BERLIN/LENGFURT

Gürkans Erfolgsgeschichte

Gut integriert: Gürkan Midik aus Lengfurt (hinten Mitte) wurde von der Deutschen Islam Konferenz mit einem Preis bedacht. Foto: Julia Knetzger

Es gibt sie, die großen und kleinen Erfolge, die aus einem Menschen einen besonderen machen. Gürkan Midik aus Lengfurt, einem Ortsteil von Triefenstein (Lkr. Main-Spessart), hat mit 20 schon seine eigene Erfolgsgeschichte geschrieben. Für seine bewegende Autobiografie, die er beim Jugendwettbewerb „Erfolgsgeschichten“ einreichte, zeichnete ihn die Deutsche Islam Konferenz am Dienstag in Berlin mit einem von sechs Preisen aus. Junge Menschen zwischen 14 und 26 Jahren waren aufgefordert, eine erfolgreiche muslimische Person in Deutschland zu porträtieren. Egal, ob mit einem Text, Bild oder Video. Gürkan schrieb kurzerhand über sich selbst.

Gürkans Leben ist ein Brückenschlag zwischen zwei Kulturen. Der junge Mann ist in Deutschland geboren, seine Familie stammt aus der Türkei. Auf seinem Ausweis ist die türkische Staatsbürgerschaft vermerkt, er selbst sieht sich als „Deutscher mit Migrationshintergrund“. Aufgewachsen ist er mit zwei Sprachen – Türkisch aus dem Elternhaus und Deutsch aus der Schule. Wenn Gürkan davon erzählt, wie er es geschafft hat, die beiden Kulturen unter einen Hut zu kriegen, klingt es wie etwas Selbstverständliches. Dabei war es gar nicht so einfach.

Als Kind hatte Gürkan große Schwierigkeiten mit der deutschen Sprache. Er packte den Wechsel von der Haupt- auf die Realschule, aber seine Deutschnoten waren im Keller. Immer glatte Fünfen. „Jedes Jahr fühlte ich mich schlecht, wenn ich mein Zeugnis nach Hause brachte. Dann entschloss ich mich, etwas gegen meine Probleme in Deutsch zu tun“, schreibt er in seiner Autobiografie. Ab sofort sprach er mit seinem Bruder zu Hause nur noch Deutsch und übte sich im Lesen. In der neunten und zehnten Klasse kam er auf eine Zwei. Der Weg für den Wechsel aufs Gymnasium war geebnet.

Es hätte alles so perfekt sein können, wenn das Schicksal nicht noch einmal in Gürkans Geschichte eingegriffen hätte. 2008 erkrankte sein Vater an einem bösartigen Krebs. Zeiten des Bangens begannen. Die Mutter litt Qualen. Gürkan half, wo er nur konnte. Er suchte Halt im Glauben, lernte Gebete und ging in die Moschee zum Beten. Der Vater überlebte den Tumor nicht. Gürkan musste ihn zu Grabe tragen. „Die Beerdigung meines Vaters war die erste, an der ich jemals teilnahm“, schreibt er. „Ich dachte immer, dass meine Großeltern vor meinen Eltern sterben würden.“ Seit dem Tod seines Vaters betet er fünfmal am Tag. Und hört nicht auf, Vorbild zu sein für andere, die hadern und kämpfen.

Gürkan ist mit 20 längst mitten in der Gesellschaft angekommen. Er ist ein guter Schüler, macht im nächsten Jahr sein Abitur am Gymnasium in Wertheim (Main-Tauber-Kreis) und hat schon verschiedene Angebote für ein Studium in der Tasche. Mechatronik oder Elektrotechnik, das wäre etwas für ihn. Die Robert Bosch Stiftung und das Land Bayern haben ihn mit einem Stipendium für Schüler mit Migrationshintergrund bedacht. Außerdem hat er die Organisation „Wir für Bayern“ mitgegründet. In der hilft er jungen Migranten, die richtigen Entscheidungen in ihrer Schullaufbahn zu treffen.

Der Wettbewerb war für Gürkan eine Chance zu helfen. „Ich will anderen zeigen, dass man sich auch mit Defiziten integrieren kann“, erzählt er. Seine Devise: Wenn man etwas will, dann schafft man es auch. Damit liegt er mit Bundesinnenminister Hans-Peter Friedrich (CSU) auf einer Linie. Der sprach in seiner Laudatio bei der Preisverleihung: „Erfolg bedeutet für mich, dass jemand die Chancen, die ihm im Leben begegnen, beherzt ergreift und daraus etwas macht.“ Er hoffe, dass die Preisträger bekannt werden, um als Vorbild voranzugehen. Gürkan bekommt für seine Arbeit nun 1000 Euro und ein Praktikum im Bereich Journalismus.

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