Oase mit viel Historie

Park zwischen Festungsmauern: Nie war die Architektur der Festungsmauern in den letzten Jahrzehnten so sichtbar. Historisch waren sie wegen der Sicht frei von Gehölzen. Als die Sicherheit keine Rolle mehr spielte, wuchsen sie ein. Jetzt wurde ein Kompromiss für einen einmaligen Park gefunden. Foto: Thomas Obermeier

Parks und repräsentative Gärten in Würzburg? Da fallen selbst dem kundigsten „Ureinwohner“ der Stadt zuerst einmal nur der Ringpark und der Hofgarten mit der fürstbischöflichen Residenz ein. Vergessen werden dabei auch gerne die wunderschönen Main-Promenaden mit Parkcharakter sowohl in der Zellerau, besonders aber in der Sanderau in Richtung Randersacker. Dabei hat die Stadt direkt am Rande ihres Stadtkerns, den man auch Bischofshut nennt, eine wundervolle durchgängige Grünanlage von rund elf Hektar Fläche, die an Vielfältigkeit absolut nicht zu überbieten ist. Es ist das Gelände der Landesgartenschau von 1990.

Am besten startet man am innenstadtnahen Talavera-Parkplatz, wo man nahezu immer seinen Pkw abstellen kann, wenn die Stadt nicht gerade ihr großes Kiliani-Volksfest feiert oder ein Großzirkus Station macht. Denn etwas Zeit sollte jeder mitbringen, der sich auf diesen wunderschönen Ausflug macht. Von kurzen Abstechern bis hin zu mehrstündigen Rundwanderungen oder gar einer kompletten Tagestour ist da wirklich alles drin, wenn man auch noch die Festung mit ihren herrlichen Ausblicken auf alle Teile der Stadt mit einbezieht.

Das Abenteuer beginnt dort, wo auch im Jahr 1990 der Haupteingang der Landesgartenschau gewesen ist. Es ist die große, begrünte Metallpyramide, die spontan in den Luitpoldgraben führt, einen der gärtnerisch schönsten Teile des Parkgeländes. In der Sichtachse zu einer kleineren Pyramide liegt ein Wasserlauf zum Luitpoldweiher. Hier wird beidseitig der Botaniker ebenso fündig wie der Ästhet. Man findet ein in inzwischen über zwanzig Jahren „Nachgartenschau“ erprobtes Staudenkonzept, mit Pflanzen, die extreme Trockenheit ertragen und voll der Sonne ausgesetzt sind. Andere, die die Nähe von Wasser bevorzugen oder mitten drin stehen oder auch den Halbschatten oder den totalen Schatten bevorzugen.

Gartenamtschef Dieter Müller, der den Bereich seit der Planung kennt und mit seinen Mitarbeitern seither für die Pflege verantwortlich ist, spricht begeistert davon, dass sich ein solches Konzept über mehr als 20 Jahre gärtnerisch so stabil gehalten hat.

Bevor der Weg dann weiter in Richtung Festung geht, muss man noch den versteckten, aber ausgeschilderten Sieboldgarten gesehen haben. Das Kleinod, das an den berühmten Würzburger Naturforscher Phillip Franz von Siebold (1796 bis 1866) erinnern soll, ist an Charme kaum zu überbieten. Wie eigentlich alle die besonderen Facetten des Gartenschaugeländes, wo in mehr als 20 Jahren die Natur inzwischen alle Fantasien der Planer umgesetzt hat. Inzwischen ist der alte Baumbestand mit den damaligen Neupflanzungen in allen Bereichen zu einer harmonischen Einheit zusammengewachsen.

Schon im Auslauf des Luitpoldgartens, wo das Öko-Haus, Domizil der Kreisgruppe Würzburg im Bund Naturschutz (BN), in üppiger Natur „versteckt“ ist, wird ganz deutlich sichtbar, mit wie viel Sensibilität für den vorgegebenen natürlichen Bestand damals die Planung und Umsetzung der Landesgartenschau 1990 betrieben worden ist.

Die Wallgräben der gigantischen Wehranlage um die Festung waren damals größtenteils mit für die Öffentlichkeit unzugänglichen Kleingärten belegt, die sich mit unzähligen Einbauten bis zur Festung hochzogen. Es waren mutige Schritte damals, das alles zu entfernen, was sich in der Nachkriegszeit buchstäblich über Jahrzehnte eingenistet hatte. Mutig war auch, im Zuge der Sanierung der Festungsmauern in den letzten Jahrzehnten das Efeu direkt von den Mauern zu entfernen und das mauernahe Grün auf Distanz zu halten, so dass der Park heute weitgehend auch von den Mauerstrukturen lebt. Dem war ein langer Expertenstreit vorausgegangenen.

