WÜRZBURG

Kaninchenjagd auf dem Hauptfriedhof

Kaninchenjagd auf dem Hauptfriedhof

Abenddämmerung auf dem Würzburger Hauptfriedhof. Die Tore für die Besucher sind bereits geschlossen. Auf den Gräbern flackern Kerzen, der Duft von frischen Blumen hängt über den letzten Ruhestätten. Zwischen niedrigen Buchsbaumhecken, Epitaphen, Kränzen und Gestecken ist ein leises Huschen wahrzunehmen: Kaninchen haben den Friedhof als Refugium und Nahrungsquelle für sich entdeckt. Über Nacht fressen sie alles frische Grün einschließlich Blüten ratzeputz weg. Zeit für den Einsatz von Jäger Klaus Blesch.

Die Stadt Würzburg kämpft schon länger mit der Kaninchen-Plage am Hauptfriedhof, bestätigt Pressesprecher Christoph Weiß. Das Friedhofsamt kennt das Problem seit letztem Herbst. Nicht nur, dass Pflanzen und Blumen abgefressen werden – die Tiere bauen ihre Gänge auch in Gräber, unterhöhlen Grabplatten und Grüfte. Da könnten auch noch andere Gefahren drohen, könnten Grabsteine kippen und Menschen gefährden. Man hatte zunächst gehofft, der strenge Winter würde das Problem auf natürliche Weise regulieren. Das Gegenteil scheint der Fall zu sein. Jetzt im Frühling werden die Tiere wegen des frischen Futters auch noch aus dem nahen Ringpark angezogen.

Zunächst versuchte man, die Karnickel mit Frettchen zu bejagen – mit mäßigem Erfolg. Auch Lebend-Fallen brachten nicht die gewünschten Resultate. Weil alles nicht wirklich nützte, hat sich die Stadt eine Sondergenehmigung für die Jagd mit Schusswaffen auf dem Friedhof eingeholt und einen Jäger mit dem Abschuss der Tiere beauftragt.

Klaus Blesch ist der zuständige Jagdpächter für den Würzburger Stadtbezirk, in dem der Hauptfriedhof gelegen ist. Er soll nun möglichst viele der stummelschwänzigen „Grabräuber“ erlegen. Was gar nicht so einfach ist, wie sich zeigt, wenn man Blesch bei seinem Einsatz begleitet.

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Kaninchenjagd auf dem Hauptfriedhof

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Zur Abenddämmerung bis zum sprichwörtlichen „letzten Büchsenlicht“ wollen wir am Hauptfriedhof einige Nager aufstöbern. Mit dabei ist die Leiterin der Friedhofsverwaltung, Isolde Krones, außerdem von der Würzburger Greifvogel-Auffangstation Karl-Josef Kant und seine Frau mit „Paul“, einem amerikanischen Wüstenbussard als Jagdtier, der sich hier offenbar besser eignet als Jagdfalken. Mit dabei auch die beiden Frettchen „Manfred“ und „Gerlinde“.

Vielleicht etwas viel Publikum, um die nachtaktiven Kaninchen in Sicherheit zu wiegen. Denn nur ganz kurz kann man einige wenige der Mümmler zwischen den Grabsteinen huschen sehen.

Es ist nicht leicht, am Friedhof zu jagen. Klaus Blesch hat nicht seine Schrotflinte dabei, die für die Hasenjagd eigentlich üblich ist, sondern ein Kleinkaliber-Gewehr mit Kugelmunition. Um in dem „Meer“ von Grabsteinen auf dem Würzburger Hauptfriedhof keine Querschläger zu produzieren, kann er die Nager weder auf den Gräbern, noch auf den asphaltierten Wegen ins Visier nehmen, sondern nur auf Grünflächen und im lockeren Boden – Kugelfang nennt das der Jäger.

Deutlich zu sehen sind Eingangsröhren zu Kaninchen-Behausungen unter mehreren Grab-Abdeckplatten. Netz drüber, Frettchen rein – nichts. Auch hier bleibt die Jagd an diesem Abend erfolglos. Was nicht ungewöhnlich ist. Klaus Blesch berichtet, dass er schon viele Abende vergebens angestanden hat und nicht zum Schuss gekommen ist. Die Tiere sind sehr scheu und die Deckungsmöglichkeiten in den riesigen Gräberfeldern sind üppiger als sonst wo. Trotzdem konnte er mittlerweile rund 20 Tiere waidgerecht erlegen.

Mit der Kaninchenplage auf dem Friedhof ist Würzburg nicht alleine. Auch auf den Friedhöfen anderer Großstädte wird mit Gewehr gejagt. Was nicht überall auf Gegenliebe stößt. Sogar der Verwaltungsgerichtshof Kassel befasste sich bereits mit dem Problem und entschied, dass die Jagd auf Wildkaninchen auf dem Friedhof nicht die Totenruhe störe. Da hatte man in erster Instanz einen Jäger zu einem Schalldämpfer verdonnern wollen. Das hielt auf der nächsten juristischen Ebene nicht mehr. Einige Schüsse am frühen Morgen oder späten Abend auf einem Friedhof seien keine „außerordentliche Lärmbelästigung“, urteilten die Verwaltungsrichter. Gejagt wird natürlich nur zu Zeiten, wenn sich keine Besucher mehr im Friedhof befinden.

Die Würzburgerin Hildegard Wolfgramm, die die Redaktion über die „Verwüstungen“ auf den Gräbern informierte, will im Übrigen festgestellt haben, dass die Kaninchen vor allem rosa und rot blühende Pflanzen bevorzugen. Dafür gab es allerdings aus dem Rathaus keine Bestätigung.

 

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