KREUZBERG/RHÖN

Hüttengaudi am Himmeldunk

Radwandern: In der Rhön können Mountainbiker ein durchaus hohes Niveau erreichen – gesellig wie sportlich bei einer Zweitagestour über zehn Berge.
Wenn Wolken im Tal hängen, tritt sich's auf den Bergen am schönsten: Blick vom Himmeldunk über das Brendtal und den Arnsberg hinweg zum Kreuzberg.
Wenn Wolken im Tal hängen, tritt sich's auf den Bergen am schönsten: Blick vom Himmeldunk über das Brendtal und den Arnsberg hinweg zum Kreuzberg. Foto: Klaus Neumann

Am Abend wird der Rucksack aufgemacht. Käse, Wurst und Rhöner Brot rücken den Kräfteverschleiß wieder ins Lot. „Hart!“, sagt Werner, als er die Hartwurst entpellt im gemütlichen Haus des Bergbunds Würzburg am Himmeldunk in der Rhön. Und damit umschreibt er nicht die Wurst, die er klobig auf sein Brot verteilt, sondern die Tour. Sie führte uns fünf Mountainbiker vom Münnerstädter Bahnhof ins Saaletal, hoch zur Kissinger Hütte und zum Kreuzberg. Und von dort – natürlich nach einer kräftigen Stärkung – über Oberweißenbrunn hinauf zum Himmeldunk. Da ließen wir unsere matten Glieder an der Würzburger Hütte nieder.

Der abendliche Ausblick auf das Brendtal bis nach Bad Neustadt und auf die umliegenden Berge entschädigt beinahe blendend für die Strapazen. Denn wenn die Sonne untergeht hinter dem Dammersfeld, lässt sich's auf den Bänken vor der Hütte gut entspannen. Und in derartigem Licht erscheint einem der erste Teil der Mountainbiketour gar gänzlich genial.

Sie hatte begonnen am Münnerstädter Bahnhof – ökologisch wertvoll mit Anreise per Bayernticket. Umweltschonend wollten wir ein Wochenende verbringen, sportlich wie gesellig auf hohem Niveau.

Ruckzuck auf Betriebstemperatur

Was das Sportliche betrifft, hat der erste Tag genau das gehalten, was er beim Planen versprach. Allein der Start brachte die Muskulatur ruckzuck auf Betriebstemperatur. Denn vom Münnerstädter Bahnhof erklommen wir den Michelsberg über die Friedrich-Abert- und Peter-Herrlein-Straße steil hinauf, ließen das Bienenhaus links liegen und richteten uns rechts zum Reichenbacher Blick. Vom dortigen Aussichtsturm aus hatten wir das ganze Gebiet, durch das uns die Mountainbike-Tour führte, vor Augen: unten die bewaldeten Hänge des Saaletals, in der Mitte der Anstieg über Aschach hoch nach Stangenroth. Von dort durch den kühlenden Bergwald zum Totnansberg.

Da war eine größere Verschnaufpause angesagt. „Favoritenkiller“ wird die Straße zum Basaltwerk oberhalb von Gefäll gerne von den Rhöner Mountainbikern genannt. „Man muss schon Kraft und Geduld mitbringen, wenn man das ohne abzusteigen bewältigt“, schnauft Paul. Zäh zieht sich diese Forststraße über knapp fünf Kilometer bergan, um die 340 Höhenmeter zu überwinden. Die restlichen 75 Höhenmeter bis zum Feuerberg sind nur noch ein Klacks, zumal dort mit der Kissinger Hütte ein lohnendes Ziel wartet.


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Der dritte von fünf durchaus heftigen Anstiegen des ersten Tages ist da bewältigt. Kräftesammeln. Denn die Abfahrt vom Feuerberg zum Guckas-Pass verlangt ein waches Auge, sicheren Tritt und zupackende Bremsen. Kaum anderswo in der Rhön verliert man auf dem Bike so freudvoll die Höhenmeter wie über die satten Matten am Feuerberg-Gipfel. Nicht weniger kräftezehrend ist der Aufstieg zum Kreuzberg. Auf Wallfahrers Pfaden erreicht man das Kloster – und ist genauso außer Atem wie die Pilger.

