WÜRZBURG

„Kampagnen oft rassistisch motiviert“

Schon mit seiner Kleidung macht der Neonazi Martin Wiese unmissverständlich deutlich, wes Geistes Kind er ist: „Seine Idee, unser Weg“ steht auf seinem Hemd, darunter die Unterschrift: „Adolf Hitler“. Wiese ist einer der markantesten Vertreter des „Freien Netzes Süd“ – und einer der gefährlichsten. Er plante 2003 einen Bombenanschlag auf das jüdische Kulturzentrum in München und wurde wegen Mitgliedschaft in einer terroristischen Vereinigung zu sieben Jahren Haft verurteilt.

Weil er beim Neonazi-Treffen des „Freien Netzes Süd“ in Roden (Lkr. Main-Spessart) 2011 nicht nur das T-Shirt trug, sondern auch Journalisten mit dem Tod bedroht haben soll, steht er in Würzburg bald wieder vor dem Kadi. In erster Instanz war er in Gemünden zu einem Jahr und neun Monaten Haft ohne Bewährung verurteilt worden.

Das „Freie Netz Süd“ hat sich seit seiner Gründung 2008 zur wichtigsten neonazistischen Struktur jenseits der NPD in Bayern entwickelt. Laut Internetseite haben die Neonazis in Unterfranken zwei Schwerpunkte: Zum einen Würzburg und Main-Spessart, zum andern die Regionalgruppe Schweinfurt und Haßberge. In Würzburg taucht in dem Zusammenhang immer wieder der „Bund Frankenland e. V.“ auf, eine Gruppe enttäuschter NPD-Funktionäre um den ehemaligen Würzburger Uwe Meenen, der jetzt in Berlin tätig ist.

Die Gruppierung tritt als Anmelder von Veranstaltungen auf, wie beim Aktionstag Franken in Roden (Lkr. Main-Spessart) 2011 oder zur Demo am 1. Mai in Würzburg. Marcus Buschmüller, Vorsitzender des antifaschistischen Münchner Vereins a.i.d.a. sieht „eine klare Wesensverwandtschaft mit dem Nationalsozialismus: hohe Affinität zur NS-Ideologie, Verherrlichung der nationalsozialistischen Diktatur, Verwendung nationalsozialistischer Diktion und Symbolik sowie das Bekenntnis zu Idolen und führenden Repräsentanten des Nationalsozialismus“.

Er weiß auch: „Kampagnen des 'Freien Netzes Süd' sind oft antisemitisch und rassistisch motiviert.“ Regelmäßig gedenkt man dort der Waffen-SS und Repräsentanten des Nationalsozialismus' wie dem Hitler-Stellvertreter Rudolf Heß.

Alle Landtagsfraktionen haben sich für ein Verbot des „Freien Netzes Süd“ ausgesprochen. Doch das ist nicht so einfach, weil das „Freie Netz Süd“ keine juristische Person im Sinne einer Partei oder eines eingetragenen Vereins ist. Doch der frühere bayerische Innenminister Günther Beckstein ließ 2004 eine Vorgänger-Organisation, die „Fränkische Aktionsfront“ („FAF“) auch verbieten – obwohl sie keine juristische Person war. Er begründete dies damals mit der „Wesensverwandtschaft zum Nationalsozialismus“.

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