HOF

Migräne-Radar in Arbeit

Jeder zehnte Deutsche leidet unter Migräne. Häufig treten starke Kopfschmerzen und Übelkeit dann auf, wenn das Wetter umschwenkt. Einen direkten Zusammenhang konnten Wissenschaftler bislang aber nicht belegen.

Mit dem Projekt "Migräne-Radar MiRa" soll sich das ändern. Seit 2011 untersuchen Forscher der Hochschule im oberfränkischen Hof den Zusammenhang zwischen Migräneanfällen und Wetteränderungen.

Meldungen über soziale Netzwerke

Über ein Internetformular, eine App sowie über Twitter können Patienten aus ganz Deutschland ihre Migräneanfälle melden. Forscher vergleichen die Angaben anschließend mit Daten des Deutschen Wetterdienstes. Täglich gehen etwa 15 bis 20 Meldungen ein. „Mit der Resonanz sind wir sehr zufrieden“, sagt Sven Rill, Leiter der Arbeitsgruppe Analytische Informationssysteme. „Wir hätten nicht damit gerechnet, dass sich so viele Menschen melden. Bislang konnten wir rund 10 000 Angaben verzeichnen.“

So konnten bereits erste Ergebnisse festgestellt werden: Etwa ein Drittel der Migräneanfälle tritt dann auf, wenn die Temperatur in den vergangenen drei Tagen um sechs Grad Celsius gefallen oder gestiegen ist.

Mit dem Migräne-Radar will man ein Frühwarnsystem für Migräne-Patienten schaffen. Zwar kann man schlecht in andere Regionen ausweichen, „aber man kann bei Wetterumschwüngen andere Risikofaktoren wie Stress reduzieren oder sich mit Medikamenten vorbehandeln lassen, damit sich eine Migräne nicht so gravierend auswirkt“, erklärt Sven Rill.

2011 ist das Projekt im Studierenden-Wettbewerb „Was macht gesund?“ mit einem Preis des Bundesbildungsministeriums ausgezeichnet worden. An der Hochschule in Hof ist jetzt sogar eine Forschungseinrichtung für Informationssysteme (iisys) eingerichtet worden. Ziel der derzeit 27 Mitarbeiter ist es, die Ergebnisse internationaler Forschungen zu überprüfen und an die Gesellschaft weiterzugeben.

Der Migräne-Radar ist nur eins von vielen Projekten, die das Institut betreut, „aber auch das mit der größten Öffentlichkeitsaufmerksamkeit“, sagt Sven Rill. „Enorm viele Menschen sind in Deutschland von Migräne betroffen.“ Derzeit ist ein Nachfolgeprojekt geplant, mit dem individualisierte Ergebnisse ermöglicht werden sollen. Dafür will man auch mit Medizinern zusammenarbeiten. „Uns liegt am Herzen, das Ganze weiterzuführen“, sagt Sven Rill.

Migräne
Triptane gelten laut Expertenmeinung bei Migräne als wirksam. (Bild: dpa/tmn)

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