Leben für den Fußballtraum

Sport Bernhard und Nicole Thein wollen ihrem Sohn Laurin seinen Wunsch erfüllen, Bundesliga-Profi zu werden. Dafür vollbringen die Eltern organisatorische Meisterleistungen.

Fußball, immer wieder Fußball. Laurin Thein ist geradezu vernarrt in diesen Sport. Der Zehnjährige aus Würzburg spielt, wann immer er kann (und ein Ball in der Nähe ist). Er hat Ehrgeiz und Talent. Was ihn über den Würzburger FV in eine Nachwuchsmannschaft des 1. FC Nürnberg gebracht hat. Der Fußball bestimmt Laurins Leben. Und inzwischen das seiner ganzen Familie.

Schule, Hausaufgaben, Freizeit. Solche Tage erlebt der Zehnjährige selten. Für ihn beginnt der Tag erst richtig, wenn er für andere endet. Zwei Mal wöchentlich steigt er gegen 15 Uhr zu Vater Bernhard Thein ins Auto und auf geht's, Richtung Nürnberg. Ein- und eine Viertelstunde Fahrt über die Autobahn. Wenn es gut läuft und kein Stau dazwischen kommt.

Auf dem Club-Gelände am Valznerweiher heißt es: aussteigen, umziehen, auflaufen. Das Training dauert meist eineinhalb, manchmal zwei Stunden; dann duschen, anziehen, Heimfahrt. „Gegen 20.30 Uhr sind wir meistens wieder daheim“, sagt Vater Thein.

Jeden Mittwoch und Freitag läuft das so – ein sportliches Programm. Und damit nicht genug. Noch einmal ist für Laurin unter der Woche Training angesetzt, wenn auch auf heimischem FV-Rasen.

Drei Einheiten – plus Spiel oder Turnier. Und das bedeutet, dass auch die Wochenenden für Laurin vollgestopft sind mit Fußball. Seine (Nürnberger) U 11 reist oft zu Leistungsvergleichen mit anderen Vereinen, meist aus der Bundesliga: München, Leipzig, Ingolstadt; kürzlich fand ein Turnier in Prag statt. Lassen sich die Spiele inklusive an- und Abreise meist innerhalb eines Tages erledigen, fressen die Turniere mehr Zeit. In der Regel wird die Vorrunde samstags gespielt, das Finale am Sonntag.

Laurin murrt nicht über dieses Mega-Programm; er liebt es. „Ich will einmal oben ankommen, will Fußballstar werden. Und ich bin bereit, alles dafür zu geben“, sagt der Zehnjährige. Sein Vorbild ist Arjen Robben. Der kickt bekanntlich beim FC Bayern und spielt Champions League.

Dass Laurin einmal dort ankommen könnte, wagen sich seine Eltern Bernhard und Nicole nicht einmal auszumalen. Aber sie unterstützen ihn bei seinen Zielen. Vorbehaltlos. Und vollbringen dafür eine organisatorische Meisterleistung.

Denn Laurin ist kein Einzelkind; zur Familie gehören auch Bruder Jannis und Philo, gerade 13 Monate alt. Okay, Jannis ist 14, organisiert sich schon sehr gut selbst, sagt seine Mutter. Auch er spielt beim WFV in seiner Altersklasse oberklassig – immerhin U-15-Bayernliga. Dafür trainiert er im Nachwuchsleistungszentrum drei Mal die Woche, plus Spiel am Wochenende. Viel weniger Termine als bei Laurin sind das nicht.

Kleinkind Philo benötigt logischerweise ungleich mehr Betreuung. Manchmal fährt er mit nach Nürnberg, wenn Nicole Thein ihren Zweitjüngsten fährt. „Während Laurin trainiert, gehe ich mit Philo spazieren oder Kaffeetrinken. Oder ich kaufe schon mal für daheim ein.“ Selbst diese Zeit ist also oft verplant.

Das gilt auch für Vater Bernhard, der die meisten Fahrten übernimmt. Beim Training darf er selten zuschauen; es ist schon in dieser Altersklasse oft nicht öffentlich. Also packt der Goldschmiedemeister seinen Laptop mit ein, erledigt Geschäftsmails, schreibt Gutachten.

Oder er sitzt mit anderen Eltern zusammen, tauscht sich mit ihnen aus. Es sind sehr gewinnbringende Gespräche. „Man sieht ja sein Kind fast das ganze Wochenende nicht. Und in den Gesprächen merkt man erst einmal, dass man nicht der Einzige ist, dem es so geht und dass andere Eltern die gleichen Sorgen haben. Das beruhigt etwas.“

Auch wenn die Familie sich perfekt durchorganisiert: Ohne Hilfe geht es auch bei ihr nicht. So begleitete Opa Volker seinen Enkel im Winter häufig zum Training. Per Zug ging es dann nach Nürnberg.

