WÜRZBURG

Reizgas-Attacken häufen sich

Die Polizei sucht intensiv nach dem schwarz gekleideten Unbekannten, der am Donnerstagabend die Passanten einer Ladenpassage in der Innenstadt attackiert hatte. 24 Personen wurden dabei verletzt.
Nach der Attacke: Feuerwehrleute mit Hochleistungslüftern versuchen, das Reizgas aus der Würzburger Dom-Passage zu entfernen. Foto: Schweidler

Die Polizei fragt sich: Handelt es sich nach drei ähnlichen Vorfällen binnen weniger Tage um einen Serientäter? Ist er aufgrund des Aufsehens, das er erregt hat, auf den Geschmack gekommen? Und wann tritt er erneut in Erscheinung?

Der Durchgang zwischen Augustiner- und Domstraße ist während der Einkaufszeit voller Menschen, die zwischen den Einkaufsstraßen hin und her pendeln. Gegen 19.30 Uhr begannen in dem Tunnel Passanten plötzlich, zu husten und nach Luft zu ringen. „Jemand rief: Achtung, Gas, Gas!“, erinnerte sich eine Frau, die einen Asia-Imbiss besuchte. Durch den Wind verbreitete sich das Reizgas schnell entlang der Röhre.

Menschen flohen ins Freie, andere alarmierten Polizei und Feuerwehr. Bald füllte sich die Domstraße mit Rettungsfahrzeugen, Sanitäter kümmerten sich um 24 Passanten, von denen drei das Gas so intensiv eingeatmet hatten, dass sie in einer Klinik behandelt wurden.

„Wir raten den Menschen in solchen Fällen, schnell ihre Kleidung zu wechseln, diese im Freien auszulüften oder zu waschen und sich sorgfältig zu duschen“, sagte Einsatzleiter Ernst Freier von den Maltesern am Freitag. Insgesamt dürften weit mehr als die 24 gemeldeten Passanten Opfer der Attacke geworden sein. Dieser Zeitung wird von weiteren Fällen berichtet, in denen Menschen über gesundheitliche Folgen des Gases klagten, aber ohne fremde Hilfe nach Hause eilten.

Mit Atemschutzgeräten ausgerüstete Feuerwehrleute nahmen sofort Messungen vor. Sie konnten aber keine schwergiftigen Stoffe feststellen. Der Wind begann bereits, das Gas – möglicherweise Pfefferspray – aus dem gesperrten Tunnel zu blasen. Die Feuerwehr unterstützte den Vorgang mit Hochleistungs-Lüftern.

Eine Stunde nach der Alarmierung kehrte die Domstraße allmählich zur Normalität zurück. Straßenbahnen begannen wieder zu fahren. Die Menge der Neugierigen löste sich auf. Wohin in dem Durcheinander der junge Mann mit schwarzen Haaren floh, der mit einer schwarzen Jacke und einer schwarzen Hose bekleidet gewesen sein soll, „ist bislang nicht bekannt“, sagte Polizeisprecher Karl-Heinz Schmitt. Hinweise von Zeugen nimmt die Polizei unter Tel. 0931/457-2230 entgegen.

Binnen einer Woche ist dies der dritte ähnliche Vorfall in Würzburg. Bereits in der Nacht zum Ostersonntag (8. April) hatten in einer Innenstadtgaststätte am Alten Kranen (nur wenige hundert Meter vom jetzigen Tatort) zwei Unbekannte Pfefferspray versprüht. Danach klagten einige Personen über Atemwegs-Reizungen. In der Nacht darauf gab es das gleiche Szenario in einer Diskothek in der Veitshöchheimer Straße. Hier trat ein einzelner Täter auf, der Pfefferspray versprühte. In dem Fall gab es einige Leichtverletzte. „Ob zwischen den einzelnen Fällen ein Zusammenhang besteht, lässt sich momentan noch nicht sagen“, sagte Pressesprecher Schmitt.

Fotoserie

Reizgas-Anschlag

zur Fotoansicht

Ebenso ungewiss ist, ob es einen Zusammenhang mit einem spektakulären Fall aus dem Februar 2011 gibt. Da sprühte ein Unbekannter bei einer Faschingsveranstaltung im Stadtteil Lengfeld Pfefferspray in die Menge, 30 Gäste wurden leicht verletzt.

Solche Attacken werden derzeit quer durch Deutschland gemeldet: Am Freitagnachmittag musste die Römerpassage in der Innenstadt von Mainz geräumt werden. Zwei Männer hatten sich gegenseitig mit Reizgas attackiert. Zehn bis 15 Personen erlitten Reizungen der Augen sowie der Mund- und Nasenschleimhäute.

Anfang April wurde in Parchim (Mecklenburg-Vorpommern) ein Einkaufsmarkt evakuiert. Ende Februar musste das Gagern-Gymnasium in Frankfurt geräumt werden, 28 Schüler wurden verletzt. Und bei einem der schwersten Anschläge wurden im November 2011 in München in einer Ladenpassage sogar 93 Menschen Opfer eines Sprayers.


Reizgas-Attacke in der Würzburger Dompassage

Schlagworte

  • Polizei
  • Rettungsfahrzeuge
  • Serientäter
  • Tunnel
Lädt

Schlagwort zu
„Meine Themen“

hinzufügen

Sie haben bereits
/ 15 Themen gewählt

bearbeiten

Sie folgen diesem Thema bereits

entfernen

Um "Meine Themen" nutzen zu können müssen Sie der Datenspeicherung zustimmen

zustimmen
0 0
Kommentar schreiben

Der Diskussionszeitraum für diesen Artikel ist leider schon abgelaufen. Sie können daher keine neuen Beiträge zu diesem Artikel verfassen!