WÜRZBURG

Priester in Haft: eine Million Euro veruntreut?

Der Verdacht, ein pensionierter Pfarrer aus dem Landkreis Main-Spessart habe Kirchengelder in Millionenhöhe für sein Privatleben abgezweigt, hat sich offenbar erhärtet.

Kurz nach dem ersten Main-Post-Bericht über den Fall wurde am 11. Mai die Wohnung des 76-Jährigen durchsucht. Die Indizien reichten wohl aus, um ihn in Untersuchungshaft zu nehmen.

Würzburgs Leitender Oberstaatsanwalt Dietrich Geuder bestätigte am Montag in einer Pressemitteilung: „Es besteht der Verdacht, dass der Beschuldigte Kirchen- und Spendengelder, auf die er als Pfarrer Zugriff hatte, in Höhe von rund einer Million Euro unberechtigt einbehalten oder für sich verwendet hat.“

Nach Informationen unserer Redaktion hatte das Finanzamt die Recherchen gegen den 76-jährigen Priester ins Rollen gebracht. Dort war man offenbar auf ungewöhnlich hohe Summen aufmerksam geworden, die der Priester auf einem seiner privaten Konten deponiert hatte. Nun keimte der Verdacht, dass dieses Geld der katholischen Kirche gehört und der Geistliche es veruntreut haben könnte. Er war angeblich zu Jahresbeginn in den Ruhestand gegangen.

Die Staatsanwaltschaft zeigte sich auf Nachfrage – wie in allen Fällen, in denen das Steuergeheimnis berührt sein könnte – sehr zurückhaltend. Immerhin bestätigte sie vor zehn Tagen, dass ein Ermittlungsverfahren im Gange war. Das bischöfliche Ordinariat betonte, es sei für Auskünfte zu staatsanwaltschaftlichen Ermittlungen nicht zuständig.

Der Priester selbst sagte in einem Telefonat mit der Main-Post: Er wisse nicht, dass er unter Verdacht stehe. „Ich kenne keine Vorwürfe gegen mich.“ Mit Polizei und Staatsanwaltschaft habe er noch nie etwas zu tun gehabt.

Allerdings hatte er nach eigenen Worten Kontakt mit dem Finanzamt. In dem Gespräch räumte der 76-Jährige ein, dass er noch vor seiner Pensionierung eine „große Nachzahlung“ geleistet habe. Dabei habe es sich um „Einkommenssteuern“ gehandelt. „Mit dem Finanzamt ist alles klar“, sagte er auf unsere Nachfrage. Zur Höhe der Steuernachzahlung wollte der Pfarrer keine Auskunft geben: „Das geht die Zeitung nichts an.“

Das Ordinariat habe er über die Nachzahlung nicht informiert, erklärte der Pfarrer. „Die haben damit nichts zu tun.“ Was sich auf seinem Konto befunden habe, sei ausschließlich sein „eigenes Geld“ gewesen. Auch für die Herkunft der hohen Summe hatte der Priester eine Erklärung: „Das habe ich mir alles zusammengespart.“

Der 76-Jährige hatte Bischof Friedhelm Hofmann im vergangenen Jahr um seine Versetzung in den Ruhestand gebeten. Der Bischof hatte diesem Wunsch entsprochen.

Inzwischen hat sich der Verdacht der Veruntreuung von Kirchen- und Spendengeldern offenbar erhärtet. Bei der Anhörung vor dem Untersuchungsrichter hat der Beschuldigte laut dem Chef der Staatsanwaltschaft „die Vorwürfe dem Grunde nach eingeräumt“. Laut Leitendem Oberstaatsanwalt Geuder dauern die Ermittlungen gegen den Pfarrer an.

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