SCHWEINFURT

Mord nach Saufgelage abgestritten

In dem am Freitag begonnenen Mordprozess hat der angeklagte Nikolai Z. (58) aus Schweinfurt jede Schuld am Tod seines Saufkumpans zurückgewiesen. Das Opfer (51) war am 23. Dezember 2010 erstochen in seiner Wohnung im Schweinfurter Musikerviertel gefunden worden. Die Anklage geht davon aus, dass der 58-Jährige nach einem Trinkgelage aus Wut darüber, dass der Jüngere nicht mehr weitersaufen wollte, ein 31 Zentimeter langes Küchenmesser in den Oberschenkel des eingeschlafenen Kumpels gewuchtet hat. Das Messer traf die Schlagader, das Opfer verblutete.

Der Angeklagte will davon nichts wissen. Der in den 1990er Jahren aus Russland gekommene Z. schilderte vor dem Schwurgericht, dass er den aus Kasachstan stammenden Jüngeren am Morgen des 23. Dezember 2010 tot im Bett gefunden habe. Er geht von einem Suizid aus, verübt aus Verbitterung über die Trennung von seiner Frau (50).

Der 58-Jährige ist kein unbeschriebenes Blatt, saß auch schon ein. Sein Begleiter seit vielen Jahren ist der Alkohol. Der Bauingenieur, zuletzt ohne festen Wohnsitz, fand am 12. Dezember Unterschlupf beim 51-Jährigen. Wie die Tage zuvor bestimmte der Alkohol auch den 22. Dezember. In einem nahen Markt kaufte er vom Geld des Opfers zwei Flaschen Wodka. Mittags kam ein dritter Mann mit weiterem Wodka hinzu. Ab etwa 15 Uhr waren Wohnungsinhaber und Angeklagter wieder alleine.

Der Schilderung des Angeklagten zufolge tranken sie bis 22.30 Uhr. Dann suchte der Jüngere volltrunken das Schlafzimmer auf. Die Obduktion ergab 3,58 Promille. Der 51-Jährige habe sich noch einmal gerührt, weil er wohl bemerkte, dass sich der 58-Jährige übergeben hatte. „Was ist passiert“, rief das spätere Opfer. „Schlaf weiter“, lautete die Antwort.

Wenig später habe auch er auf der Couch im Wohnzimmer geschlafen, behauptet der Angeklagte. Am 23. Dezember sei er gegen 9 Uhr aufgewacht, habe gerufen. Weil keine Antwort kam, sei er ins Schlafzimmer gegangen und wegen der Körperhaltung habe er gedacht: „Das gibt es nicht, sollte es wirklich sein, dass der sich selber das Leben genommen hat.“ Das Messer habe er auf dem Boden liegen sehen.

Die Staatsanwaltschaft glaubt dieser Schilderung nicht, spricht von heimtückischem Mord. Das Messer war 18 Zentimeter tief mit erheblicher Wucht in den Oberschenkel gestoßen worden. Bei Selbstmord kaum möglich. Und warum durch die Bettdecke? Die Tatwaffe lag außerdem weit vom Bett entfernt. Es fanden sich Blutspuren an der Kleidung des Angeklagten, die der damit begründet, dass sich das Opfer in der Küche am Finger geschnitten und ihn dabei berührt habe. Seine Aussagen dazu sind aber widersprüchlich, einmal habe das Opfer eine Apfelsine, dann eine Zitrone bearbeitet, sagt der Ankläger. Der Angeklagte wusste auch nicht mehr, welcher Finger an welcher Hand verletzt war.

Schließlich die Ex-Frau des Opfers: Ihr Mann habe Trennung und neuen Lebensgefährten akzeptiert, sei für einen Suizid viel zu feige. Im Indizienprozess sind weitere fünf Tage angesetzt, Fortsetzung 2. April.

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