An der Zeller Straße, wo das historische Stadttor im Zuge der Gartenschau buchstäblich wieder ausgegraben und zu seiner früheren Geltung kommt, ist mit dem Kneipp-Garten und einer Büste des berühmten Apothekers Luitpold Leusser einer weiteren Würzburger Berühmtheit ein Denkmal gesetzt. Dann folgt auf dem Weg zur Festung der wohl beliebteste und auch wirklich schönste Abenteuerspielplatz der Stadt mit viel Stein, Sand und vor allem Wasser. Für Familien mit Kleinkindern gerne Ziel eines Tagesausflugs. Diesen Spielplatz pflegt die Stadt liebevoll und hat ihn in den letzten Jahren ständig verbessert.

Ab da geht es steiler in den Festungshang hinein. Hier hat die Stadt vor einem Vierteljahrhundert für die Gartenschau mit den Partnerschaftsgärten wirklich Einmaliges geschaffen. Der japanische Garten, mitgestaltet von Künstlern der Partnerstadt Otsu, wo die landschaftlichen Grundelemente des dortigen Biwa-Sees aufgenommen sind. Dundee in Schottland hat ebenso wie das amerikanische Rochester oder Caen in der Normandie mit dem normannischen Haus dauerhafte Spuren hinterlassen.

Aber es galt auch alte Strukturen zu übernehmen wie den Rosengarten am Festungsberg, direkt neben dem japanischen Garten. Hier sind 115 verschiedenen Rosensorten zu bewundern. Dass es sich hierbei um viele Raritäten handelt, ist selbstverständlich, um Neuheiten, natürlich auch um Kletterrosen, die sich um den Pavillon ranken, der für die Würzburger Sänger eine alte Tradition hat. Ein Traum für den Rosenfreund, weil die Stadt über die Jahre bemüht war, einerseits den Bestand zu halten oder noch attraktiver zu gestalten. Nicht immer leicht, sagt Gartenamtsleiter Dieter Müller. Denn nach 20 Jahren werden Rosen müde und geizen mit der Blüte. Dann heißt es rechtzeitig nachpflanzen, damit es ein dauerhaft blühendes Erlebnis gibt. Dafür hat die Stadt durch kontinuierliche Pflege gesorgt.

Landesgartenschaupark

Die im Jahre 1990 errichtete Muster-Kleingartenanlage wird heute von vielen Würzburger Bürgern genutzt und geschätzt und ist öffentlich zugänglich. Weil das Gartenschaugelände ständig in Gefahr ist, für nächtliche private Feiern missbraucht zu werden und leider Vandalismus auch über die vorhandenen Zäune hinweg stattfindet, gibt es ein Sicherheitssystem mit Überwachung. Öffnungszeiten: April bis Oktober werktags von 7 bis 21 Uhr; Samstag, Sonntag und an Feiertagen von 8 bis 21 Uhr. November bis März werktags von 7 bis 17 Uhr; Samstag und Sonntag von 8 bis 17 Uhr. Zugang aufs Gelände von der Pyramide am Talavera-Parkplatz, aber auch auf dem Weg zur Festung von der Innenstadt direkt über die Alte Mainbrücke, Tellsteige und Neutorgraben.

ONLINE-TIPP

Alle bisher erschienenen Artikel und weitere Bilder zur Gartenserie finden Sie unter www.mainpost.de/gartenserie

Wasserspielplatz: Eine der beliebtesten Spielanlagen für Kinder.
Im Luitpoldgraben: Spielarten der Natur
Viel Kunst: Auch von Reinhard Dachlauer.

Rückblick

  1. Ein Garten für Blinde
  2. Idealisierte Wald-Welt
  3. Malerische Landschaft
  4. Im Wald der Jahresbäume
  5. Ronkarzgarten: Aus tiefem Schlaf wachgeküsst
  6. Ein Park ohne Trubel
  7. Das grüne Herz der Kur
  8. Der Park der Domherren
  9. Wieder alles in Ordnung
  10. Ein Park zum Vergnügen
  11. Quer durch Katalonien
  12. Paradies für Pomeranzen
  13. Inspiriert durch Natur
  14. Gehobene Gartenkunst
  15. Botschaft an die Nachwelt
  16. Die Kunstsinnige
  17. Gruslige Geschichten
  18. Alles Wilde willkommen
  19. Eine Schule im Grünen
  20. Ins Reich der Mitte
  21. Der Name der Rose
  22. Gärtnern in der Stadt
  23. Der Main im Zentrum
  24. Oase mit viel Historie
  25. Viele grüne Daumen
  26. Reise durch die Welt
  27. Beim Adel im Garten
  28. Allerlei vom Apfel
  29. Den Boden füttern
  30. Wo Minze kuschelig ist
  31. Alte Bäume und viel Ruhe
  32. Ein Kraut gegen alles
  33. Kraut und Rosen
  34. Leben im Park
  35. Umkämpfte Schönheit
  36. Der Welt entrückt
  37. In Gottes Garten
  38. Gebändigte Natur
  39. Botanische Sinnbilder
  40. Die Stille als Kraftquelle

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