WÜRZBURG

Neues von der Rosetta-Mission

Als der erste Mensch auf dem Mond landete, war Paolo Ferri neun Jahre alt – und dieses Ereignis hat sein Leben verändert. Heute ist der italienische Physiker Leiter des Flugbetriebs für alle unbemannten Missionen bei der Europäischen Weltraumorganisation ESA verantwortlich. Dort ist er unter anderem für die Rosetta-Mission, bei der zum ersten Mal ein Rendezvous mit einem Kometen durchgeführt und eine Sonde auf die Oberfläche gebracht wurde.

 

Paolo Ferri beim Vortrag über die Rosetta-Mission im Turing-Hörsaal der Uni Würzburg Foto: Ralf Thees

 Vor kurzem hielt Paolo Ferri auf Einladung des Informatik-Professors Klaus Schilling an der Universität Würzburg einen Vortrag über die Rosetta-Mission. Dabei verglich er ein Bild des Abdrucks des Philae-Landemoduls mit dem Fußabdruck Neil Armstrongs bei der ersten Landung eines Menschen auf dem Mond. Das Bild bewege ihn sehr und er ist sehr stolz darauf, sagte Ferri und er hoffe, dass die Landung auf dem Kometen Tschurjumow-Gerassimenko eine Generation ähnlich inspirieren wird wie die Mondlandung damals ihn.
Diese Begeisterung war in seinem ganzen Vortrag zu spüren. Für seine Scherze brauchten die zahlreichen Zuhörer zwar teilweise den wissenschaftlichen Hintergrund und Kenntnisse der englischen Sprache, aber unterhaltsam war der Vortrag für das vor allem studentische Publikum allemal.
 

Nach der erfolgreichen Landung, die auch ein großes Medienecho fand,  ist es ruhiger um die Kometenmission geworden. Doch beendet ist sie noch nicht, die Mission, die Paolo Ferri viele Jahre seines Lebens begleitet hat, wird auch 2015 weitergehen.

Der Komet Tschurjumow-Gerassimenko nähert sich immer mehr der Sonne. Noch umkreist Rosetta den Kometen in einer Höhe von etwa 30 Kilometern, doch Anfang Februar wird die Sonde den Orbit verlassen und in Pendelbahnen in eine höhere Umlaufbahn gehen. Im Grunde ist alles schon vorberechnet, doch welche Flugvariante es genau werden wird, ist noch ungewiss. „Die Wissenschaftler streiten: Rosetta soll näher an den Kometen ran, Rosetta soll weiter vom Kometen weg. Doch wir werden eine Lösung finden, die alle zufrieden stellt“, sagt Paolo Ferri im Interview und schmunzelt dabei. Im Europäischen Raumfahrtzentrum ESOC in Darmstadt sei der Alltag eingekehrt, alles ist auf Wochen und Monate vorgeplant. Die Aufregung ist mehr auf Seiten der Wissenschaftlicher, die um Beobachtungszeit kämpfen und Wünsche für Flugbahnen äußern.

Alte Bekannte: Informatik-Professor Klaus Schilling von der Uni Würzburg und Paolo Ferri von der ESA. Foto: Ralf Thees

„So groß wie eine Waschmaschine, nur teurer“, so beschreibt Ferri das Landemodul Philae. Nach außen hin sieht es wie der Unglücksrabe der Kometen-Mission aus: Es ist bei der Landung mindestens zweimal wieder von der Kometenoberfläche weggesprungen –  sowohl die Harpunen als auch ein kleines Triebwerk konnten die Sonde nicht auf dem Boden halten – und die Solarmodule liefern keinen Strom. Man weiß nicht mal genau, wo Philae letztlich auf dem Kometen gelandet ist.

Doch die ESA ist recht zufrieden mit der kleinen Landeeinheit. Sie konnte mit der internen Batterie 60 Stunden lang arbeiten und einen Großteil der geplanten Experimente und Messungen durchführen. Danach ist Philae mangels Energie schlafen gegangen – und schläft immer noch.
Denn die Elektronik, die für die die Aufladung der Batterie durch die Solarmodule verantwortlich ist, schaltet sich unter Null Grad ab. Und noch ist es auf Tschurjumow-Gerassimenko zu kalt.  Paolo Ferri ist vorsichtig optimistisch, dass zwischen Mai und Juni die Temperatur auf dem Kometen durch die Annäherung an die Sonne stark genug ansteigen wird, dass die Batterie durch die Solarmodule wieder geladen und Philae wieder arbeiten kann.

Was passiert mit Rosetta nach dem Ende der Mission? Eine Möglichkeit ist, dass man sie einfach abschaltet und sie langsam auf den Kometen fällt. „Das spart Geld, wäre aber schade“, sagt Ferri. Die zweite Möglichkeit wäre, die Sonde aktiv und kontrolliert auf die Oberfläche abstürzen zu lassen. Oder Rosetta kreist in immer engeren Spiralbahnen um den Kometen, bis man die Kontrolle verliert. „Das ist dann wirklich Kamikaze, wir überleben so lange wie möglich, die Wissenschaftler sind  zufrieden und am Ende sterben wir“, so Paolo Ferri. „Wir“ ist in diesem Fall die Rosetta-Sonde, man spürt Ferris Verbundenheit mit der Mission. Als letzte Möglichkeit kann die ESA die Sonde Ende des Jahres für etwa drei Jahre in Tiefschlaf versetzen und 2020 den Kometen Tschurjumow-Gerassimenko erneut anfliegen – eine neue Mission. Ferri betrachtet diese Variante aber als unwahrscheinlich, „das kostet viel Geld und die Wahscheinlichkeit ist hoch, dass man am Ende nichts davon hat“. Welche Möglichkeit ihm am liebsten ist? Vor einer Woche war er für den Spiralflug, aber jetzt habe er erfahren, dass die Sonde viel mehr Treibstoff übrig habe als geplant. „Und da dachte ich, eine neue Mission zu starten wäre auch schön“, sagt Ferri und lacht – man sieht ihm bei den Worten die Freude an diesen Gedanken an.
 


Die Raumsonde Rosetta hat bei ihrer Mission zum Kometen Tschurjumow-Gerassimenko eine weite Strecke zurückgelegt. Wir zeigen in der Redaktion die Distanzen im Verhältnis.

Video

Abstand Erde - Komet Tschurjumow-Gerassimenko (Rosetta-Mission)

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