MAINSONDHEIM

Lachnummer: Kosten für Rohranschluss rekordverdächtig

Rekord: Den teuersten Rohranschluss gibt's im Landkreis Kitzingen, genauer in Mainsondheim. Das Teil, normalerweise um die 50 Euro billig, darf der Steuerzahler mit rund 250 000 Euro bezahlen, weil akribische Leute einen kleinen Fehler in einer Ausschreibung entdeckt haben.
STRASSE1       -  Das muss man nicht verstehen: Der Ausbau der Straße zwischen Mainsondheim und Hörblach hätte 1,2 Millionen Euro kosten können. Stattdessen müssen 1,45 Millionen bezahlt werden – wegen eines Rohranschlusses von 50,45 Euro netto.
Das muss man nicht verstehen: Der Ausbau der Straße zwischen Mainsondheim und Hörblach hätte 1,2 Millionen Euro kosten können. Stattdessen müssen 1,45 Millionen bezahlt werden – wegen eines Rohranschlusses von 50,45 Euro netto. Foto: FOTO Harald Meyer

Die Sache riecht meilenweit nach einer Mischung aus Erbsenzählerei und einem Beschäftigungs-Programm für Rechtsanwälte. Es geht um den Neubau der Straße zwischen Mainsondheim und Hörblach. Der könnte 1,2 Millionen Euro kosten, wenn die billigste Firma, die Firma Stolz aus Hammelburg, den Zuschlag bekommen hätte. Den kriegt sie aber nicht. Grund: Sie hatte nur das Fabrikat, aber keine genaue Typenbezeichnung für ein Stück Rohranschluss im Wert von 50,45 Euro netto angegeben. Ergebnis: Die Firma fliegt aus der Ausschreibung. Die Straße kostet jetzt 1,45 Millionen.

Die VOB-Stelle (die die Vergabe von Bauleistungen durch öffentliche Auftraggeber prüft) bei der Regierung von Unterfranken hält den Rauswurf aus der Wertung für richtig, da den Vorschriften entsprechend. Kommentar von Lesern dieser Zeitung und von Besuchern der Internet-Seiten von www.mainpost.de: „Steuerverschwendung.“

Das, auf Fränkisch, „nausgeschmissene“ Geld erregt die Bürger. Im Internet schreibt einer in einem Kommentar zu einem ersten Bericht in einer Lokalausgabe („Merkwürdig: Ein Rohranschluss verbrennt 250 000 Euro; mehrere hundert Klicks) von „schierem Betrug, von Behörden sanktioniert“. Und er stellt gemeinsam mit anderen empörten Leuten die Frage nach der Aufsichtsbehörde. Da kommt die Regierung von Unterfranken ins Spiel.

In ein Spiel, in dem die Würzburger Beamten – gemeinsam mit der Obersten Baubehörde – das Rohr im Wind geben: Erst fliegt die billigste Firma wegen des unklar deklarierten 50-Euro-Rohrteils aus der Wertung, dann soll sie unbedingt drinbleiben, um dann wieder im Aus zu landen. Eine Begründung für den Wirrwarr innerhalb weniger Wochen gibt's nicht. Nur die Information der Regierung, dass bei einem unklar definierten Ausschreibungsposten der Wert egal und der Rauswurf aus der Ausschreibung garantiert ist.

Da fehlt das Verständnis bei vielen Lesern: „Die schmeißen lieber eine Viertelmillion raus, statt wegen dem Rohranschluss mal bei der Firma anzurufen und wegen der Typnummer nachzufragen“, sagt einer. Den Grundsatz der Verhältnismäßigkeit sieht ein anderer mit Füßen getreten: „Es kann doch keiner wegen lumpiger 50 Euro aus einer Millionen-Ausschreibung fliegen.“

Doch, das unglaublich Scheinende ist möglich: Die Firma Stolz ist draußen, die Straße ist im Bau und wird den Steuerzahler mindestens 250 000 Euros zusätzlich kosten. Dazu kommt noch eine Schadensersatzklage von gut 30 000 Euro der Rhöner Firma. Für einen Internet-Kommentator ist der Tatbestand klar: Auch bei Behörden gebe es Steuerhinterziehung in Form der Steuerverschwendung, schreibt er.

Die „Beschuldigten“, die Stadt Kitzingen, die Stadt Dettelbach (beide für den Straßenbau zuständig), die Regierung und die Oberste Baubehörde schweigen bisher. Ein Experte aus Baukreisen, der nicht genannt werden möchte, sagt: „Wenn ich in einer Ausschreibung einen formalen Fehler finden will, dann finde ich ihn. Ich muss nur fleißig suchen.“

Den Satz unterschreibt auch ein anderer Mann aus der Baubranche. Allerdings einer, der auf die Vorschriften der VOB, der Vergabeordnung, setzt. Die sei für alle verbindlich, alle wüssten um deren Haken und Ösen. Und wenn eine Firma eben Fehler bei der Beschreibung ihrer verwendeten Produkte mache, sei eben der Ausschluss aus der Wertung die „ganz normale“ Folge.

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