WÜRZBURG

Mehr Demonstranten, härtere Parolen, Festnahmen

Für eine bunte, weltoffene Gesellschaft: Mindestens 1500 Menschen demonstrierten diesmal in Würzburg gegen Pegida. Foto: Theresa Müller

Die Zahlen steigen auf beiden Seiten:Rund 1500 Menschen haben am Montagabend in Würzburg gegen die Anti-Islam-Bewegung Pegida demonstriert –so viele wie bisher noch nie. Kurz darauf versammelten sich 250 bis 300 Anhänger von „Wügida“ (Würzburger gegen die Islamisierung des Abendlandes) zu einer Kundgebung vor der verdunkelten Neubaukirche. Mindestens 700 Gegendemonstranten machten derweil hinter Absperrungen ihrem Unmut gegen die islam- und fremdenfeindliche Gruppierung lautstark Luft. Bis auf wenige Ausnahmen verlief der Abend friedlich.

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Pegida-Demo und Gegendemo am 5.1.15

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Bis zu 1700 Gegendemonstranten

Ab 17.30 Uhr trafen sich zunächst gut tausend Menschen unter dem Motto „Würzburg lebt Respekt“ am Bahnhofsvorplatz. Um 18 Uhr ging es durch die Innenstadt zum Vierröhrenbrunnen, wo sich nach Angaben der Polizei bis zu 1500, nach Zählungen der Veranstalter sogar 1700 Menschen versammelten, um erneut ein Zeichen für eine weltoffene, bunte Gesellschaft zu setzen.

Bei der Abschlusskundgebung verlas Wigbert Baumann vom „Würzburger Montagsspaziergang“ eine Botschaft ehemaliger DDR-Bürgerrechtler, die sich dagegen wehren, dass Pegida ihren Slogan „Wir sind das Volk“ missbraucht. „Ihr wollt zusehen, wie die Elenden der Welt an neuen Mauern sterben. Ihr protestiert gegen die Schwachen, an die Mächtigen traut ihr euch nicht heran“, zitierte Baumann. Der Würzburger Fahrradkurier Chaminda Perera, der einst aus Sri Lanka geflüchtet ist, dankte für die Unterstützung, die er seit Jahren erfahre.

Bereits um 17.30 Uhr hatte ein großes Polizeiaufgebot die Neubaustraße mit Absperrgittern nach allen Seiten abgesichert, um einen ruhigen Verlauf des „Wügida“-Aufzugs zu ermöglichen. Um 19 Uhr hatten sich nach Angaben der Polizei etwa 300 Anhänger und damit hundert mehr als bei der letzten Demo am 22. Dezember im oberen Teil der Neubaustraße versammelt. Etwa 30 Gegendemonstranten – von der Polizei dem „linken Spektrum“ zugerechnet – versuchten, den Zugang zum Versammlungsort mit einer Sitzblockade zu verhindern. Dabei kam es zu Rangeleien mit den Beamten, die mehrere Platzverweise erteilten. Die Gruppe "NoWügida" nannte den Einsatz in einer Pressemitteilung "völlig überzogen".

Zu der rund einstündigen Kundgebung vor der Neubaukirche, deren Beleuchtung die Universität aus Protest abgeschaltet hatte, waren laut einem Redner Pegida-Anhänger nicht nur aus Franken, sondern auch aus Freiburg, Regensburg und Thüringen angereist. Gut 700 Gegendemonstranten protestierten aus 50 Meter Entfernung hinter Absperrgittern unermüdlich mit Sprechchören und Trillerpfeifen. Versuche, die Sperren zu überklettern, unterband die Polizei. Einen Mann, der Widerstand leistete, nahmen die Beamten fest.

Die „Wügida“-Anhänger traten diesmal verbal deutlich aggressiver auf als noch vor Weihnachten. So trugen sie vorneweg ein Banner mit der Aufschrift „Merkel muss weg. Merkel = Asylmissbrauch, Islamismus, Kriminalität“. Angeheizt durch den Redner Elias Alder skandierten sie immer wieder „Lügenpresse, Lügenpresse . . .“ und „Wir sind das Volk“. Den „Lügenpolitikern“ warf der Redner vor, sie würden das eigene Volk „nicht beachten“ und stattdessen das Fremde überhöhen. „Wir werden verscherbelt an die EU, die UNO und das internationale Großkapital.“ Linke und Wirtschaft machten gemeinsame Sache. Die einen holten die Fremden ins Land, damit sie die anderen ausbeuten könnten.

Pauschale Wutbekundungen

Dann wurde „Michael Mannheimer“ ans Mikrofon geholt. Mannheimer ist das Pseudonym von Karl-Michael Merkle (Heilbronn), der als „fanatischer Islamhasser“ („Heilbronner Stimme“) bekannt ist. Mit seiner Hetze, verbreitet unter anderem auf der fremdenfeindlichen Internetseite „Politically Incorrect“, ist er bereits ins Visier der Justiz geraten. Deutschland sei „keine Demokratie mehr“, behauptete er, Presse und Politiker seien „Feinde des Volkes“. Sie hätten den Bürgern die Meinungsfreiheit genommen, Familien zerstört und das Land „türkisiert“, rief er unter dem Applaus seiner Zuhörer. Merkle leitete daraus ein „Recht auf Widerstand“ ab, um „zurückzuholen, was man uns gestohlen hat“. Welche Schritte er sich konkret vorstellt, verschwieg er. Interesse an der demokratischen Debatte ließen seine pauschalen Wutbekundungen, ergänzt durch Ausfälle gegen Muslime, nicht erkennen.

Auf dem Rückweg der Pegida-Sympathisanten zu ihren Autos kam es erneut zu Auseinandersetzungen mit Gegendemonstranten. Ein „Wügida“-Anhänger wurde vorläufig festgenommen, nachdem er einen Mann getreten hatte, so die Polizei. Trotzdem zogen die Beamten eine positive Demo-Bilanz, sie sprachen von einem „insgesamt friedlichen Verlauf mit kleineren Störungen“.

Abgeschirmt: Während die Neubaukirche (links) dunkel blieb, demonstrierten 250 bis 300 Pegida-Anhänger unter anderem mit...

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