Die Zugfahrkarte teilen sich die Theins mit einer Familie aus Theilheim (Landkreis Würzburg), die dasselbe Ziel hat. Und bei den Autofahrten wechseln sie sich mit Fußball-Eltern aus Lauda (Lkr. Main-Tauber) ab. 25 Euro muss die Familie Thein allein für Sprit auf der Tour Nürnberg hin und zurück veranschlagen – zwei Mal die Woche, acht bis zehn Mal im Monat. Da ist jeder froh, wenn er sich die Kosten sparen oder zumindest halbieren kann. Und der Verschleiß des Autos bleibt dabei unberücksichtigt.

Ihre beiden großen Söhne machen es ihren Eltern relativ leicht, den Terminwust zu organisieren, sagt Nicole Thein: „Die Kinder gehen regelmäßig zum Training; das funktioniert auf jeden Fall.“ Noch nie habe sie erlebt, dass ihre Kinder gesagt hätten: Wir haben heute keine Lust aufs Training. Nur manchmal, gibt Laurin selbst zu, bin ich zu faul, mich umzuziehen“.

Und so bleibt Nicole Thein sogar Zeit für ein eigenes Hobby: Trainerin in der karnevalistischen Tanzsportabteilung des TV 73 Würzburg, zehn Stunden die Woche, drei Altersklassen.

Aber was ist mit den Hausaufgaben? Die Zeit zwischen Schule und Training ist knapp bemessen. Oft stellt Laurin die Aufgaben im Auto fertig. Lernen findet sowieso dort statt. Würde es das nicht, würden die Söhne in der Schule absacken, müssten sie eingreifen, sagt Nicole Thein. Vielleicht sogar zuungunsten des großen Traums? Die Gefahr besteht derzeit nicht, so die Mutter.

Sie freut sich, dass ihr Sohn Jannis seinem Bruder den Erfolg nicht neidet. Obwohl der ja jünger ist. Im Gegenteil: Jannis sei stolz auf Laurin, auch wenn der jetzt schon weiter gekommen ist als er selbst.

Schon mit vier Jahren begann Laurin Thein das Fußballspielen beim WFV. Er durchlief die Nachwuchsmannschaften. Vor zwei Jahren fiel er Bundesliga-Spähern auf. Nicht denen vom 1. FC Nürnberg, sondern von der TSG Hoffenheim.

Sie holten das Talent in ihr Kinder-Perspektivteam. Zwar mussten die Theins nach Sinsheim ähnlich weit fahren wie jetzt nach Nürnberg. Doch die Mannschaft trainierte nicht so oft. Und es gab keine Spiele, maximal kleine Turniere.

Im vergangenen Jahr interessierten sich dann Nachwuchs-Scouts des FCN für Laurin. Bei einem Sichtungstraining auf dem FV-Gelände sprachen sie ihn an. Der damals Neunjährige bestand ein weiteres Sichtungstraining in Nürnberg – und wurde zum Probetraining mit der Mannschaft eingeladen.

Nicole Thein: „Schon an diesem Tag wurden wir gefragt, ob wir uns das regelmäßige weite Fahren vorstellen können. Laurin wollte unbedingt zum Club, also haben wir ihm diesen Wunsch erfüllt.“ Schon im Mai durfte er an einem Turnier von Bundesliga-Mannschaften teilnehmen, noch als Spieler des WFV, – und wurde zum besten Kicker gewählt. Nun fragte auch Club-Rivale Greuther Fürth an. Doch Laurin entschied sich für den 1. FC Nürnberg.

Wie es aussieht, wird sich die Familie Thein auch weiterhin straff durchorganisieren müssen. Elf Mitglieder hat das Nürnberger U-11-Team; jedes Jahr im Frühjahr fallen einige heraus, kommen neue hinzu.

Nach jetzigem Stand bleibt Laurin ein weiteres Jahr dabei. Seine Eltern vermitteln nicht den Eindruck, dass sie das stört: „Wir wollen ja das Bestmögliche aus unserem Kind herausholen. Es macht unheimlich viel Spaß, es auf diesem Niveau spielen zu sehen“, sagt Nicole Thein.

Ihr Mann Bernhard lässt aber auch anklingen, dass beide da sein werden, sollte es einmal nicht mehr so gut laufen. „Man darf die Kinder nicht zwingen. Ich frage Laurin auch mal, ob es ihm nicht zu viel ist.“

Fast immer lautet die Antwort „Nein“. Laut seinem Vater würde Laurin am liebsten drei Mal pro Woche in Nürnberg trainieren. Und seine Trainerin hält er für „die Beste der Welt“. Obwohl sie sehr streng ist und viel fordert.

Selbst daheim regiert König Fußball. Und sei es nur, weil ständig die Trainingsklamotten der Jungs gewaschen werden müssen.

Die Arbeit, das Training der Kinder und das eigene: Bernhard und Nicole Thein sehen sich nicht häufig. „Erst kommen die Kinder, dann wir. Wir richten uns nach ihnen.“ Am Wochenende aber gehen sie ins Schwimmbad, zum Bowling, treffen Freunde oder gehen einfach nur spazieren – unter der Woche bleibt dafür kaum Zeit. „Wenn wir zusammen sind, genießen wir das“, sagen die Eltern.

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