WÜRZBURG

Museum für Bayerische Geschichte in Würzburg?

Der Freistaat lässt sich nicht lumpen: Zu seinem 100. Gründungsjubiläum 2018 plant er ein neues Museum, das europaweit einzigartig werden dürfte: Bürgernah, lebendig und modern ist das Konzept, das Historiker Richard Loibl im Auftrag der bayerischen Staatsregierung entwickelt hat.
Der 50er-Jahre-Katalog wurde bei der Landesausstellung „Wiederaufbau und Wirtschaftswunder“ vor zwei Jahren gezeigt. Diese Ära ist auch ein Schwerpunkt des neuen Museums.
Der 50er-Jahre-Katalog wurde bei der Landesausstellung „Wiederaufbau und Wirtschaftswunder“ vor zwei Jahren gezeigt. Diese Ära ist auch ein Schwerpunkt des neuen Museums. Foto: –

Der Freistaat lässt sich nicht lumpen: Zu seinem 100. Gründungsjubiläum 2018 plant er ein neues Museum, das europaweit einzigartig werden dürfte: Bürgernah, lebendig und modern ist das Konzept, das Historiker Richard Loibl im Auftrag der bayerischen Staatsregierung entwickelt hat.

Statt trockener Infos soll es Filme, Musik und Kabarett präsentieren, die typisch für Bayern sind. Zeitzeugen werden erzählen, ein Medienarchiv zur Geschichte und Kultur des Freistaats soll Besuchern die Möglichkeit geben, sich auf Großbildleinwänden Fotos, Plakate und Zeitungsartikel zusammenzustellen. Außerdem ist das neue oder sanierte Gebäude als erstes energieautarke Museum Europas konzipiert. 25 Millionen Euro will der Freistaat in das Prestigeobjekt investieren.

Blättern Sie hier durch die Bewerbung für das Museum der Bayerischen Geschichte...

Kein Wunder, dass sich Städte aus Oberfranken bis Niederbayern um das Museum für Bayerische Geschichte reißen. Von dem staatlich unterhaltenen Kulturtempel versprechen sie sich einen Zuwachs an Besuchern und Bedeutung.

Unter den 24 Bewerbern ist Würzburg der einzige unterfränkische. Bad Kissingen war anfangs dabei, hat die Bewerbung aber zurückgezogen. „Für die Verwendung unseres historischen Luitpold-Bades haben sich jetzt Pläne für ein Behördenzentrum konkretisiert,“ erklärt Thomas Hack, Pressesprecher der Stadt. „Jetzt drücken wir Würzburg die Daumen.“

Das tun auch Kabarettist Frank Markus Barwasser, Pater Anselm Grün und Dirk Nowitzki: Die Prominenten unterstützen Würzburg, das sich mit Gebäude und Gelände der ehemaligen Mozartschule bewirbt. Mit dem städtischen Areal gegenüber dem UNESCO-Weltkulturerbe Residenz rechnet sich die Stadt gute Chancen aus: Es hat ein lebendiges kulturelles Umfeld, ist gut zu erreichen und die denkmalgeschützte Mozartschule gilt als wertvolles Beispiel für die Architektur der 50er Jahre – das 20. Jahrhundert ist inhaltlicher Schwerpunkt des Museumskonzeptes.

Würzburgs Bewerbungsmappe hat Kulturreferent Muchtar Al Ghusain vor einigen Tagen Wissenschaftsminister Wolfgang Heubisch (FDP) persönlich in die Hand gedrückt. Dieser erklärte jetzt in einer Pressemitteilung, dass viele „spannende Vorschläge aus allen Regionen“ eingegangen seien. „Das wird keine leichte Entscheidung.“ Das Haus der Bayerischen Geschichte werde die Bewerbungen anhand fachlicher Kriterien „sorgfältig“ prüfen und eine Vorauswahl treffen. Konkurrenten sind unter anderem: Kulmbach, Nürnberg, Freising, Ingolstadt, Landshut, Passau und Kempten. Noch in diesem Jahr will Heubisch dem Ministerrat konkrete Vorschläge präsentieren.

„Wir sind an der Spitze des Bewerberfeldes dabei“

CSU-Landtagsabgeordneter Oliver Jörg

Gerüchte, dass Ingolstadt und Regensburg in München längst die gesetzten Favoriten sind, hat der Würzburger CSU-Landtagsabgeordnete Oliver Jörg auch gehört. Er glaubt sie aber nicht: „Ich habe den Eindruck gewonnen, dass das Rennen offen ist.“ Und: „Wir sind an der Spitze des Bewerberfeldes dabei.“

Natürlich ließe sich spekulieren, welche Stadt gute Chancen hat. Neben objektiven Kriterien spiele auch der Proporz eine gewissen Rolle. Doch die Verhältnismäßigkeit spräche für Unterfranken, das sich im Vergleich mit Oberbayern oft schlecht behandelt fühlt. Auch dem Verhältnis der Franken zu den Bayern könnte das Landesmuseum gut tun: „Es stiftet Identität, weil es die Bürger einbindet.“ Jörg hofft, dass „jetzt alle an einem Strang ziehen, um der Bewerbung Nachdruck zu geben“.

Das tun bereits Unterfrankens Regierungspräsidenten Paul Beinhofer und über den „Rat der Region Mainfranken“ andere hochrangige Vertreter aus Politik, Wirtschaft und Wissenschaft. „Die Region steht hinter der Bewerbung“, erklärt der Sprecher der Stadt Würzburg, Christian Weiß. Die Stadt werde in den nächsten Wochen versuchen, weitere Führungspersonen ins Boot zu holen und gleichzeitig die Bürger fürs Museum zu begeistern.

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