WÜRZBURG

Malteser helfen todkranken Kindern

10 Jahre Kinderhospizarbeit der Malteser: (von links) der Hospizreferent der Malteser Hospizreferent Georg Bischof, Diözesangeschäftsführer Stefan Dobhan und die ehrenamtlichen Mitarbeiter Brigitte Gehlofen, Norma Roth und Martina Mirus. Foto: Christian Ammon

Eine Familie ist wie ein Puzzle. Jedes Teil stützt das andere. Doch was, wenn urplötzlich ein Stück fehlt? Nicht selten gerät dann das gesamte Gefüge in Unordnung. Trifft es ein Kind, droht das ganze Konstrukt einzustürzen. Damit dies nicht geschieht, unterstützen seit nunmehr zehn Jahren die ehrenamtlichen Helfer der Malteser in der Diözese Würzburg sterbende und trauernde Kinder und ihre Familien. „In erster Linie geht es darum, den Kindern und ihren Familien Mut und Kraft zu geben und das soziale Umfeld zu stärken“, erklärt Martina Mirus, die als Ehrenamtliche die Hospizarbeit der Malteser leitet.

Die Würzburger Malteser waren damals eine der ersten Organisationen, die den Bedarf für eine eigene Kinderhospizarbeit erkannt haben. Heute sind 19 Hospizgruppen über ganz Unterfranken verteilt, darunter Trauergruppen, in denen sich Kinder und Jugendliche treffen, aber auch der Trauerkreis „Sternenkinder“ für Eltern, die ein Kind während der Schwangerschaft oder kurz nach der Geburt verloren haben. Außerdem machen die etwa zwanzig aktiven Helfer Besuche am Krankenbett. Allein im Jahr 2013 waren es zwanzig Familien, um die sich die ehrenamtlichen Helfer gekümmert haben.

Maßgeblich mit auf die Beine gestellt hat die Kinderhospizarbeit Brigitte Gehlofen. Die selbstständige Masseurin ließ sich nach dem Tod ihres Vaters zur Hospizhelferin ausbilden. Der Ernstfall kommt schneller, als erwartet. Als eine Kursteilnehmerin ihr Kind verliert, kümmert sich die zweifache Mutter um das zweite Kind der Frau. Gerade vier Jahre alt, kommt es nur schwer mit dem Tod des Bruders zurecht. An Unterstützung fehlt es. Während für krebskranke Kinder die Betreuung gut ausgebaut ist, ist sie bei schwerbehindert geborenen oder anderen todkranken Kindern kaum vorhanden. Auf einer Tagung lernt sie das Bremer Trauerhaus kennen, das den Kindern einen geschützten Raum für ihre Trauer bietet. Nach seinem Vorbild entsteht im September 2003 der Würzburger Kinderhospizdienst.

Die Trauerarbeit mit Kindern unterscheidet sich grundsätzlich von der mit Erwachsenen oder Senioren. Leiden diese eher an Einsamkeit oder daran, dass Angehörige fehlen, so haben sterbende Kinder immer auch eine Familie. Zudem ist bei älteren Menschen der Tod eher akzeptiert, als wenn es um ein Kind geht. Auch die Helfer stoßen hier manchmal an ihre Grenzen. Im Laufe der Ausbildung, die zunächst knapp ein Jahr dauert, und dann weitere 46 Unterrichtsstunden speziell für die Arbeit mit Kindern umfasst, springen regelmäßig ein oder zwei Teilnehmer ab. Von den sechzig bislang ausgebildeten Mitarbeitern haben sich nur zwanzig dafür entschieden, regelmäßig in der Kinderhospizarbeit zu helfen.

Eine von ihnen ist Norma Roth. „Wichtig ist, dass man das, was man sieht, nicht mit nach Hause schleppt, zum Partner und zu den Kindern“, verrät sie. Auch die regelmäßigen Supervisionen der Seelsorgerin der Uniklinik, Mechthild Ritter, helfen.

Meistens fällt es Norma Roth mit ihrer tiefen Stimme nicht schwer, Zugang zu den Kindern zu finden. Immer dabei sind Plüschlöwe Leo und rote Clownsnasen für sich und das Kind. „Für ein Kind ist das keine sinnlose Blödelei“, erzählt die Hebamme. Man müsse die Kinder ernst nehmen und dürfe sie nicht als Erwachsene behandeln. Hilflose Floskeln wie „Das wird schon wieder“ durchschauen die kleinen Patienten leicht.

Kurs zum Hospizhelfer startet

„Kinder trauern anders“, hat die gläubige Christin beobachtet. Manchmal ist dies gar nicht erkennbar. Sie gehen in die Disco oder spielen am Computer. So als wäre nichts geschehen. Doch es arbeitet in ihnen. So kann es sein, dass einmal über den Himmel und Gott gesprochen wird, ein anderes Mal wird Kicker gespielt oder auch gemeinsam geweint. „Kinder haben einen ganz natürlichen Umgang mit Sterben und Tod“, sagt sie.

Die Kinderhospizarbeit wird zur Hälfte von der Caritas-Stiftung unterstützt. Um das Angebot aufrechtzuerhalten und auf Kindergärten und Schulen auszudehnen, ist das Team auf Spenden und Fördermitglieder angewiesen. Nach der Jubiläumsfeier möchten die Malteser zudem einen vierten Kurs starten. Für den 23. Oktober um 19 Uhr ist ein Informationsabend im Kursraum der Malteser-Geschäftsstelle, Mainaustraße 45, geplant.

Schlagworte

  • Caritas
  • Diözesen
  • Ehrenamtliches Engagement
  • Schwerbehinderte
  • Trauerarbeit
  • Unterfranken
Lädt

Schlagwort zu
„Meine Themen“

hinzufügen

Sie haben bereits
/ 15 Themen gewählt

bearbeiten

Sie folgen diesem Thema bereits

entfernen

Um "Meine Themen" nutzen zu können müssen Sie der Datenspeicherung zustimmen

zustimmen
0 0
Kommentar schreiben

Der Diskussionszeitraum für diesen Artikel ist leider schon abgelaufen. Sie können daher keine neuen Beiträge zu diesem Artikel verfassen!