WÜRZBURG

Korruption bei Knauf: Manager schmierte Geschäfte in Algerien

Mit Bestechungsgeldern von etwa 640 000 Euro sorgte ein 82-jähriger Manager dafür, dass Geschäfte des Knauf-Konzerns in Algerien über Jahre hinweg wie geschmiert liefen. Laut Anklageschrift von 2013 müsste ein ehemaliger Geschäftsführer des Baustoff-Konzerns mit einem Komplizen aus dem Unternehmen auf die Anklagebank.

Seit Monaten wird der Termin für die Gerichtsverhandlung erwartet. Aber jetzt machten die Verteidiger Peter Möckesch und Martin Reitmaier auf Anfrage deutlich: „Es wird nicht zu einem Prozess kommen.“

Beide haben seit Monaten Gespräche dazu mit der Justiz geführt. Oberstaatsanwalt Frank Gosselke, Leiter der Abteilung für Wirtschaftsdelikte, bestätigt das in Würzburg auf Anfrage dieser Zeitung. Es seien „ärztliche Atteste vorgelegt worden“, die „ernsthafte Zweifel an der Verhandlungsfähigkeit des älteren Angeschuldigten begründet hatten“.

Das erspart dem angesehenen Geschäftsmann die Prangerwirkung eines Auftritts vor Gericht. Auch der unterfränkische Weltkonzern hat wohl kein Interesse an einer öffentlichen Erörterung.

„Mein Mandant hat – wie auch das Unternehmen Knauf – von Beginn des Ermittlungsverfahrens an konsequent und umfassend im Sinne größtmöglicher Transparenz mit den Ermittlungsbehörden zusammengearbeitet und entscheidende Aufklärungshilfe betrieben“, betonte Rechtsanwalt Möckesch. „Entsprechend seiner außergewöhnlichen Reputation und Persönlichkeit hat er einen Strafbefehl des Amtsgerichts sofort akzeptiert. Seine Lebensleistung und seine Verdienste um das Unternehmen bleiben bestehen.“

Der 82-Jährige, der ins Visier der Justiz geraten ist, gilt als Kenner der Verhältnisse in Algerien. Er soll zwischen 2006 und 2010 den Kauf einer algerischen Firma für mehrere Millionen Euro gemanagt haben: In zwei Schritten wollte Knauf 100 Prozent der Anteile des Staatsbetriebes erwerben. Doch dafür forderte ein leitender Mitarbeiter des algerischen Staatsbetriebes Geld.

Mit ihm soll man „im Vorfeld des Kaufs einen Vertrag geschlossen haben“, damit der Erwerb der Anteile so günstig wie möglich ausfällt, hieß es in der Anklage. Dem Algerier wurden laut Justiz „besondere Zahlungen“ versprochen, „wenn eine öffentliche Ausschreibung unterbliebe und eine bestimmte Kaufsumme nicht überschritten“ werde. 340 000 Euro flossen – getarnt über Mittelsmänner – an den Mitarbeiter des algerischen Staatsbetriebes. Dann wurde es schwer, den Betrieb zu 100 Prozent zu übernehmen. Deshalb sollen weitere sechsstellige Zahlungen an Mitglieder des algerischen Staatsbetriebes veranlasst worden sein.

Für Fälle, in denen Zweifel an der Verhandlungsfähigkeit eines Angeklagten bestehen, gibt es klare gesetzliche Regelungen. Denn „kein Prozess“ heißt nicht „unschuldig“ für den 82-Jährigen und einen 65-jährigen Knauf-Mitarbeiter. Die Staatsanwaltschaft nahm ihre Anklage zurück. Aber Oberstaatsanwalt Gosselke beantragte gegen beide Verdächtige Strafbefehle „wegen Bestechung im geschäftlichen Verkehr“.

Beide akzeptierten darin eine Freiheitsstrafe von einem Jahr mit Bewährung sowie eine Geldstrafe – der ältere insgesamt 65 000 Euro, sein jüngerer Komplize wegen Beihilfe etwa 21 000 Euro. Beide akzeptierten die Strafbefehle, womit sie die Bestechung zugaben.

„Bereits im September 2013 wurde gegen eine weitere Person ein Strafbefehl wegen Beihilfe erlassen, der ebenfalls rechtskräftig geworden ist“, sagt Oberstaatsanwalt Frank Gosselke auf Nachfrage. Gegen diese Person wurde eine Freiheitsstrafe von zehn Monaten mit Bewährung verhängt.

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