommen“.

Seehofer: Ausstiegsplan gilt

Während SPD und Grüne im Landtag ein „strategisches Doppelspiel“ zwischen CSU und „Atomlobby“ und ein „geplantes Scheitern der Energiewende“ befürchteten, sieht Ministerpräsident Horst Seehofer (CSU) keinen Grund zur Aufregung: Die bayerischen Kernkraftwerke würden wie geplant abgeschaltet, beteuerte er am Rande einer Landtagssitzung. Das Problem sei eher, dass teure Investitionen die AKW-Betreiber davon abhalten könnten, die vereinbarten Laufzeiten voll auszuschöpfen, so Seehofer.

„Bayerns Wirtschaft muss keine Angst um die Versorgungssicherheit haben“, sagte Wirtschaftsministerin Ilse Aigner (CSU) dieser Zeitung: „Zudem gibt es ja noch andere Energiequellen als Atomkraft – Gas zum Beispiel.“ Es gebe keinen Grund, die Energiewende infrage zu stellen.

Auch in Schweinfurt sorgten die Spekulationen um Grafenrheinfeld für Diskussionen: Während der CSU-Fraktionschef im Stadtrat Stefan Funk die Stromversorgung in Bayern auch ohne das Kernkraftwerk gesichert sieht, warnte SPD-Stadtrat Herbert Wiener vor massiven Bürgerprotesten, sollte eine Laufzeitverlängerung erwogen werden. Auch die große Mehrheit der Wirtschaft habe eingesehen, dass die Atomkraft keine Zukunft habe, glaubt Wiener.

Mitarbeit: Gerd Landgraf

Rückblick

  1. So läuft der Abbau des Kernkraftwerks Grafenrheinfeld
  2. Kernkraftwerk: Rückbau startet 2021 in die heiße Phase
  3. Monumente der Atomenergie
  4. KKW Grafenrheinfeld: Kritik an Abgabewerten der radioaktiven Belastung von Abwässern
  5. Rückbau im AKW Grafenrheinfeld: Die letzten Brennelemente
  6. Zwischenlager in Grafenrheinfeld: Betreiber will offen sein
  7. Brandschutz im AKW Grafenrheinfeld: Ehrenamtliche gefordert
  8. AKW: Kritik am Abbau der Werksfeuerwehr
  9. KKG Grafenrheinfeld: Zwischenlager ist jetzt in Bundeshand
  10. Aus für AKW-Andachten
  11. Knoblach will Werksfeuerwehr erhalten
  12. Jahresrückblick: Rückbau des AKW hat begonnen
  13. Schleierhaftes Plädoyer für die Atomkraft
  14. Mauerbau am Zwischenlager in Grafenrheinfeld
  15. Preussen-Elektra wirbt um Vertrauen
  16. Klage soll AKW-Rückbau sicherer machen
  17. Bund Naturschutz klagt gegen AKW-Abriss
  18. Energiesparen im AKW Grafenrheinfeld
  19. KKG-Rückbau: Die Kühltürme fallen erst nach 2033
  20. Rückbau im KKG: Was dieses Jahr konkret geplant ist
  21. BN klagt gegen Rückbau-Genehmigung für das KKG
  22. AKW-Rückbau: Kritiker warnen vor Niedrigstrahlung
  23. AKW-Rückbau: Kritiker sorgen sich um strahlenden Bauschutt
  24. Im AKW beginnt der Rückbau
  25. Unbehagen nach Abrissplänen für AKW–Türme
  26. Der Fall der Kühltürme weckt wenig Emotionen
  27. Werden Kühltürme schon 2019 gesprengt?
  28. Informieren statt Ignorieren
  29. Atomrisiko: Zwischenlager laut BUND vor Terrorangriffen nicht geschützt
  30. Rückblick 2017: AKW - Transparenz beim Rückbau
  31. Infotag zum Rückbau des KKW Grafenrheinfeld
  32. Atomkraftgegner: „Erlebnistag im Kindergarten“
  33. Erfahrungen der „Atomstadt“ Philippsburg mit dem Ausstieg
  34. Wie man ein AKW abbaut
  35. Grafenrheinfeld sagt nein zu „Beha“
  36. Opfern der Atomnutzung gedacht
  37. Scheuring nimmt Abschied vom Atomkraftwerk
  38. Scheuring nimmt Abschied vom Atomkraftwerk
  39. Atomkraftwerk: 2035 alles weg?
  40. Atomkraftwerk: Reinhold Scheuring gibt Leitung ab
  41. Atomkraftwerk Grafenrheinfeld nach Alarm geräumt
  42. Firma KL: Für und Wider des Atomausstiegs
  43. BA-BI will Klage unterstützen
  44. Atomkraftwerk: 330.000 Tonnen Material werden bewegt
  45. Atomkraftwerk-Rückbau: Betreiber sucht Gespräch
  46. Jahresrückblick: Massiver Streit um AKW-Rückbau
  47. Atommüll ist eine Generationenfrage
  48. Atommüll mitten in der Wüste von New Mexico
  49. Atommüll mitten in der Wüste von New Mexico
  50. Atomares Zwischenlager für 100 Jahre?

Weitere Artikel

Schlagworte

  • Henry Stern
  • Atomkraftwerk Grafenrheinfeld
  • CSU
  • Energiewende
  • Horst Seehofer
  • Ilse Aigner
  • SPD
  • Stefan Funk
  • Stromausfälle
  • Ökostrom
Lädt

Schlagwort zu
„Meine Themen“

hinzufügen

Sie haben bereits
/ 15 Themen gewählt

bearbeiten

Sie folgen diesem Thema bereits

entfernen

Um "Meine Themen" nutzen zu können müssen Sie der Datenspeicherung zustimmen

zustimmen
40 40
Kommentar schreiben

Der Diskussionszeitraum für diesen Artikel ist leider schon abgelaufen. Sie können daher keine neuen Beiträge zu diesem Artikel verfassen!