HAMMELBURG

Mordverdächtiger Soldat begeht Suizid in U-Haft

Zwei Tage nach seiner Festnahme unter Mordverdacht hat ein in Hammelburg stationierter Soldat offenbar Suizid begangen. Die Kripo hatte den 25-Jährigen aus Bonndorf (Baden-Würtemberg) am Montag festgenommen und nach Waldshut-Thiengen überstellt. Dort teilte die Polizeidirektion am Mittwochmittag auf Anfrage dieser Zeitung mit: Der Verdächtige habe in der Zelle Suizid begangen.
Der 25-jährige Soldat aus Bonndorf (im Schwarzwald zwischen Freiburg und dem Bodensee) steht unter Verdacht, in einem spektakulären Mordfall im Schwarzwald Ende Mai einen Nachbarn umgebracht zu haben. Er habe "gestern Nachmittag nach der Bekanntgabe des gegen ihn ergangenen Haftbefehls durch den Haftrichter des Amtsgerichts Waldshut-Tiengen in der ihm zugewiesenen Zelle der Justizvollzugsanstalt Waldshut-Tiengen Suizid begangen", teilte Pressesprecher Paul Wißler am Mittwoch mit. "Das gegen ihn geführte Ermittlungsverfahren ist damit beendet."

Der Fall hatte weit über das 550-Seelen-Dorf zwischen Freiburg und Bodensee für Aufsehen gesorgt. Das 24-jährige Opfer Simon Neipp war am 24. Mai nach einer Veranstaltung der örtlichen Feuerwehr verschwunden. In mehreren großangelegten Aktionen suchten zeitweise bis zu 130 Menschen nach Neipp, darunter auch zahlreiche Privatleute. Bergwacht, Hundestaffel, Hubschrauber und Feuerwehrmänner waren mehrfach im Einsatz. Die Feuerwehr rief über ihre Webseite zur Beteiligung an der Suche nach ihrem Kameraden auf.

Anfang Juni entdeckte ein Landwirt eine stark verweste Leiche, versteckt in der Nähe des Sportplatzes. Der Regen der Tage vorher hatte die Leiche offenbar freigelegt, teilte Paul Wißler, Sprecher der dortigen dortigen Polizeidirektion Waldshut-Thiengen mit. Sie wurde anhand des Zahnschemas als der vermisste identifiziert. "Es konnte trotz der Verwesungserscheinungen festgestellt werden, dass Simon Neipp massiv geblutet hatte. Hierfür kommt lediglich eine Verletzung der Blutgefäße im Halsbereich in Betracht," teilte der Polizeisprecher mit. "Die Ermittlungsbehörden gehen deshalb davon aus, dass mit einem scharfkantigen Gegenstand auf den Hals eingewirkt wurde."

In der Wohnung Neipps wurden Blutspuren entdeckt. Wie die Polizei mitteilt, habe zwar jemand versucht, diese wegzuwischen. Doch mit einem speziellen kriminaltechnischen Verfahren sei es gelungen, die Spuren zu sichern. Aus der Wohnung fehlten ein Couchtisch mit Glasplatte, die Gardinen, orangerote Vorhangschals und ein Teppich.

Zu diesem Zeitpunkt hatte die Polizei bereits eine heiße Spur, die nach Unterfranken führte. In Hammelburg (Lkr. Bad Kissingen) war ein 25-jähriger Nachbar des Toten, der mit seiner Frau im gleichen Haus wohnte, seit dem 6. Mai zu einer Fahrerausbildung abkommandiert. Der Soldat gab gegenüber Polizeibeamten zunächst an, die ganze Nacht in der Kaserne in Unterfranken verbracht zu haben, in der 340 Kilometer entfernt in seinem Heimatdorf sein Nachbar verschwand.

Die Ermittlungen ergaben dann aber, dass er sich bei einem Kameraden in Hammelburg eifrig um ein falsches Alibi für einen Teil der Tatnacht bemüht hatte. Zudem wurden laut Pressesprecher Wißler die Verbindungsdaten seines Handys überprüft. Dabei sei festgestellt worden, dass der Verdächtige gegen 20 Uhr etwa 130 Kilometer südlich von Hammelburg im Raum Schöntal im Hohenlohekreis unterwegs war. "Dieser Umstand spricht für eine Fahrt von Hammelburg nach Bonndorf am Abend des 24.Mai", sagt der Presesprecher.

Am Montag fanden die Ermittler ein weiteres Indiz, das ihn belastet. Die Kripo hatte nämlich erfahren, dass er sich an dem Tag, nachdem die Leiche Neipps gefunden worden war, bei der Rückkehr aus seinem Heimatort nach Hammelburg in ein Waldstück in der Nähe der Kaserne begeben hatte. Dort fanden Polizeibeamte bei genauem Suchen ein dunkelblaues T-Shirt mit der Aufschrift "Feuerwehr Bonndorf". Es soll dem getöteten Feuerwehrmann gehört haben. Außerdem sei ein Paar Schuhe sichergestellt worden. Dessen Sohlenprofil stimme mit einem Abdruck überein, der im gemeinsamen Wohnhaus des Verdächtigen und des Opfers sichergestellt wurde.

Der 25-Jährige wurde am Dienstag in Untersuchungshaft genommen. Er äußerte sich weder der Polizei gegenüber noch beim Untersuchungsrichter zu der Tat.

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