WÜRZBURG

Helfen, wo Not am Mann ist

Seltene Ruhepause: Doktor Thomas Jarausch und Ernst Freier vom Malteser Hilfsdienst des Bistums Würzburg zwischen zwei Einsätzen. Foto: Meike Rost

Der Alarmmelder am Hosenbund schrillt. „Wir müssen los“, ruft der Arzt Dr. Thomas Jarausch, stellt seine Kaffeetasse ab, rennt zum Auto. Rettungssanitäter Ernst Freier wartet bereits im vollbepackten Notarztwagen, der Motor läuft.

Der Bordcomputer im Wagen zeigt Informationen zum Einsatz an: Verdacht auf Herzinfarkt. „Da zählt jede Minute“, sagt Freier und rast mit Blaulicht durch die Straßen von Würzburg.

Ernst Freier sagt von sich, er sei ein „waschechter Malteser“. Seit 1975 ist er hauptamtlicher Mitarbeiter der Hilfsorganisation. Bei einem Erste-Hilfe-Kurs der Malteser entdeckte der gelernte Facharbeiter für Maschinenbau seine Leidenschaft für den Sanitätsdienst. Über die Jahre hinweg absolvierte Freier zunächst eine medizinische Ausbildung und qualifizierte sich anschließend zum Bereitschaftsführer – eine rundum kostenlose Ausbildung.

„Wer sich für die Arbeit der Malteser interessiert, kann sich bei uns ausbilden lassen“, sagt Christina Gold. Das Hilfswerk finanziere sich zum großen Teil aus Spenden von Fördermitgliedern. Christina Gold ist Pressesprecherin des Malteser Hilfsdienstes in der Diözese Würzburg, der in diesem Jahr sein 50-jähriges Bestehen feiert.

Das Gebiet der Diözese Würzburg ist fast deckungsgleich mit dem Regierungsbezirk Unterfranken. „Insgesamt haben wir circa 700 Haupt- und Nebenamtliche und über 4000 ehrenamtliche Mitarbeiter“, sagt Gold. Die Ehrenamtlichen seien die „Seele“ der Hilfsorganisation, denn ohne die vielen Freiwilligen wäre ein so vielfältiges Angebot undenkbar. „Diese Menschen nutzen ihre freie Zeit, um anderen zu helfen“, sagt Gold.

Unentgeltlich Gutes tun, das entspräche dem Grundgedanken der Malteser, deren Geschichte über 900 Jahre zurückreicht. Benannt wurde der katholische Ritterorden nach der Insel Malta, wo er lange Zeit seinen Hauptsitz hatte. Heute ist der Malteser-Hauptsitz in Rom. 1953 wurde der Malteser Hilfsdienst vom Malteserorden und dem Caritasverband in Deutschland gegründet.

Mittlerweile ist das Dienstleistungsspektrum der katholischen Hilfsorganisation um einige Angebote wie beispielsweise Hospizdienst, Schulbegleitungsdienst, Trauerbegleitung und den Essensservice erweitert worden. Man habe immer versuch, da zu helfen, „wo Not am Mann ist“, sagt Christina Gold.

Mit „Not am Mann“ kennt sich der Anästhesist Thomas Jarausch aus. Etwa 20 niedergelassene Ärzte sind 16 Wochen im Jahr als Notärzte in Würzburg bei akuten lebensgefährdenden Erkrankungen oder Verletzungen im Einsatz. Sie teilen die Schichten untereinander auf.

„Ich werde beispielsweise bei Bewusstlosigkeit, Luftnot und schweren Verkehrsunfällen gerufen“, sagt Jarausch. Die Einsätze laufen in Kooperation mit den Maltesern, die in diesen Wochen den Fahrer, den Einsatzleiter und den Wagen stellen. Gemeinsam mit einem Kollegen deckt Jarausch als Notarzt die Stadt und den Landkreis Würzburg ab, zusätzlich kommt immer ein Rettungswagen zum Einsatzort.

Heute ist es verhältnisweise ruhig. Der Mann mit den Herzproblemen wird ins Krankenhaus gebracht, ein Herzinfarkt war es zum Glück nicht. Während Thomas Jarausch im Rettungswagen behandelt, nimmt Ernst Freier die Personalien auf. „Wir eilen oft von Einsatz zu Einsatz“, erzählt der Rettungssanitäter. Da sei es besonders wichtig, alle Behandlungen des Notarztes schriftlich festzuhalten. Sobald ein Patient versorgt wurde, ist der Notarzt wieder abrufbereit.

Freier gesteht, dass dieser Stress und die Erlebnisse manchmal belastend seien. Ein anderer Beruf würde für ihn jedoch nie infrage kommen. „Ich bin eben wirklich ein waschechter Malteser“, sagt er, grinsend und startet wieder den Motor.

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