HAMMELBURG

Hinauf zu den Adonisröschen

Loch in der Erde: Der Krater auf dem Kegel des Sodenbergs ist vom Flugzeug aus gut zu erkennen.
Loch in der Erde: Der Krater auf dem Kegel des Sodenbergs ist vom Flugzeug aus gut zu erkennen. Foto: Barbara Oschmann

Der knapp 500 Meter hohe Sodenberg nahe Hammelburg ist der südlichste Vorposten der Rhön. Als imposanter Grenzwall liegt er genau zwischen den Landkreisen Bad Kissingen und Main-Spessart. Eine fabelhafte Aussicht, das Naturschutzgebiet mit den Adonisröschen sowie das Geotop, im Volksmund „Krater“ genannt, machen dieses Ziel für Wanderer aller Altersklassen attraktiv.

Zu jeder Jahreszeit hat die Landschaft an der fränkischen Saale ihre Reize. Ein Ausflug zum Sodenberg ist aber besonders im Frühling empfehlenswert: Der lichte Buchenwald zeigt erst einen zarten Hauch von Grün, er ist noch durchlässig für die ersten wärmenden Sonnenstrahlen. Im braunen Buchenlaub des Vorjahres suchen sich Märzenbecher, Waldanemonen, Schlüsselblumen, Veilchen, Leberblümchen und wenig später Waldmeister und Maiglöckchen ihren Weg ans Licht.

Die Hauptattraktion des Sodenbergs sind jedoch die sonnengelben Adonisröschen, die im April zu blühen beginnen. Diese geschützten Pflanzen kommen in Deutschland nur an vereinzelten Standorten vor. Am Sodenberg gedeihen sie dank des Naturschutzes in stattlicher Zahl. Während der Blütezeit achten deshalb engagierte Naturschützer darauf, dass Wanderer auf den Wegen bleiben und den Bestand der seltenen Pflanzen nicht gefährden.

Den Sodenberg kann man von mehreren Seiten erwandern. Start und Zielpunkt der hier vorgeschlagenen Tour ist im romantisch gelegenen Dörfchen Morlesau, das mit der Saaletalbahn bequem erreichbar ist. Nach geschafften Auf- und Abstiegen bietet sich hier auch eine sehr gute Einkehrmöglichkeit, bevor der Zug zur Heimreise abfährt. Die beiden gerade erst neu angelegten Rhönrundwege Hammelburg 1 und 2 sind bestens ausgezeichnet und lassen sich gut kombinieren. Wer allerdings die Überwindung von 230 Höhenmetern scheut, sollte mit dem Pkw anreisen und auf dem Wanderparkplatz direkt am Gutshof Sodenberg parken: Ein Spaziergang durch Rundweg 1 mit nur 70 Aufstiegshöhenmetern ist ebenso lohnenswert.

Rhönrundweg 2 führt von Morlesau nach steilem Anstieg durch den Wald zum Gansberg, einer freien, dem Sodenberg nordöstlich vorgelagerten Kuppe. Dort, an den Gedenksteinen des Rhönklubs, bietet sich ein gigantischer Ausblick: Das Auge schweift vom Spessart im Westen über die Rhön im Norden und die Gleichberge im Osten bis hin zum Schwanberg im Süden. Wer diese Aussicht an klaren Tagen genießt, wird sich nur ungern davon lösen. Zu Füßen des Gansbergs steht das mehr als tausend Jahre alte Giselakreuz, um das sich eine alte Sage von Liebe und Tod rankt. Hier sind am nahen Waldrand und auf den Wiesen die Adonisröschen heimisch. Um sie aufzusuchen, muss man den eigentlichen Wanderweg kurzzeitig verlassen.

Hinter dem Gansberg, Richtung Sodenberggipfel, kreuzen sich Rundweg 2 und 1. Rundweg 1 führt in weitem Bogen als „Kraterrunde“ durch den Wald. Der Krater des Basaltkegels birgt eine reichhaltige und interessante Fauna und Flora. Entstanden ist er übrigens nicht durch Vulkanausbrüche, sondern durch den Abbau von Basalt Anfang bis Mitte des 20. Jahrhunderts. In einer Schutzhütte direkt neben diesem Geotop ist für den interessierten Ausflügler alles Wissenswerte in Wort und Bild erläutert: die erdgeschichtlichen Gegebenheiten, ein kurzer Abriss über den Basaltabbau sowie die Besonderheiten der Tier- und Pflanzenwelt.

Wer noch Zeit und Kraft hat, sollte dem Wegweiser in Richtung Kapelle folgen. Fast auf dem höchsten Punkt des Sodenbergs steht mitten unter den hohen Säulen der Buchen eine kleine, einsame Waldkapelle mit einem Jahrhunderte alten Steinkreuz. Alljährlich am Pfingstmontag wird hier ein Waldgottesdienst gefeiert, zu dem die Menschen aus den umliegenden Ortschaften in einer Sternwallfahrt zusammenkommen.

Der Volksmund erklärt den Namen Sodenberg übrigens folgendermaßen: Nach der Sintflut soll Noahs Arche auf dem Sodenberg gestrandet sein. Noah sagte damals: „So, den Berg hätten wir!“. Dann schickte er die Ochsen nach Ochsenthal, die Hammel nach Hammelburg, die Katzen nach Katzenbach, die Hunde nach Hundsfeld, die Füchse nach Fuchsstadt, die Schweine nach Schweinfurt . . .

Die Sodenberg-Runde

Anfahrt mit der Bahn: Saaletalbahn Hammelburg – Gemünden, Ausstieg in Morlesau. Am Ortsausgang Richtung Diebach sind die Rundwege auf einer Tafel beschrieben. Zunächst Rhönrundweg 2 folgen, dann Rundweg 1 um den Sodenberg herum, schließlich Rundweg 2 zurück über Ochsenthal nach Morlesau.

Gesamtlänge: ohne Abstecher ca. 9 km, reine Gehzeit 3 Stunden.

Einkehrmöglichkeit: Gasthaus Nöth in Morlesau mit regionalen Spezialitäten von Fisch bis Wild, dazu Weine aus Hammelburg, der ältesten Weinstadt Frankens.

Anfahrt mit dem Pkw: direkt zum Sodenberg: B27 zwischen Hammelburg und Gemünden, Abzweig Weickersgrüben/Gräfendorf, dann rechts abbiegen, durch den Wald zum Wanderparkplatz am ehemaligen Gasthof Sodenberg. Von hier aus Rundweg 1, Länge 3,6 km, ca. 1 Stunde Gehzeit.

Sehenswürdigkeiten: Naturschutzgebiet Sodenberg-Gans mit Adonisröschen und anderen geschützten Pflanzen (Frühjahr), Geotop am ehemaligen Steinbruch, Waldkapelle, Giselakreuz, Stadt Hammelburg.

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