WÜRZBURG

Hotelturm-Gründer unter Verdacht

Vier Jahre nach dem Zusammenbruch des Finanzberater-Imperiums der „Euro-Gruppe“ gerät Firmengründer Franz K. ins Visier des Staatsanwaltes. Bisher war der geistige Vater der 17-stöckigen Bauruine „Hotelturm“ strafrechtlich ungeschoren davongekommen – zum Missfallen von 27 000 Geschädigten, die ihm Millionen anvertraut und diese verloren hatten.

Angeblich ist Franz K., der frühere Finanzjongleur aus dem Landkreis Würzburg, nach der Pleite seines Netzwerks von Anlageberatungs-Firmen (2005) verarmt. Der Mann, der mit der Euro-Gruppe dreistellige Millionenbeträge bewegt hatte, gab 2007 die eidesstattliche Versicherung ab, über kein nennenswertes Vermögen mehr zu verfügen – auch wenn Juristen weiter verbissen nach Vermögenswerten bei ihm suchten.

117 Millionen verschwunden

Viele Kunden von K.'s Firmengeflecht „Euro-Gruppe“ wollen von ihm Geld zurück. Denn 2005 war passiert, wovor Verbraucherschützer jahrelang gewarnt hatten: Das Finanzberater-Imperium aus Würzburg, das bundesweit Geld eingesammelt hatte, war plötzlich insolvent. Das hieß: 117 Millionen Euro, investiert von 27 000 Kunden, verschwanden im schwer durchschaubaren Geflecht jener Firmen, die zuvor fachmännisch beraten hatten, wie man Geld investieren sollte: beispielsweise in den Bau und Unterhalt des 17-stöckigen Hochhauss in der Schweinfurter Straße in Würzburg. Dort sollte eine noble Hotelkette einziehen, versprach man.

Doch sieben Jahre nach dem Baubeginn gammelt der Rohbau halbfertig vor sich hin. Vergeblich hofften geprellte Geschäftspartner bisher, Franz K. werde als Drahtzieher des Geschäfts strafrechtlich zur Verantwortung gezogen, wenn schon finanziell nicht mehr viel bei ihm zu holen war.

Zwar nährte der damalige Bericht des Insolvenzverwalters vor den Gläubigern den Verdacht auf strafbare Handlungen. Doch dies reichte der Staatsanwaltschaft ebenso wenig wie die Tatsache, dass K. schon einmal wegen dubioser Finanzgeschäfte jahrelang im Gefängnis saß. „Pleite gehen ist nicht strafbar,“ sagte Leitender Oberstaatsanwalt Clemens Lückemann auf Anfrage dieser Zeitung damals. Er betonte, K. habe „aus früheren Fehlern gelernt.“

Eine vielsagende Bemerkung, wie sich nun zeigt: Ob Franz K. strafbare Handlungen unterlassen oder nur besser getarnt hat, muss sich herausstellen. Jedenfalls hat die Staatsanwaltschaft – vier Jahre nach dem Zusammenbruch seines Finanzberater-Imperiums – nun neue Ermittlungen wegen Bankrotts gegen Franz K. begonnen. Dies bestätigte jetzt der Chef der Würzburger Staatsanwaltschaft auf Anfrage.

Geschäftsführer nur Handlanger

Der Grund für den Sinneswandel: Erhellende Aussagen vor drei Monaten im Prozess gegen Jürgen S., den Geschäftsführer der Ibeka AG, der Kernfirma des Imperiums. K. hattte zwar die Gruppe gegründet – und schon von einem repräsentativen Wohnsitz im Penthaus des Hotelturms geträumt. Doch er zog nur im Hintergrund die Fäden. Offiziell standen andere in Verantwortung – Männer wie Jürgen S., der Franz K. nach eigener Aussage bewunderte. Er war der einzige, der im Oktober 2008 auf der Anklagebank saß – wegen vergleichsweise geringer Vorwürfe wie der chaotischen Zustände in der Buchhaltung in der Endphase des Unternehmens.

Doch Jürgen S. taugte nicht als Bauernopfer. Im Prozess beschrieb sich S. als reinen Strohmann, der für ein fünfstelliges Monatsgehalt den Geschäftsführer mimte. Er betonte: „Herr K. war der alleinige Entscheidungsträger.“ Dies bestätigten vor Gericht der einstige EDV-Leiter, eine Buchhalterin sowie Insolvenzverwalter Frank Hanselmann. Er betonte: „Für mich ist S. nur ein bezahlter Handlanger gewesen.“

Diese Vorwürfe – und die Berichterstattung darüber – waren nun Anlass für die Staatsanwaltschaft, Ermittlungen gegen K. aufzunehmen.

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