Metzger in Fettabscheider erstickt

Würzburg/Estenfeld - Karl Knüpfing ist tot. Der Inhaber des Bratwurststands am Würzburger Marktplatz und Vater der "Geknickten" erstickte am Mittwoch früh auf tragische Weise bei dem Versuch, den Fettabscheider in seinem Betrieb in Estenfeld (Lkr. Würzburg) zu reparieren.
Knüpfing       -  So kannte man ihn: Karl Knüpfing in seinem Bratwurst-Imbiss am Unteren Markt
So kannte man ihn: Karl Knüpfing in seinem Bratwurst-Imbiss am Unteren Markt
Als der Notarzt gegen sieben Uhr in der Estenfelder Wilhelm-Hoegner-Straße eintrifft, kann er dem 66-jährigen Senior-Chef nicht mehr helfen. Karl Knüpfing war kurz zuvor in den Fettabscheider gestiegen, einen unterirdischen Behälter, der Fette und andere organische Bestandteile aus dem Abwasser zurückhält. Offenbar wollte er dort eine Abwasserpumpe reparieren. In dem mit Faulgasen gefüllten Schacht verlor der Metzgermeister das Bewusstsein.

Ein von der Familie zur Hilfe gerufener Nachbar probiert noch, Karl Knüpfung zu retten, wird aber ebenfalls bewusstlos. Wie die Polizei weiter berichtet, scheitert der 43-jährige Junior-Chef ebenfalls bei dem Versuch, die beiden Männer aus dem Schacht zu ziehen. Erst die Feuerwehr kann die Verletzten mit Hilfe von Atemschutzgeräten bergen. Trotz sofortiger Reanimation stirbt Karl Knüpfing an der Unfallstelle.

Den Zustand des 48-jährigen Nachbarn beschreibt der Einsatzleiter des Rettungsdienstes als lebensbedrohlich. Er liegt in der Würzburger Uniklinik.

Derweil ringen die Verkäuferinnen in der Würstchenbude um Fassung. An der Theke der Bude stehen die Menschen Schlange. So wie jeden Tag. Ein Würstchen vom Markt - für viele eine liebgewordene Tradition beim Stadtbummel oder in der Mittagspause.

Helena Ackermann (4) aus Miltenberg macht mit ihrer Familie einen Einkaufsbummel durch Würzburg. Die Großeltern kennen den Bratwurststand schon seit der Eröffnung vor 35 Jahren. Ihre Leidenschaft für die "Geknickte" teilt auch schon Enkelin Helena. "Es schmeckt so lecker", sagt sie und beißt fröhlich zu.

In den blauen Augen von Karl Knüpfings Tochter Silvia King indes schwimmen Tränen. Sie ist gerade am Verkaufsstand angekommen, will ihren Verkäuferinnen beistehen. "Es muss weitergehen. Wir haben Ware, die verdirbt", sagt sie mit erstickter Stimme. Der Schock sitzt tief, und Silvia King agiert wie automatisiert. Sie weiß, dass bald viele Kunden wissen möchten, ob und wie es nun weitergehen soll. "Meine Tochter Charlene ist mit ihrer Ausbildung als Metzgermeisterin fertig - das heißt, wir werden weitermachen."

Die Kunden draußen beißen ebenso heißhungrig wie ahnungslos in ihre Bratwürste, schwärmen fast ausnahmslos von den besten Würstchen weit und breit.

Gegenüber hat Marktfrau Waltraud Kneitz (54) mit ihrem Obst und Gemüse alle Hände voll zu tun. Sie hält erschrocken inne, als sie die Nachricht erfährt. Jahrzehntelang hat sie Metzgermeister Knüpfing gekannt, ihn als guten Kollegen zu schätzen gewusst. "Er war ein umgänglicher Mensch, am Samstag hat er hier noch mit dem neuen Dach seiner Bude zu tun gehabt", sagt sie.

Auch Otto Braun vom Eierhäuschen schüttelt fassungslos den Kopf. "Das gibt es doch nicht - das tut mir so leid", sagt er und schaut zur Nachbarbude hinüber, an der die Verkäuferinnen vor dem großen, gerahmten Meisterbrief ihres Chefs unermüdlich Bratwürstchen verkaufen. So schwer wie heute ist ihnen das noch nie gefallen.

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