WÜRZBURG

Neue Behandlungsstrategien: Krebsforschung auf Weltniveau

Dr. Michael Hudecek (Würzburg) berichtet von einer neuartigen Behandlungsstrategie gegen Krebs mit sogenannten Designer T-Zellen.

„Patienten in den USA stehen bereits Schlange“, erzählt Dr. Michael Hudecek. Dem Forscher am Universitätsklinikum Würzburg (UKW) merkt man seine Begeisterung an. Hudecek ist einer der beiden Forscher, die das UKW aus den USA nach Deutschland zurückholen konnte. Der zweite Krebsspezialist heißt Dr. Thomas Bumm. Er entwickelt mit Dr. Gernot Stuhler eine zielgerichtete Krebstherapie mit speziellen Antikörpern.

Die Forschungen von Michael Hudecek versprechen ein dauerhaftes Nachlassen der Krankheitssymptome bei Leukämiepatienten – doch nicht nur. Sein Konzept habe auch „enormes Potenzial“ für Krebspatienten, bei denen konventionelle Therapien nicht mehr wirken und sei auch bei anderen Krebsarten eine mögliche Behandlungsmethode.

Hudeceks Konzept basiert auf T-Zellen, einer Gruppe der weißen Blutkörperchen. Da diese im Körper aber nur in geringer Zahl vorkommen, will er einen „Trick“ anwenden. Die T-Zellen werden mit künstlichen Rezeptoren ausgestattet, im Labor vermehrt und über eine Infusion wieder in den Körper des Patienten gebracht. Diese Designer T-Zellen erkennen bösartige Tumorzellen und beseitigen sie.

Die zielgerichtete Krebstherapie von Thomas Bumm sieht vor, dass das Immunsystem der Patienten individuell aktiviert wird, um bösartige Tumorzellen zu beseitigen ohne dabei gesundes Gewebe zu beschädigen. Unangenehme Nebenwirkungen wie bei einer Chemotherapie blieben deshalb aus, so Bumm.

Momentan komme diese Methode bei einer bestimmten Leukämieform zum Einsatz, der chronischen myeloischen Leukämie (CML). Thomas Bumms Lehrer in den USA war der renommierte Krebsforscher Brian Druker. Er hat ein Medikament entwickelt, das nicht die Symptome, sondern die Ursachen behebt. Sein Schüler Bumm möchte diese Therapie in Würzburg weiterentwickeln. Sein Ziel sind „Tri-spezifische Antikörper“, die nur Krebszellen erkennen und zielgerichtet abtöten. Dann könne diese Methode auf jede Art von Tumor übertragen werden, sagt Professor Christoph Reiners, Ärztlicher Direktor des UKW.

Erfolgsversprechende Therapien, die in den USA bereits angewendet werden, sind in Deutschland meist noch Zukunftsmusik. Was die Wissenschaftler jedoch bei dem Pressegespräch am UKW vorstellen, klingt anders. „Patienten in Würzburg können in absehbarer Zeit als weltweit erste von den neuen Behandlungsmethoden profitieren“, informiert Reiners über die Forschungen der beiden Ärzte, die an US-amerikanischen Top-Universitäten in Portland und Seattle auf dem Gebiet der Krebstherapie ausgebildet wurden.

Reiners und Professor Hermann Einsele, Direktor der Medizinischen Klinik II für Hämatologie und Onkologie, freuen sich über diesen „Brain-Gain“. Die wörtliche Übersetzung aus dem Englischen lautet „Gehirn-Gewinn“, gemeint ist hier der Zuwachs an Wissen durch die Rückholung von Topwissenschaftlern in ihre Heimat, so Einsele. Der Würzburger Krebs- und Stammzellforscher wird laut UKW auch weiterhin weltweit unterwegs sein, um die besten neuen Ideen und Wissenschaftler nach Würzburg zu holen.

Um diese „Forschung auf Weltklasseniveau“ beziehungsweise „Krebstherapie der nächsten Generation – Made in Würzburg“, so das UKW, voranzubringen, braucht es finanzielle Unterstützung. Thomas Bumm betont, dass seine Technologie nur in Würzburg angewendet wird. „Diesen Vorsprung wollen wir halten.“ Deshalb benötigen er und auch Michael Hudecek weitere Gerätschaften: um Antikörper selbst herstellen und weiße Blutkörperchen aus dem Körper des Patienten herauslösen zu können. Kosten: rund 90 000 Euro.

Spendenaufruf für die Krebsforschung

Medizinische Forschung hat ihren Preis. „Die Region muss Flagge zeigen“ lautet der Appell von Gabriele Nelkenstock, Vorsitzende des Vereins „Hilfe im Kampf gegen Krebs“. Ziel sei das Uniklinikum Würzburg zu fördern, damit dort weiter auf höchstem Niveau geforscht werden könne.

Gabriele Nelkenstock regt zum Beispiel an, die Praxisgebühr, die ab Januar entfällt, zu spenden. Mit dem Geld sollen die beiden Forscher neuartiger Krebstherapien, Thomas Bumm und Michael Hudecek, bei der Beschaffung von Laborgeräten unterstützt werden, mit denen sie laut Uniklinik „ihre neuen Wunderwaffen gegen Krebs weiterentwickeln und für den klinischen Einsatz vorbereiten können“.

Als Schirmherrin des Projekts mit dem Motto „Kampf gegen den Krebs – Forschen statt Resignieren“ konnte die Uniklinik Landtagspräsidentin Barbara Stamm gewinnen. Sie ist 2008 selbst an Brustkrebs erkrankt. Krebs könne jeden treffen, sagt Stamm, und jeder Betroffene sei dann froh, wenn die Forschung weiter vorangekommen ist. Wer für dieses Forschungsprojekt spenden möchte, kann dies bei der Castellbank Würzburg tun: BLZ 790 300 01, Kontonummer 9245.

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