WÜRZBURG

Ökolandbau wächst in Unterfranken

Während sich in manchen deutschen Regionen Biobauern aufgrund der vielen Vorschriften und Kontrollen vom Acker machen, wächst in Franken der Ökolandbau – vor allem in Unterfranken.

Die Nachfrage nach Bioprodukten steigt und der Umsatz im Lebensmitteleinzelhandel wächst seit Jahren kräftig – nicht zuletzt getrieben vom immer größeren Bioangebot der Discounter. Der Anteil aus deutscher Erzeugung wächst aber nicht genauso schnell mit. Deshalb liegen in den Supermärkten auch Bio-Frühkartoffeln aus Israel oder Bio-Tomaten aus Spanien. Während sich in manchen deutschen Regionen allerdings Biobauern aufgrund der vielen Vorschriften und Kontrollen vom Acker machen, wächst in Franken der Ökolandbau, vor allem in Unterfranken.

In Baden-Württemberg kommen auf zwei Landwirte, die auf Bio umstellen, einer, der wieder zur konventionellen Produktion zurückkehrt, berichtete die „Stuttgarter Zeitung“. „Ökologische Landwirtschaft ist eine langfristige Angelegenheit“, erklärt Bernhard Schwab, Leiter des Fachzentrums Ökologischer Landbau am Amt für Ernährung und Landwirtschaft in Bamberg. „Es gibt mehr Kontrollen und es sind mehr Dokumentationen erforderlich als in der konventionellen Landwirtschaft. Manchen Bauern ist das zu viel und sie verlassen die Szene“, sagt er.

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Gerade Ökotierhalter sind bei der Bevölkerung immer wieder in der Schusslinie: Dass sie ihre Hühner und Schweine im Freiland halten, sehen Anwohner nicht gern. Aber: „Im Ökolandbau braucht jedes Tier Zugang zur Natur, das schreibt die Ökoverordnung vor“, sagt Schwab.

Bei einer repräsentativen Umfrage des Statistik-Portals Statista gaben im Frühjahr 2014 rund 42 Prozent der Befragten an, gezielt Bioprodukte zu kaufen. Mit 6600 Biohöfen und rund 212 000 Hektar ökologisch bewirtschafteter Fläche ist Bayern bereits Deutschland größter Öko-Produzent. Um die steigende Nachfrage nach Öko-Lebensmitteln stärker aus bayerischem Anbau bedienen zu können, hat der bayerische Landwirtschaftsminister Helmut Brunner vor einem Jahr das Landesprogramm „BioRegio Bayern 2020“ aufgelegt. Es soll Anreize zur Umstellung auf Biolandwirtschaft geben.

2007 gab es in Unterfranken 323 Biobetriebe, im Jahr 2014 waren es 510. „Das ist eine deutliche Steigerung“, freut sich Schwab. Die meisten Ökobetriebe gibt es in den Landkreisen Rhön-Grabfeld, Bad Kissingen und Würzburg. Josef Kolb vom Rhönschaf Naturlandhof in Ginolfs (Lkr. Rhön-Grabfeld) wirtschaftet seit 1999 nach ökologischen Kriterien. „Die Nachfrage nach Bio-Rhönlamm ist groß. Tendenz steigend“, freut sich Kolb. Mit 40 Rhönschafen und einem Zuchtbock hat Kolb 1995 angefangen, heute ist der Betrieb auf 400 Rhönschafe angewachsen.

Die Regierung von Unterfranken habe mit ihrer „Aktion Grundwasserschutz“ viel zur Steigerung des Ökolandbaus beigetragen „Ökolandbau ist gut fürs Grundwasser, denn hier sind synthetische Pflanzenschutzmittel und mineralische Stickstoffdünger verboten“, erläutert Schwab. Ökologische Betriebe entwickelten sich besonders gut, wenn sie im Umfeld von erfolgreichen Biobetrieben entstehen. Was Schwab ärgert, ist, dass die Einkäufer des Lebensmittelhandels und die Kunden zu wenig Gespür für Regionalität haben. „Sie wollen Bio-Tomaten und Bio-Erdbeeren das ganze Jahr. Aber das können die Bauern aus der Region nicht leisten“, so Schwab.

„Über die Wachstumschancen von Bio entscheidet der Verbraucher“, weiß Wilhelm Böhmer, Direktor des unterfränkischen Bauernverbands. Er denkt, dass die Bedeutung der regionalen Produktion zunehmen wird. „Es ist vernünftig, Betriebe aus der Region zu unterstützen“, sagt Böhmer. Er hält nichts von der Konkurrenz von regionalen und Bioprodukten. Die Kunden wollen am liebsten beides, deutsche, regionale Bioware, hat der Bund Ökologische Lebensmittelwirtschaft ermittelt. Ganz oben auf der regional geprägten Einkaufsliste stehen Umfragen zufolge Eier, Gemüse und Obst, aber auch Fleisch und Milchprodukte.

Ökolandbau

Im Jahr 2014 wirtschafteten in Unterfranken 510 landwirtschaftliche Betriebe nach den Kriterien des ökologischen Landbaus. Das sind 190 Betriebe mehr als im Jahr 2006. Im Vergleich zu anderen fränkischen Regierungsbezirken ist davon auszugehen, dass ein Teil der Zunahme der „Initiative Grundwasserschutz durch Ökolandbau“ als Teil der „Aktion Grundwasserschutz“ der Regierung von Unterfranken zuzurechnen ist. Seit Beginn der 1990er Jahre ist die Zahl der ökologisch wirtschaftenden Betriebe in ganz Bayern um ein Vielfaches gewachsen. Heute wirtschaften 6,6 Prozent aller Höfe in Bayern nach den Richtlinien des ökologischen Landbaus. Bis 5. Oktober finden die bayerischen Ökoerlebnistage statt. Dabei wird in Ökobetrieben Hintergrundwissen über die Bio-Branche bei Podiumsdiskussionen, Vorträgen oder Betriebsführungen vermittelt.

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