Die kleine Pause im klösterlichen Biergarten sollte man nutzen, um sich einerseits für den letzten Anstieg an diesem Tag zu rüsten, andererseits aber auch, um für das Abendessen zu sorgen. Denn wer in der Würzburger Bergbundhütte übernachten will, muss sich – was Essen betrifft – selbst versorgen. Dazu passt Werners Einsicht: „Der Käse, den man den ganzen Tag im Rucksack durch die Gegend fährt, schmeckt abends am besten.“

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Hüttengaudi

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Gut. Wir fünf haben uns die Käse-Ration und das Bierbrot erst in der Kreuzberg-Küche gekauft. Aber die Abfahrt über Kreuzbergsattel und die Arnsberg-Skipiste sowie der jähe Anstieg zur Hütte – der fünfte an diesem Tag – haben uns die restlichen Körner in den Muskeln gekostet. Paul und Franz strecken sich auf der Eckbank in der Hütte aus, Armin entdeckt die Klampfe – und die Söhne von Teilzeit-Hüttenwirt Frank beginnen zu spielen. Nach einem einzigen Lied sind wir auch schon gesellig auf dem gewünschten Niveau angekommen.

Einer echten Hüttengaudi steht nichts mehr im Wege – außer der Tatsache, dass die Frischluftzufuhr an diesem Tag enorm war während der fünf Stunden auf dem Bike. Also beginnt der eine und der andere von uns schon zu gähnen. Dass wir „nur“ 46 Kilometer gefahren sind, wollte an diesem Abend sowieso keiner mehr glauben. „Gefühlte 60, mindestens!“, gibt Paul in der Sangespause zwischen der „Schwarzen Natascha“ und den „Bergvagabunden“ zu Protokoll. Schließlich hat er 3000 Kalorien verbraucht.

Abstecher zum Moorauge

Das mahnt auch den Geselligsten unter uns zur Ruhe. Denn schließlich soll der nächste Tag ähnliche Erlebnisse bringen. Wir wollen über die Wasserkuppe, Milseburg, hoch zur Langen Rhön und entlang der MTB-Routen abfahren ins Brendtal. Also auf ins Bett.

Zum Frühstück lugt die Sonne links vom Kreuzberg hervor. Der Rucksack ist etwas leichter geworden, als wir auf die Räder steigen an der Würzburger Bergbundhütte. Wir lassen die Bikes bergab laufen bis zum Parkplatz Schwedenwall. Wer sein morgendliches Geschäft in der Hütte versäumt hat, bekommt am Bretterverschlag noch eine zweite Gelegenheit. Die ist aber nicht zum Sitzen, eher zum Stehen. Über die Alte Reichsstraße gelangen wir schnell ins Rote Moor. Ein Abstecher zum Moorauge und zum neuen Aussichtsturm ist Pflicht, die Räder lassen wir dabei am Weg gesichert stehen.

Franz treibt an: „Kommt, fahren wir weiter. Wir haben heute noch viel vor!“ Deshalb wählen wir auch den schnellsten Weg zur Wasserkuppe, als wir uns von der Fuldaquelle zum asphaltierten Hochrhönring hochgekurbelt haben. Das Segelflugmuseum lassen wir rechts liegen, fahren den Wanderweg entlang zum Radom und zum Fliegerdenkmal. Dort gucken wird dem Treiben der Gleitschirmpiloten zu, die von den Rhöner Winden getragen nach Abtsroda hinuntersegeln. Wir müssen für diese Abfahrt ebensolche Vorsicht walten lassen. Denn auf der Skipiste führt der Weg ziemlich jäh hinab zum idyllisch gelegenen Rhöndörfchen. Auf halbem Weg entschärfen wir die Abfahrt, indem wir bei der Kuh-Tränke nach rechts fahren zum Skilift. Dort sehen wir einen kleinen Wiesenweg, dem wir hinab zum Abtsrodaer Wanderparkplatz folgen. Über den Hochrhöner und die Enzianstraße klettern wir den Weiherberg wieder steil bergan, um zum Grabenhöfchen zu gelangen. Dort fahren wir auf der Forststraße zum Örtchen Danzwiesen. Kurz zuvor lockt uns eine Windschutzhütte zur Rast. Da kann man den Riesen Mils und die verschiedenen Gesteinsarten kennenlernen, die auf dem steilen Weg zur Milseburg zu sehen sind.

