ELSENFELD

Nach Anschlag auf neue Moschee: Kulturverein ist umstritten

Nach dem Anschlag auf das türkisch-deutsche Begegnungszentrum in der Nacht zum Samstag herrscht Bestürzung in Elsenfeld (Lkr. Miltenberg). Mit Vorgeschichte zum Fall.
Der beschmierte Neubau in Elsenfeld. FOTO YAVUZ GÜZEL/TDKV e.V.
Der beschmierte Neubau in Elsenfeld. FOTO YAVUZ GÜZEL/TDKV e.V.

Bürgermeister Matthias Luxem (Freie Wähler) verurteilte die Tat, die durch nichts zu rechtfertigen sei. „Jetzt muss das Gespräch zusätzlich gesucht werden.“ Bisher habe es solche Anfeindungen gegen Muslime in der Gemeinde noch nicht gegeben. Dies sei keine einfache Sachbeschädigung, sondern eine ganz bewusste Beleidigung.

Hier finden Sie die Vorgeschichte zum Fall

Unterdessen suchte die Polizei weiter nach denjenigen, die in der Nacht zum Samstag das noch im Rohbau befindliche Haus mit Tieraugen und vermutlich mit Tierblut geschändet haben. Unklar ist weiter, woher die Tieraugen stammen. Polizisten hätten am Montag ihre Befragung von Zeugen und Anwohnern fortgesetzt, teilte die Polizei in Würzburg mit.

Der Türkisch-Deutsche Kulturverein ist seit 1984 in Elsenfeld, hat etwa 100 Mitglieder und gehört zur Islamischen Gemeinschaft Milli Görüs (IGMG). Diese Vereinigung wird vom Verfassungsschutz beobachtet. „Die IGMG versucht, sich als integrationswillige und auf dem Boden der freiheitlichen demokratischen Grundordnung stehende Organisation zu präsentieren“, heißt es im Verfassungsschutzbericht 2008.

Allerdings scheinen deren Bestrebungen auch geeignet, „die Entstehung und Ausbreitung islamistischer Milieus in Deutschland zu fördern“. Die Gemeinschaft gilt mit etwa 27 500 Mitgliedern als größte radikal-islamische Organisation in Deutschland, bundesweit über 323 Moschee- und Kulturvereine. Im Frühjahr 2010 soll das neue Vereinszentrum in Elsenfeld eröffnet werden. Bisher ist die Organisation im Keller eines Nebengebäudes untergebracht. Auf drei Etagen will der Verein künftig muslimischen und christlichen Kindern Nachhilfeunterricht erteilen. Auch Freizeiträume für Jugendliche sowie ein Gebetsraum seien geplant. „Im klassischen Sinne ist es keine Moschee“, erklärte Vereinsvorstand Yavuz Güzel mit Blick auf bekannte Moschee-Merkmale wie Kuppel und Minarett.

Das neue Kulturzentrum ist in der Gemeinde umstritten. Zunächst hatte sich eine Bürgerinitiative gegen den Bau gegründet. Vor fünf Jahren sei dann in der 9200-Einwohner-Gemeinde ein Dialogkreis gegründet worden, um über Integrationsfragen zu sprechen und Vorbehalte auszuräumen. Daraufhin habe der Gemeinderat im vergangenen Jahr dem Neubau zugestimmt. Nach Worten von Bürgermeister Luxem sind 70 Prozent der Migranten in Elsenfeld Türken, die knapp 20 Prozent der Gesamtbevölkerung ausmachten.

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