WÜRZBURG

Kampf gegen Bereitschaftsdienst

Immer mehr hoch spezialisierte bayerische Fachärzte wehren sich dagegen, ab April als Bereitschaftsärzte zu arbeiten. Der Schweinfurter Pathologe Dr. Bernhard Heine hat schon Klage gegen den Dienstbefehl der Kassenärztlichen Vereinigung Bayern eingereicht. Er ist nicht allein: Zwölf weitere Mediziner aus Bayern klagen auch. Das bestätigt die Kassenärztliche Vereinigung Bayern.

Weitere 262 von 2500 bisher befreiten bayerischen Fachärzten haben Widerspruch gegen die Bereitschaftsdienstpflicht eingelegt. Zu ihnen gehört die ärztliche Psychotherapeutin Ruth Habberger-Hermann aus Dettelbach (Lkr. Kitzingen). Sie hat sich direkt nach dem Ende des Medizinstudiums 1989 zur Fachärztin für Psychotherapie weiterbilden lassen und hat keine Erfahrung in der Behandlung von Bronchitis, unklarem Bauchweh oder entzündeter Wunden. „Dass ich allgemeinmedizinische Patienten behandele, kann ich mit meinem Gewissen nicht vereinbaren“, sagt Habberger-Hermann. „Täte ich es, wäre das potenziell gefährlich.“

Schon allein mit den Geräten in der Bereitschaftspraxis kenne sie sich nicht aus. „Ein EKG habe ich zuletzt im Studium gemacht, ein Ultraschallgerät noch nie bedient“, sagt sie. Zwar habe sie die von der Kassenärztlichen Vereinigung angebotenen Nachqualifizierungen besucht – aber dabei habe es sich um vier halbtägige Module gehandelt. Um Allgemeinmedizin im Schnelldurchlauf also – jämmerlich unzureichend angesichts der Tatsache, dass die Ausbildung zum Facharzt für Allgemeinmedizin fünf Jahre dauere.

Dabei ist die unterfränkische Medizinerin willens, Bereitschaftsdienste zu leisten – allerdings auf ihrem Fachgebiet. Bereits 2014 hat Habberger-Hermann bei der Kassenärztlichen Vereinigung Bayern (KVB) beantragt, in die fachärztliche Bereitschaftsdienstgruppe Psychiatrie-Psychotherapie Würzburg aufgenommen zu werden. Ihr Antrag wurde abgelehnt: Als Dettelbacherin müsse sie im Kreis Kitzingen Dienst leisten. Daraufhin hat Habberger gemeinsam mit Kolleginnen beantragt, eine psychiatrisch-psychotherapeutische Bereitschaftsdienstgruppe im Kreis Kitzingen ins Leben zu rufen. Dem haben Habberger zufolge weder die Hausärzte in Kitzingen noch die Psychotherapeuten in Würzburg zugestimmt. Zuletzt hat Habberger-Hermann die Freistellung von der Dienstpflicht beantragt – wohl vergeblich, wie ihr mündlich mitgeteilt worden ist. Jetzt will auch sie klagen. „Mindestens acht bis zehn Kollegen aus der Region planen das auch“, weiß sie. Dem Vernehmen nach wollen etliche bisher befreite Fachärzte für den Fall, trotz Widerspruchs Dienst leisten müssen, ihre Kassenzulassung zurückgeben.

KVB-Sprecher Martin Eulitz zeigt sich irritiert über die Gegenwehr der Fachärzte. Die KVB sei ja, sagt Eulitz, keinesfalls eine vorgesetzte Behörde, sondern eine Standesversammlung der niedergelassenen Ärzte. Die Ärzte selbst hätten sich ein Parlament gewählt, das wiederum einen Ausschuss damit beauftragt habe, die Bereitschaftsdienstordnung zu reformieren. Letztlich habe man es bei der Einbeziehung etwa von Pathologen oder Psychotherapeuten in den Bereitschaftsdienst mit einer demokratischen Entscheidung zu tun. Eulitz verweist weiterhin auf andere Bundesländer, in denen hoch spezialisierte Fachärzte schon in Bereitschaftsdienste eingebunden seien.

Doch scheint die KVB nicht daran interessiert zu sein, den Streit zwischen Haus- und Fachärzten eskalieren zu lassen. Dieser Zeitung liegt ein vertrauliches Schreiben des KVB-Vorsitzenden Wolfgang Krombholz an die Obleute der Dienstgruppen vor: Darin empfiehlt Krombholz, „von der Einbindung der bisher nicht teilnehmenden Fachgruppen in die Dienstplangestaltung ab dem 20. 4. 2015 abzusehen beziehungsweise sie zu einem späteren Zeitpunkt vorzunehmen“.

Krombholz schreibt allerdings auch, dass diese Empfehlung nur für den Fall gelte, dass diese Vorgehensweise unter dem Sicherstellungsaspekt der ärztlichen Versorgung noch umsetzbar erscheine. Das bedeutet: Wenn den Dienstgruppen gerade auf dem Land Ärzte fehlen, müssen Therapeuten und Pathologen trotz Widerstands ran.

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