SANDBERG

Rathauschef zerbrach offenbar am Wasserstreit

Bürgermeister Bruno Regnat aus Sandberg (Lkr. Rhön-Grabfeld) wusste offenbar keinen Ausweg mehr. Er wählte den Freitod.
Die Betroffenheit war groß, als gestern in Sandberg die Nachricht die Runde machte, Bürgermeister Bruno Regnat habe am Abend zuvor Selbstmord begangen.

Nach Angaben von Oberregierungsrat Wolfgang Warmuth vom Landratsamt Rhön-Grabfeld hatte sich der stellvertretende Bürgermeister schon am Dienstagmorgen gewundert, dass Regnat nicht wie gewohnt im Rathaus erschienen war. Am Abend, gegen 19 Uhr, begann eine private Suchaktion nach dem ehrenamtlichen Gemeindeoberhaupt.

Um 22 Uhr war es dann schreckliche Gewissheit. Der 59-jährige Regnat war mit seiner Frau im Auto auf den nahen Feuerberg gefahren und hatte an einem Waldrand offenbar Auspuffgase in das Wageninnere geleitet. Bei Regnat kamen alle Wiederbelebungsversuche zu spät, doch es gelang, seine Frau ins Leben zurückzuholen. Sie befand sich gestern noch in kritischem Zustand.

Während die Polizei keine näheren Angaben über den Hintergrund der Tragödie machen wollte, werden aber immer mehr Stimmen laut, der Freitod Regnats stehe im Zusammenhang mit einer kommunalpolitischen Auseinandersetzung.

Seit Jahren tobt in Sandberg und seinen Ortsteilen ein heftiger Streit um die künftige Wasserversorgung. Während der Bürgermeister und der Gemeinderat Tiefenbrunnen bauten, stoppte eine Bürgerinitiative dieses Konzept per Bürgerentscheid. Eine große Mehrheit der Sandberger sprach sich darin 1999 für den Ausbau von Oberflächenquellen aus.

In dieser Kontroverse ging es nicht immer sachlich zu. Mehr und mehr sah sich Regnat Angriffen ausgesetzt, die unter die Gürtellinie gingen. Es kam sogar zu Beleidigungen und tätlichen Auseinandersetzungen in Bürgerversammlungen. Im Dorf war er weitgehend isoliert. Erst vor eineinhalb Wochen waren in der Gemeinde Plakate aufgetaucht, auf denen Regnat heftig attackiert wurde. Wie Warmuth vermutet, machte dem Bürgermeister besonders zu schaffen, dass er stets als einziger Vertreter des Gemeinderats angegangen wurde.

Diese Situation setzte Regnat sehr zu. Er zerbrach offenkundig am Wasserstreit. Schließlich wollte er als eine seiner letzten großen Aktionen dafür sorgen, dass Sandberg eine zukunftssichere Wasserversorgung bekommt. Zuvor hatte er in den 16 Jahren seiner Amtszeit Sandberg und seine Ortsteile in weiten Bereichen modernisiert. 2002, so seine erklärte Absicht, hatte er in Ruhestand gehen wollen.

Sogar bei seinem Abschied vom Leben bemühte sich der ehemalige Berufssoldat um Korrektheit. Im Rathaus hinterließ er auf seinem Schreibtisch den Generalschlüssel und bei der Main-Post kündigte er "mit freundlichen Grüßen" sein Abonnement. Datiert war der Brief vom 5. Dezember, seinem Todestag.

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