Meine Runzeln & ich: Das Gerede von der Leitkultur

Neulich habe ich in dieser Zeitung gelesen, dass in meinem Heimatort mit seinen rund 3300 Einwohnern Bürgerinnen und Bürger – ich mag das Wort Mitbürger nicht – aus 61 Nationen wohnen sollen. Wenn das stimmt, dann finde ich das großartig, denn nichts erweitert den eigenen Horizont mehr als der Lebensstil anderer Völker.

So wohnt neben mir ein Türke, der – wie im Übrigen auch seine Kinder – hervorragend Deutsch spricht. Mich stört überhaupt nicht, dass seine Frau ein Kopftuch trägt. Das hat meine Oma früher auch gemacht. Im Sommer hat er sein Haus energetisch auf den neuesten Stand gebracht und farblich in ein richtiges Schmuckstück verwandelt.

Gegenüber leben Rumänen, die einen Teil des Rasens vor ihrem Haus in Parkplätze umgewandelt haben, weil einige Stellplätze bei einer sogenannten Straßensanierung einfach wegrationalisiert wurden. Auch sie sprechen Deutsch, sind fleißig und liegen dem Steuerzahler nicht auf der Tasche.

Ich könnte weiter erzählen über unsere Multikulti-Gemeinde mit ihrer CSU-Bürgermeisterin: von der Portugiesin, die putzen geht, dem spanischen Studenten, der Nachhilfe anbietet, dem Serben, der Tennislehrer ist, oder dem Engländer, der sich mit Computern auskennt. Deshalb kann ich auch mit dem Begriff der deutschen Leitkultur absolut nichts anfangen, die jetzt wieder an den Stammtischen diskutiert wird. Je älter ich werde, desto klarer ist mir bewusst, dass auch ich zum Ausländer werde, wenn ich die Grenze zum Beispiel nach Italien oder Polen überschreite. Dort nutzt mir die deutsche Leitkultur gar nichts.

Schlagworte

Lädt

Schlagwort zu
„Meine Themen“

hinzufügen

Sie haben bereits
/ 15 Themen gewählt

bearbeiten

Sie folgen diesem Thema bereits

entfernen

Um "Meine Themen" nutzen zu können müssen Sie der Datenspeicherung zustimmen

zustimmen
0 0
Kommentar schreiben

Der Diskussionszeitraum für diesen Artikel ist leider schon abgelaufen. Sie können daher keine neuen Beiträge zu diesem Artikel verfassen!