WÜRZBURG

Jin Wang: Neue Attacken vor Prozessbeginn

Diskrete Gespräche vor Weihnachten brachten kein Ende des Streits um den fristlos gekündigten Generalmusikdirektor Jin Wang und der Stadt Würzburg – eher eine Atempause. Im Vorfeld des Prozesses am Bühnenschiedsgericht (9. Februar) wollen Wangs Unterstützer jetzt erneut die Öffentlichkeit für sich gewinnen.

Jin Wang
Der gebürtige Chinese Jin Wang musste sich vor Gericht geschlagen geben.
Wangs Fans in der Würzburger Kulturszene um Rechtsanwalt Wolfgang Baumann sehen ihn als Opfer einer Intrige. Sie wollen Wang auf seinen Posten zurückbringen. Die Stadt als bisheriger Arbeitgeber ist überzeugt, das Tischtuch zwischen Orchester und Dirigent sei zerschnitten und die Kündigung korrekt erfolgt. Sie hat bereits Jonathan Seers als Nachfolger berufen.

Einigt man sich nicht, muss das Bühnenschiedsgericht in München am 9. Februar entscheiden. Tags darauf endet auch die Frist zur Zahlung jener 5000 Euro des Täter-Opfer-Ausgleichs, mit der Wang die strafrechtliche Ermittlung wegen der Annäherung an eine Studentin diskret beenden wollte. Zahlt er nicht, droht ihm – und der Studentin – auch da ein öffentlicher Prozess.

Dabei war schon das Medieninteresse bei der Verhandlung am Würzburger Arbeitsgericht im Dezember nicht nach seinem Geschmack. Dem Urteil blieb er fern und musste nicht miterleben, wie seine Anwältin Elke Hambrecht mit einem Eilantrag unterlag, der seine Rückkehr ans Dirigentenpult erzwingen wollte.

Fünf Juristen für Wang

Oft wird in solchen Fallen dann diskret sondiert, ob man sich einigen kann, ohne das Gericht weiter zu bemühen. Dies war hier schwierig, weil Hambrecht mit Attacken Stadt, Staatsanwaltschaft und Arbeitsgericht pauschal in die Nähe der „organisierten Kriminalität“ gerückt und die Anwältin der Gegenseite öffentlich diffamiert hatte. Die sah in Hambrecht zeitweise keinen akzeptablen Gesprächspartner mehr. Inzwischen steht Wang ein zweiter Jurist aus Berlin zur Seite, der auf Fälle mit Künstlern spezialisiert ist.

Daneben ist – außer dem Würzburger Strafverteidiger Norman Jacob – auch der Hamburger Staranwalt Gerhard Strate für Wang tätig, was die Zahl der für ihn tätigen Juristen auf fünf erhöht. „Ich arbeite gerade an der Beschwerde gegen die Einstellung der Ermittlungen gegen Clemens Lückemann, den Leiter der Staatsanwaltschaft“, sagt Strate auf Anfrage. Zuvor...


...war sein Versuch gescheitert, Lückemann illegales Handeln anzulasten, der der Stadt das Ergebnis der Ermittlungen gegen Wang für das Arbeitsrechtsverfahren übermittelt hatte.

In den vergangenen vier Wochen schien – nach den heftigen Attacken Baumanns in mehreren Pressekonferenzen – Weihnachtsfrieden einzukehren. Dafür kam das vertrauliche Gespräch zwischen Stadt und Wang unter Moderation eines im Arbeitsrecht kundigen Schlichters nach Informationen dieser Zeitung doch zustande. Eine Rückkehr Wangs ins Theater war kein Thema. Man lotete aber aus, unter welchen Bedingungen eine friedliche Lösung möglich wäre. Danach schien eine Einigung wieder möglich. Wang soll sich Bedenkzeit bis zum Jahreswechsel ausgebeten haben – die inzwischen aber ungenutzt verstrich.

Neue Unterstützer für Wang

Inzwischen hatte Wolfgang Baumann als Vorsitzender Probleme im Verein der Freunde des philharmonischen Orchesters. Nicht jeder war dort mit seiner Parteinahme für Wang und gegen das Orchester einverstanden. Baumanns Tage als Vorsitzender sind wohl gezählt.

Dafür wurde jetzt die „Vereinigung zum Schutze der Bürgerrechte“ gegründet, die Partei für Wang ergreift. Ihr Ziel ist es, Personen zu unterstützen, deren Bürgerrechte verletzt werden. Vorsitzender Günter Bauer bittet am Montag zum ersten Pressegespräch. Gleichzeitig kündigt der Verein einen Auftritt Baumanns im Rudolf-Alexander-Schroeder-Haus an. Er will am 28. Januar um 19 Uhr über das Thema „Der Fall des GMD Jin Wang – Chronologie eines Rufmords“ sprechen.

Schlagworte

Lädt

Schlagwort zu
„Meine Themen“

hinzufügen

Sie haben bereits
/ 15 Themen gewählt

bearbeiten

Sie folgen diesem Thema bereits

entfernen

Um "Meine Themen" nutzen zu können müssen Sie der Datenspeicherung zustimmen

zustimmen
0 0

Kommentar schreiben

Der Diskussionszeitraum für diesen Artikel ist leider schon abgelaufen. Sie können daher keine neuen Beiträge zu diesem Artikel verfassen!