KÖLN/WÜRZBURG

Kölner Dombaumeister steht heftig in der Kritik

Michael Hauck Foto: Christine Jeske

Die ersten Spekulationen tauchten bereits vor Pfingsten auf, seit Mittwoch brodelt die Gerüchteküche: Der Kölner Dombaumeister Michael Hauck, ein gebürtiger Würzburger, soll offenbar nach nur zwei Jahren vorzeitig aus dem Amt scheiden. Diesen Fall hat es in der jahrhundertelangen Geschichte des Kölner Doms noch nicht gegeben. Der Grund: Michael Haucks Verhältnis soll zu den meisten seiner 90 Mitarbeiter zerrüttet sein, war aus Kirchenkreisen zu erfahren.

Im „Kölner Stadt-Anzeiger“ bestritt er die Vorwürfe. „Ich war immer ein Teamspieler“, so Hauck. Die Anschuldigungen empfinde er als „tiefe Enttäuschung und eklatanten Vertrauensbruch“. Er habe einen Anwalt eingeschaltet, berichtete der „Kölner Stadt-Anzeiger“.

Michael Hauck kommt aus einer alteingesessenen Steinmetzfamilie. Die Werkstatt in Estenfeld im Landkreis Würzburg, in der seine Familie in fünfter Generation Stein bearbeitet, sei sein Spielplatz gewesen, sagte er in einem Gespräch mit dieser Zeitung wenige Wochen vor seinem offiziellen Amtsantritt im September 2012. Er sei mit Steinstaub in der Nase aufgewachsen.

Damals sprach Hauck auch davon, dass Teamarbeit mit den vielen Experten in der Dombauhütte wichtig sei. „Auch wenn ich den Überblick behalten muss, was in den einzelnen Abteilungen passiert, wäre es vermessen, wenn ich davon ausgehen würde, ich könnte alles alleine im Griff haben.“ Er bestritt auch nicht seinen Hang zur Perfektion, und seine Neigung, „höchsten Ansprüchen“ genügen zu wollen. „Zum verantwortlichen Entscheiden gehört auch, dass man hin und wieder mal beißt“, sagte er. Michael Hauck freute sich sehr auf seine neue Aufgabe, die er als „Herausforderung“ empfand; sie sei nicht zu toppen, meinte er, denn wer Dombaumeister von Köln werde, sei ganz oben angekommen. Jetzt sieht es so aus, als sei der Höhenflug vorbei.

Das Domkapitel beschäftigte sich in seiner monatlichen Sitzung am Dienstag mit seinem Fall. Da es sich um eine Personalangelegenheit handle, könnten keine weiteren Erklärungen abgegeben werden, teilte das Gremium mit. Ein Sprecher der Dombauhütte sagte, Hauck sei krankgemeldet. Auf eine Nachfrage dieser Zeitung reagierte der Dombaumeister bislang nicht.

Seine Fachkompetenz ist unbestritten. Seine etwas zurückhaltende Art im Umgang mit Menschen und Medien ebenso. Nicht ohne Grund hat ihm seine temperamentvolle und beliebte Vorgängerin, Barbara Schock-Werner, vor seinem Amtsantritt geraten, dass für einen Kölner Dombaumeister „Neugierde und Diplomatie“ das Wichtigste sei. Für Hauck war es jedoch wichtiger, sich nicht in Szene zu setzen, sondern dafür zu sorgen, „dass dieses Unternehmen rundläuft“, so sein damaliger Kommentar.

Hauck ist ein ausgewiesener Steinexperte, kennt sich jedoch auch mit Holz aus. Nach seiner Lehr- und Gesellenzeit absolvierte Michael Hauck die Ausbildung zum Steinmetz- und Steinbildhauermeister sowie Zusatzausbildungen zum Holzbildhauer und Restaurator. Für seine Aufgabe in Köln war er bestens vorbereitet. Bevor er ins Rheinland wechselte, war er 24 Jahre lang Dombaumeister von Passau. Ab 1997 studierte Hauck berufsbegleitend an der Universität Passau Kunstgeschichte und schrieb anschließend seine Doktorarbeit über die beiden mittelalterlichen Baumeister Hans Krumenauer und Hans von Burghausen.

Neben seiner Tätigkeit als Dombaumeister arbeitet Hauck als Dozent an der Meisterschule der Handwerkskammer Dortmund und am Lehrstuhl für Restaurierungswissenschaften in der Denkmalpflege der Universität Bamberg. Im September 2013 wurde er zum Präsidenten der Europäischen Vereinigung der Dombaumeister gewählt.

Bisher blieben Kölner Dombaumeister solange im Amt, bis sie in Rente gingen oder starben. Einen vorzeitigen Weggang wegen eines schweren Zerwürfnisses hat es nach Lage der Akten in der 766-jährigen Geschichte der Kölner Dombaumeister nicht gegeben.

Die „Kölnische Rundschau“ berichtete am Mittwoch, als möglichen neuen Dombaumeister sähen viele Haucks Stellvertreter Peter Füssenich. Dieser sei nicht nur ein ausgewiesener Fachmann, sondern gelte auch als „ausgesprochen menschlich“. Mit Informationen von dpa

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