WÜRZBURG/ERLABRUNN

Mord am Erlabrunner See: "Ehemann war der Täter"

Die Hettstadter Animierdame, deren unvollständige Leiche Anfang Oktober im Erlabrunner Badesee gefunden wurde, ist offenbar von ihrem Ehemann ermordet worden. Dies bestätigte Dietrich Geuder, der Leitende Oberstaatsanwalt in Würzburg.

„Nach dem derzeitigen Stand der Ermittlungen gehen wir davon aus, dass der Ehemann der Täter ist“, sagte Geuder auf Anfrage. Bei den Ermittlungen hätten sich keinerlei Hinweise auf einen anderen Täter ergeben.

Gut zehn Wochen nach dem spektakulären Leichenfund hat die Würzburger Polizei Geuder zufolge die Waffe, mit der der Ehemann auf seine Frau eingestochen hat, noch nicht gefunden. Auch der Tatort habe noch nicht ermittelt werden können, so Geuder. Nach dem Leichenfund war eine aus 30 Beamten bestehende Sonderkommission „Badesee“ gegründet worden.

Der Mord hatte bundesweit Aufsehen erregt. Am 3. Oktober, einem Sonntag, hatte ein Angler Leichenteile der Hettstadterin aus dem Erlabrunner Badesee gefischt. Am Tag drauf warf sich ihr Mann, ein 30-jähriger Bundeswehrsoldat, nahe dem nur wenige Kilometer entfernten Margetshöchheim vor einen ICE. Eine Beziehungstat galt von Ermittlungsbeginn an als wahrscheinlich.

Über das Mordmotiv schweigt sich die Staatsanwaltschaft aus. „Dazu mache ich keine Angaben“, sagt Geuder. Medien hatten spekuliert, Eifersucht sei Grund für die Bluttat gewesen: Die 29-jährige Hettstadterin arbeitete seit Jahren und mit Kenntnis ihres Mannes als Animierdame in einem einschlägig bekannten Würzburger Sexclub. Sie soll aber auch Kunden aufs Zimmer begleitet haben – insbesondere dann, wenn ihr Mann im Auslandseinsatz war.

Die Spekulation mehrerer Medien, denen zufolge der 30-jährige Soldat seine Frau umgebracht habe, nachdem er erfahren habe, dass sie mit Freiern aufs Zimmer gehe, wollte die Würzburger Polizei im Oktober nicht kommentieren.

Nachbarn hatten nach der Bluttat vermutet, dass der Hauptfeldwebel nach mehreren Kriegseinsätzen in Afghanistan stark traumatisiert gewesen sei könnte und ausgerastet sei. Er habe den Tod mehrerer Kameraden miterleben müssen; das lasse ihn nicht los, hatte der Mann einer Nachbarin gesagt.

Der Hauptfeldwebel hatte drei monatelange Bundeswehreinsätze in Afghanistan hinter sich, wo er als Personenschützer eingesetzt war. Zuletzt war er im Frühsommer in der Provinz Masar-i-Sharif. Der Hauptfeldwebel und die Animierdame hinterlassen einen achtjährigen Sohn, der jetzt offenbar bei Verwandten lebt.

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