WÜRZBURG

Kiener-Urteil wird rechtskräftig - Fortsetzung auf Mallorca

Die Staatsanwaltschaft Würzburg will das Urteil im Fall des Millionenbetrügers Helmut Kiener zu zehn Jahren und acht Monaten Haft akzeptieren. Sie werde keine Revision einlegen, sagte Oberstaatsanwalt Burkhard Pöpperl auf Anfrage am Freitag. Nachdem auch der Angeklagte noch im Gerichtssaal erklärt hatte, er wolle das Urteil annehmen, wird es rechtskräftig.

Obwohl die Strafe für den Anlagebetrüger damit unter der Forderung von knapp 13 Jahren bleibt, die von der Staatsanwaltschaft gefordert worden waren, hat die Ermittlungsbehörde damit zweifach ein Signal gesetzt: Zum einen zeigte sie damit, dass sie als kleine Ermittlungsbehörde in der Lage ist, ein solches Großverfahren mit internationaler Spurensuche in relativ kurzer Zeit erfolgreich abzuschließen. Zum andern ist das im Vergleich zu anderen Urteilen in Deutschland harte Urteil auch ein Signal dafür, dass man hier  hart gegen Betrüger dieser Machart vorzugehen.
Indessen geht die Spurensuche der Justiz auf Mallorca und in den USA weiter. Jenseits des Atlantiks bräuchte das FBI Kieners Zeugenaussage für den Prozess gegen einen Deutschen, der im großen Stil Geldwäsche für vermögende US-Amerikaner betrieben haben soll. Deshalb hat sich das FBI hilfesuchend nach Deutschland gewandt, um zu erkunden, ob Kiener zur Aussage bereit ist.

Auf der spanischen Sonneninsel hatte sich Kieners mutmaßlicher Komplize Dieter Frerichs im vorigen Sommer erschossen, als die Polizei ihn verhaften und nach Würzburg ausliefern wollte. Jetzt haben Anwälte der von Kiener und Frerichs betrogenen Anleger - wie angekündigt - dort Strafanzeige erstattet. Sie hoffen, auf diese Weise an Geld zu kommen. Nach Erkenntnissen der Staatsanwaltschaft hatte Kiener mit den von ihm aufgelegten K1-Fonds zwischen 2001 und 2008 rund 5.000 Anleger sowie zwei Großbanken um mehr als 300 Millionen Euro geprellt. Von dem größten Teil des Geldes fehlt jede Spur.

Nach Angaben des Berliner Sprechers der Anwälte, Walther Späth, haben sie der Staatsanwaltschaft Mallorca die Adresse einer Immobilie in Palma de Mallorca genannt, die Frerichs vor seinem Tod einer Freundin übertragen haben soll. Außerdem lieferten die Anwälte Hinweise zu einer Luxusyacht in der Marina von Arenal (Palma de Mallorca), die vermutlich ebenfalls im Eigentum des verstorbenen Dieter Frerichs stand.

Eine ehemalige Lebensgefährtin von Herrn Frerichs - die er verlassen hatte - hat sich dazu bereit erklärtt, als Zeugin auszusagen und angekündigt hat, wichtige Informationen zu dem Verfahren beisteuern zu können. Den Ermittlern seien "bislang unbekannte Konten Frerichs in Deutschland, der Schweiz sowie Österreich bekannt gegeben" worden.
Anders als in Deutschland ist es im Strafverfahren in Spanien möglich, auf Antrag über den Schadensausgleich mit zu entscheiden gemäß. Art. 109 Codigo Penal (Spanisches Strafgesetzbuch), erklärte Späth. "Wir hoffen, dass die Staatsanwaltschaft Mallorca nun endlich den Vorgängen um die K1-Fonds auf Mallorca auf den Grund gehen wird ." Späth und andere Anwälte haben auch Klagen gegen andere Verantwortliche(unter anderem gegen die Vermittler der K1-Fonds) in ganz Deutschland eingereicht, auch im Insolvenzverfahren über das Vermögen Kieners haben die Anwälte vor kurzem die Forderungen für die Geschädigten angemeldet.

Frerichs, ein früherer Gastwirt aus der Münchner Promi-Szene, hatte für Kiener von Mallorca aus die Geschäfte der betrügerischen K1 Fonds geführt. Nach seinem Tod hatte eine dort bekannte Fernseh-Moderatorin - Tochter seiner Lebensgefährtin und Augenzeugin des spektakulären Selbstmordes am Strand - behauptet: Die Polizei habe Frerichs erschossen. Deshalb lag seine Leiche ein Jahr lang in der Rechtsmedizin in Palma auf Eis. Kurz vor dem Kiener-Urteil in Würzburg wurde der Leichnam nach Angaben der spanischen Zeitung Ultima Hora der Lebensgefährtin zur bestattung übergeben. Sie habe Frerichs Asche seinem Wunsch gemäß an einer bestimmten Stelle der Insel ins Meer geschüttet, teilte sie mit.

Schlagworte

Lädt

Schlagwort zu
„Meine Themen“

hinzufügen

Sie haben bereits
/ 15 Themen gewählt

bearbeiten

Sie folgen diesem Thema bereits

entfernen

Um "Meine Themen" nutzen zu können müssen Sie der Datenspeicherung zustimmen

zustimmen
0 0
Kommentar schreiben

Der Diskussionszeitraum für diesen Artikel ist leider schon abgelaufen. Sie können daher keine neuen Beiträge zu diesem Artikel verfassen!