ROTHENBUCH

Greenpeace sieht alte Spessartwälder in Gefahr

Protest: Zwei Aktivisten der Umweltschutzorganisation Greenpeace versehen im Spessart bei Rothenbuch eine zur Fällung markierte Buche mit einer Tafel, die ein Motorsägenverbot symbolisiert. Die Naturschützer werfen dem Unternehmen Staatsforsten vor, entgegen einer Selbstverpflichtung alte Waldbäume zu fällen. Foto: Greenpeace

Der Streit um die Bewirtschaftung der Spessartwälder geht in die nächste Runde: Nach Beendigung ihres zweiten Waldcamps warfen Umweltschützer von Greenpeace am Dienstag den Bayerischen Staatsforsten (BaySF) vor, sich nicht an den erst im Juni auf Druck der Naturschützer verkündeten Einschlagstopp in über 180-jährigen Buchenwäldern zu halten.

Drei Wochen lang hatten zuvor 53 Aktivisten im Spessart rund 13 000 Bäume mit mehr als 50 Zentimetern Durchmesser kartiert. Dabei sei man beispielsweise bei Rothenbuch (Lkr. Aschaffenburg) auf einen Waldbestand gestoßen, in dem über 180 Jahre alte Buchen entgegen der Selbstverpflichtung zur Fällung markiert waren, sagt Martin Kaiser. Der Waldexperte von Greenpeace wirft den Staatsforsten „eklatante Verstöße gegen die eigenen Richtlinien“ vor.

Dem widerspricht die Zentrale der Bayerischen Staatsforsten. Es gebe „keinerlei Automatismus“, wonach jeder über 180 Jahre alter Wald nicht mehr bewirtschaftet werden dürfe. Der Einschlagstopp gelte nur für Wälder, die zum einen über 180 Jahre alt seien, zum anderen aber auch als sogenannte Trittsteine bei der Vernetzung wertvoller Waldbiotope dienten. Dieses Kriterium erfüllten im Spessart 1300 Hektar Staatswald, nicht jedoch der von Greenpeace herausgestellte Waldbestand.

Ein genereller Einschlagstopp in allen alten Wäldern sei nicht vereinbar mit dem gesetzlichen Auftrag zur Bewirtschaftung der Staatswälder, so die Stellungnahme der Staatsforsten. Deren Pressesprecher Philipp Bahnmüller betonte, dass im Staatswald eine „reguläre Forstwirtschaft“ nach klaren gesetzlichen und unternehmensinternen Vorschriften praktiziert werde. Die Nutzung sei maßvoll und in der Höhe des Holzzuwachses.

Greenpeace indes ist der Überzeugung, dass gerade im nördlichen Spessart alte Buchenwälder immer seltener werden. Da für die beiden Forstbetriebe in Rothenbuch und Heigenbrücken momentan der Waldbewirtschaftungsplan für die nächsten zehn Jahre erstellt werde, sei der Zeitpunkt einer Weichenstellung gekommen, so Greenpeace-Aktivist Martin Kaiser. Er fordert die Staatsforsten auf, den „Holzeinschlag deutlich nach unten zu korrigieren“. Nur so könnten die vorratsreichen Spessartwälder erhalten werden. Deren ökologischer Wert ist laut Kaiser deutschlandweit einmalig.

Die Staatsforsten hingegen kontern diesen Vorwurf mit einem Verweis auf die Ergebnisse jüngerer Waldinventuren. Diese würden deutlich zeigen, dass der Anteil alter Buchenwälder ebenso wie der Holzvorrat im Spessart stetig steige.

Kontrovers diskutiert wurde das Thema am Montag bei einem Treffen von Greenpeace-Vertretern mit örtlichen Bürgermeistern, Forstleuten und Landtagsabgeordneten hinter verschlossenen Türen in Heigenbrücken. Dem Vernehmen nach erntete Greenpeace dabei für seine Vorstellung, wonach die heutigen Spessartwälder die Urwälder von morgen sein sollten, deutlichen Widerspruch. Die Menschen im Spessart wollten und könnten nicht auf ihr verbrieftes Recht auf Holznutzung verzichten, stellte beispielsweise der Bürgermeister einer Spessartgemeinde klar.

Schlagworte

  • Greenpeace
Lädt

Schlagwort zu
„Meine Themen“

hinzufügen

Sie haben bereits
/ 15 Themen gewählt

bearbeiten

Sie folgen diesem Thema bereits

entfernen

Um "Meine Themen" nutzen zu können müssen Sie der Datenspeicherung zustimmen

zustimmen
2 2
Kommentar schreiben

Der Diskussionszeitraum für diesen Artikel ist leider schon abgelaufen. Sie können daher keine neuen Beiträge zu diesem Artikel verfassen!