Wem dazu die Kräfte nicht ganz reichen, sollte rechtzeitig absteigen. Denn vor der berühmten Hütte müssen zwei steile Rampen bewältigt werden. Dann stellen wir die Fahrräder ab und klettern über kantigen Basalt zum Gipfel. Für diese kleine Bergtour sollte man noch Kräfte aufsparen. Denn der Blick von dort ist gigantisch. Bei klarer Sicht ist gar der Taunus und die Frankfurter Skyline zu sehen. Wenn man sich daran sattgesehen hat, bietet die Hütte mit den berühmten Meterwürsten einen anderen, aber genauso erfüllenden Grad der Sättigung.

Sonnengebleichte Sinnsprüche

Gestärkt muss man auf jeden Fall sein, wenn der Rest der Tour bewältigt werden will. An den so schön klingenden Dörfern wie Oberbernhards, Steinbach, Rupsroth, Liebhards und Eckweisbach können wir talwärts auf dem Milseburgradweg vorbeirauschen. Ab Hilders aber geht es auf dem Ulstertalradweg wieder bergauf und bergab. Und kurz hinter Findlos müssen wir wirklich dem Radwegweiser folgen, der uns jäh über einen Bergrücken vom beschaulichen Brandbach- ins Ulstertal schickt. Kurz vor Thaiden machen wird erst mal Rast. Dort haben geschickte Hände eine kleine Hütte hinter einen Busch verschanzt, in der es sich gut sitzen und lesen lässt. Angebleichte Rhön-Bilder und ausgebleichte Sinnsprüche („Der Kopf tut weh, die Füße stinken: Höchste Zeit ein Bier zu trinken!“) erwecken wieder Leben in den matten Beinen.

Und das ist auch gut so. Denn ab Wüstensachsen heißt es stramm treten. Schließlich muss der dritte große Rhönberg an diesem Tag erklommen werden. Und dazu verlassen wir den Forstweg kurz unterhalb der Ulsterquelle, um auf der Asphaltstraße zur Schornhecke und von dort zum Heidelstein hochzufahren. Der Blick am Sender entschädigt für die Strapazen. Er reicht bei gutem Wetter bis ins Maintal und den Steigerwald.

Lockeres Auslaufen im Brendtal

Eine Brotzeit im zwei Kilometer unterhalb des Gipfels gelegenen Hauses am Roten Moor bei Herbert und Maria mit Lammbratwurst und Rhöner Bier bringt die Kraft zurück, die für die letzte große Abfahrt gebraucht wird. Auf Loipenwegen fahren wir zum Jagdschloss Holzberghof (wer ein opulentes Essen will, ist hier richtig!) und von dort in rasanter Abfahrt an der Teufelsmühle mit dem sehenswerten Wasserfall vorbei nach Bischofsheim.

Den Schwung nehmen wir für die wirklich letzten zwanzig Kilometer der Zweitagestour auf dem Radweg bis zum Bad Neustädter Bahnhof mit. An der Radscheune in Brendlorenzen lassen wir uns kurz nieder und stoßen an auf grandiose Tage in der Rhön. Verdient haben wir es uns allemal. Denn hinter uns liegt eine durchaus anstrengende Tour, die mit ihren zehn Anstiegen auch bewährte Alpenüberquerer vor große Herausforderungen stellt. Wir haben sie allesamt bewältigt. Wichtig ist, dass man auch bei der letzten Rast rechtzeitig aufsteht. Denn unser Zug in Bad Neustadt fährt um 19.22 Uhr ab. Nur gut, dass noch ein Stück Hartwurst übrig ist. Das verteilen wir fünf brüderlich – und können so die restlichen zwei Kilometer bis zum Bahnhof Bad Neustadt locker auslaufen lassen.

Übernachten in der Rhön

Bei dieser Streckenführung bietet sich die Hütte des Würzburger Bergbundes geradezu an. Man muss sich allerdings dort selbst verpflegen (Getränke sind zu kaufen) und Schlafsack oder Bettzeug im Rucksack einpacken. Infos dazu beim Bergbund Würzburg. Alternativübernachtungen sind in Frankenheim, Oberweißenbrunn oder Bischofsheim über die Tourist-Information zu buchen: www.bischofsheim.info

Eine virtuelle Wandergruppe trifft sich zum Erfahrungsaustausch unter: www.main.de/wandern.

Geduldig tritt der Mountainbiker
Geduldig tritt der Mountainbiker

Rückblick

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