WÜRZBURG

Razzia beim „Vater“ des Würzburger Hotelturms

Franz Klaffenböcks Imperium von Finanzberater-Firmen brach 2006 zusammen. Sein Würzburger Hotelturm gammelt unfertig vor sich hin. Gläubiger sind dem Pleite-Unternehmer auf den Fersen – und jetzt der Staatsanwalt: In der vergangenen Woche durchsuchten Ermittler sein Haus.
Der Würzburger Hotelturm harrt nach wie vor seiner Vollendung.
Der Würzburger Hotelturm harrt nach wie vor seiner Vollendung. Foto: FOTO Norbert Schwarzott

Zu Hunderten versuchen frühere Kunden, Geld zurückzubekommen. Inzwischen ist der Finanzjongleur, der einst dreistellige Millionenbeträge bewegte, völlig verarmt. Gläubiger wollen ihm an die Rente, in Gerichtsverfahren will er Prozesskostenhilfe, um seinen Anwalt zahlen zu können – und verlor doch zuletzt einen Prozess nach dem anderen.

Eidesstattliche Versicherung

Ende 2007 gab Franz Klaffenböck die eidesstattliche Versicherung (früher Offenbarungseid) ab, über kein nennenswertes Vermögen zu verfügen. Die Durchsuchung vom Mittwoch in seinem Privathaus in Kürnach (Lkr. Würzburg) steht in diesem Zusammenhang.

Leitender Oberstaatsanwalt Clemens Lückemann bestätigte die Razzia auf Anfrage der Redaktion. Man gehe dem Verdacht nach, Klaffenböcks Erklärung sei falsch gewesen. Er ist auf freiem Fuß. Ob die Ermittler Vermögenswerte fanden, ist offen. Er selbst beantwortete mehrere Versuche der Kontaktaufnahme nicht.

Als Klaffenböck in der „Euro-Gruppe“ noch die Fäden zog, residierte er in den Immobilien seines Imperiums gerne ganz oben – wie in der Würzburger Firmenzentrale, dem „Euro-Center“. Auch im Vorzeigeobjekt seines Imperiums, dem 17-stöckigen Hotelturm, hatte er das Penthaus für sich reserviert.

Aber sechs Jahre nach Baubeginn ist – entgegen gern kolportierten Gerüchten – weder ein neuer Käufer noch eine Nutzung für den halb fertigen Turm in Sicht, durch die blanke Fassade pfeifen Wind und Wetter. Und der einstige Anlageberater pfeift aus dem letzten Loch: 28 000 Kunden wollen etwas von den 117 Millionen Euro zurück, die seine Firmen in Projekte wie den Hotelturm investieren wollten, die aber Großteils als Provisionen in die Taschen wortgewandter Berater wanderten.

7,5 Millionen Euro verschwunden

Wo 7,5 Millionen Euro ohne stimmige Erklärung verschwunden sind, fragt sich bis heute nicht nur der Insolvenzverwalter Bruno Fraas. Dabei galt Klaffenböck in der Branche schon als gebrandmarkt, seit er in den 90er Jahren 75 Millionen Euro an Kundengeldern der Würzburger Aktiengesellschaft (WAG) „versenkt“ hatte. Dafür musste er damals dreieinhalb Jahre ins Gefängnis.

Nach der Freilassung gründete er die „Euro-Gruppe“. Dort agierte er bis zur Pleite 2005 aus dem Hintergrund, war aber nach Einschätzung von Anwälten geprellter Kunden „faktischer Geschäftsführer“, der die Fäden zog und Berater für Verkaufsgespräche schulte. Hunderte Zivilklagen richteten sich gegen ihn, obwohl er angibt, von den Millionen nichts zu haben.

Für „besonders verwerflich“ hielt kürzlich das Landgericht München I die Tatsache, dass er Anleger mit kleinen Einkommen schädigte. Laut der Entscheidung soll er einem Ehepaar die Summe von 26 000 Euro zurückzahlen (Az. 12 O 5224/07). „Meinen Mandanten wurde die Beteiligung als sichere Altersvorsorge verkauft“, sagt Rechtsanwalt Udo Ostermann, der rund ein Dutzend Verfahren gewann und nun hofft, dass seine Mandanten davon finanziell etwas haben – sofern bei Klaffenböck etwas zu holen ist.

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