BAD NEUSTADT

Rhön bekommt größten Windpark Bayerns

Im Norden Unterfrankens soll bis 2014 einer der bislang größten Windparks im Freistaat entstehen. Auf 630 Hektar sind bis zu 14 Windräder geplant.

Noch in diesem Jahr soll mit dem Bau des als Genossenschaft organisierten Parks begonnen werden - ein Ausnahmeprojekt:

Ein Blick über die vordere Rhön zeigt Land, das sich in sanften Wellen wiegt. Bäume, Äcker, Wiesen, Berge. Ringsherum sind kleine Dörfer zu sehen, Kirchtürme ragen empor. Noch in diesem Jahr könnten hier zusätzliche Türme in den Himmel ragen: Windräder.

Das Besondere daran: Bürger, Kommunen und Landwirte stehen gemeinsam hinter dem Projekt und haben es von der ersten Sekunde an zusammen geplant. "Anderswo gibt es ein Hauen und Stechen um den ländlichen Raum. Hier sind alle total gelassen und gelöst", sagt Michael Diestel über die Vorteile des Gemeinschaftsprojektes.

Er ist Geschäftsführer der Firma Agrokraft in Bad Neustadt (Landkreis Rhön-Grabfeld), die das Projekt initiiert hat. Sie ist eine Tochter des Bayerischen Bauernverbandes und des Maschinen- und Betriebshilfsringes Rhön-Grabfeld.

Der Genossenschaft gehörten bislang etwa 250 Gesellschafter an, darunter Bürger aus sechs Anliegergemeinden. Es gehe nicht um den schnellen Profit, sondern um Wirtschaftlichkeit.

"Das wird Modellcharakter für andere Regionen haben", meint Diestel weiter. Diese Struktur ermögliche es Bürgern und Landwirte, Windparks selbstbestimmt zu errichten und Flächen vor dem Zugriff externer Investoren zu sichern.

"Raiffeisen-Windpark zwischen Streu und Saale", heißt der Windpark, der in zwei Jahren ans Netz gehen soll. Nach Agrokraft-Plänen werden bis zu 14 Windanlagen mit einer Leistung von zusammen 30 bis 45 Megawatt entstehen.

Das gesamte Areal umfasst 630 Hektar beidseitig der Autobahn 71 an der bayerisch-thüringischen Landesgrenze am Rande des UNESCO-Biosphärenreservats Rhön. "Damit wird er der größte genossenschaftlich organisierte Windpark in Süddeutschland", ist Diestel überzeugt. Er rechnet mit dem Baubeginn noch in diesem Jahr.

Voraussichtlich ab 2014 sollen sich die 140 Meter hohen Mühlen drehen. Für den Windpark ist eine Investition von rund 60 bis 70 Millionen Euro nötig.

Der bislang größte Park im Freistaat steht dem Landesverband WindEnergie zufolge im Landkreis Neumarkt in der Oberpfalz. Der Bürgerpark bestehe aus sechs Anlagen, leiste rund 20 Megawatt und werde im Sommer in Betrieb gehen, erklärt Landesvorstand Günter Beermann.

Konkrete Planungen für größere Windparks seien ihm bislang nicht bekannt. In der Region Rhön-Grabfeld ist dem zuständigen Landratsamt zufolge jedoch derzeit noch ein zweites Projekt mit etwa 20 Windrädern geplant - allerdings ohne genossenschaftlichen Hintergrund.

Für dieses und das Gemeinschaftsprojekt liegen dem Landratsamt jedoch noch keine Bauanträge vor. Die Agrokraft will ihren in den kommenden Wochen einreichen.

Die Naturschützer der Region kritisieren, dass durch den Windpark eine "ganze Palette von Tierarten" gefährdet werde. Es seien Mindestabstände zu Brutplätzen und Richtlinien für verträgliche Standorte nicht eingehalten worden, sagt Daniel Scheffler, Vorsitzender der Kreisgruppe Rhön-Grabfeld des Landesbundes für Vogelschutz in Bayern (LBV).

Dabei gehe es um den Greifvogel Rotmilan und die Eulenart Rauhfußkauz. Erste Gespräche zwischen beiden Seiten fanden bereits statt.

Nach den Verhandlungen mit den Naturschützern sei das Projekt nun von 15 auf 14 Windräder reduziert worden, sagt Diestel. Der Bund Naturschutz ärgert sich zudem über das veränderte Landschaftsbild.

Das angrenzende UNESCO-Biosphärenreservat Rhön ist als "Land der offenen Fernen" bekannt - die hochgelegenen waldfreien Gipfel- und Plateauregionen, die gute Ausblicke ermöglichen, sind bei Wanderern und Skifahrern beliebt. Trotz der Kritik rechnet Diestel bislang nicht mit Verzögerungen.

Mit dem unterfränkischen Windpark kommt die bayerische Staatsregierung ihrem Ziel etwas näher, bis zum Jahr 2021 sechs bis zehn Prozent des Stromverbrauchs im Freistaat durch heimische Windenergie zu decken. Aktuell liegt der Anteil laut des Energiekonzeptes der Landesregierung bei weniger als einem Prozent.

Dem Wirtschaftsministerium zufolge gibt es im Freistaat bislang rund 25 Windparks mit jeweils bis zu sechs Anlagen. Nach Angaben des Deutschen Windenergie-Institutes stehen in Bayern fast 500 Windkraftanlagen, die zusammen rund 700 Megawatt leisten. Mehr als 160 Megawatt davon seien im vergangenen Jahr neu installiert worden.
  • Energie-Atlas der bayerischen Staatsregierung
  • Bayerischer Windatlas
  • Windenergie-Nutzung in Deutschland
  • Landesvorstand Bayern des Bundesverbandes WindEnergie

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