EPPINGEN/SCHWEINFURT

Nach Eklat bei Konzert: "Kümmert hat sich provozieren lassen"

Der Musiker Andreas Kümmert sorgt nicht nur wegen seines Rückziehers beim ESC-Vorentscheid für Schlagzeilen. Laut Bericht der "Bild"-Zeitung soll Kümmert auf einem Konzert junge Frauen beschimpft haben. Eine Schweinfurterin schildert den Vorfall allerdings ganz anders.

„So ein Benehmen ist unterste Schublade!“. Das schreibt zumindest die „Bild“-Zeitung über den Musiker Andreas Kümmert, der bei einem Konzert mehrere Frauen unflätig beleidigt haben soll.

Eine Schweinfurterin, die bei dem Konzert am vergangenen Samstagabend in Eppingen (Lkr. Heilbronn) als Zuhörerin im Publikum dabei war, stellt den Vorfall allerdings ganz anders dar: „Es war definitiv keine einseitige Pöbelei. Er ist provoziert worden und hat sich provozieren lassen. Leider.“

Sabine S. musste erst einmal überlegen, ob sie ihren Namen in der Zeitung lesen möchte. So aggressiv habe sich die Gruppe aus etwa acht Frauen und Männern in der Kneipe gegeben. „Sie werden aber wohl nicht nach Schweinfurt kommen und mein Auto zerkratzen“, hofft sie. Persönlich kenne sie den Musiker nicht, sagt sie, aber den „Bild“-Bericht finde sie nicht in Ordnung.

Der Redaktion erzählt die 37-Jährige, wie sie den Auftritt des Musikers aus Gemünden (Lkr. Main-Spessart) im „Andy's“ in Eppingen erlebt hat. „Das war eine kleine Kneipe, wo in der Ecke zwei Musiker auf einer Erhöhung standen und gespielt haben“, schildert sie die Szenerie.

Knappe vier auf zwei Meter maß die „Bühne“, sie selbst stand am linken Rand, während die Gruppe mit etwa acht Personen nur zwei Meter entfernt vor dem Musiker stand. „Sie haben sich relativ lautstark unterhalten“, erzählt Sabine.

Dies habe den Musiker schnell gestört. „Er hat aber ganz geschickt reagiert, indem er etwas weg vom Mikro ist und so leiser wurde. Dies hat auf die Truppe jedoch keinen Eindruck gemacht“, sagt Sabine S., die selbst Laienmusikerin ist.

Schließlich habe Kümmert aufgehört zu spielen und durch das Mikro gefragt, warum sie eigentlich hier seien, wenn sie nicht zuhören? Ihm mache dies so jedenfalls keinen Spaß und er fühle sich gestört. „Es war deutlich in der Wortwahl, aber nicht unverschämt“, findet Sabine und fügt hinzu, dass Kümmert für dieses Statement den Beifall der anderen rund 60 Zuhörer erntete.

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Die Gruppe habe ihm direkt Paroli geboten, erinnert sich die 37-Jährige, Beschimpfungen habe es auf beiden Seiten gegeben. Dass die Auseinandersetzung so eskaliert sei, darüber wundert sich Sabine noch Tage später. Die Gruppe habe die Kneipe dann unter dem Beifall der anderen Gäste verlassen. „Endlich war Ruhe und wir konnten das genießen, wofür wir eigentlich da waren“, sagt die Schweinfurterin.

Die vier Frauen aus der Gruppe, mit denen Kümmert in Streit geraten war, sind vier Schwestern zwischen 25 und 36 Jahren, bestätigt der Sprecher des Polizeipräsidiums Heilbronn, Rainer Köller. Er schildert die Situation so, dass Kümmert nach dem dritten Lied zu singen aufgehört habe, weil diese „geschwätzt“ hätten. Daraufhin habe er die Frauen beleidigt. „Uns wurde das von den vier Frauen so geschildert“, sagt der Beamte. Alle vier haben Anzeige wegen „Beleidigung auf sexueller Grundlage“ gestellt.

Auf seinem privaten Facebookprofil unter dem Pseudonym „Delbert Grady Morphine“ schildert Andreas Kümmert den Vorfall ähnlich wie Sabine: „Ich habe mich gewehrt“ und „Ich bin nicht derjenige, der das Feuer eröffnet hat!“ Seine Fans halten jedenfalls zu ihm. Keine 20 Stunden nach diesem Eintrag hat er schon zahlreiche „Gefällt mir“-Angaben und Kommentare, in denen ihm bestätigt wird, dass er so bleiben solle wie er ist.


Anmerkung der Redaktion: Der vollständige Name von Sabine S. ist der Redaktion bekannt, er wurde aber auf ihren Wunsch hin abgekürzt.

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