GEMÜNDEN

Sexueller Missbrauch im Pfadfinder-Schlafsaal

Er wollte, konnte aber nicht. Der Versuch, mit einer betrunkenen und völlig weggetretenen jungen Frau Geschlechtsverkehr zu haben, brachte einen 23-Jährigen aus dem Landkreis Schweinfurt vor das Schöffengericht in Gemünden (Lkr. Main-Spessart). Zwei Jahre Freiheitsstrafe auf Bewährung und 2000 Euro an das Opfer als Schadenswiedergutmachung lautete nach zwei Stunden Verhandlung das Urteil.

Symbolbild Foto: Regina Krömer
Der Tatort und die Tatumstände sind außergewöhnlich: Es handelte sich um eine Weiterbildungsveranstaltung der Pfadfinder für Jugendleiter auf Burg Rothenfels Ende Januar 2009. Dabei tranken die Teilnehmer am Freitagabend derart viel Alkohol, dass eine 19-Jährige beim Rauchen im Hof zusammenbrach, nicht mehr ansprechbar war und auch nichts mehr mitbekam. Drei junge Männer schafften die junge Frau in einen Schlafsaal. Zwei gingen wieder, der Angeklagte blieb, weil eines der acht Betten seines war.

Sieben Bier und einige Ramazzotti

Irgendwann nachdem das Licht aus war, entkleidete der Student sowohl sich als auch sein Opfer. Wie er vor Gericht einräumte, wollte er Geschlechtsverkehr, war körperlich dazu aber nicht fähig. Neben dem Alkohol – sieben Bier und einige Ramazzotti habe er von 23 bis 2 Uhr getrunken – könnte das auch an seiner Unerfahrenheit gelegen haben. Den Vorfall bekam eine andere Frau mit: Als sie aufwachte, sah sie die Geschädigte mit gespreizten Beinen daliegen und den Angeklagten auf ihr.

Da hatte er den Versuch schon aufgegeben, beteuert der 23-Jährige. Auch sei ihm nicht klar gewesen, wie weggetreten die 19-Jährige war. Sie habe mehrfach aufstehen wollen, er habe beruhigend auf sie eingeredet und sei auf ihren Bett gesessen. Recht fassungslos sind Richter Matthias Wienand und die Schöffen darüber, dass derartige Alkoholgelage bei Fortbildungsveranstaltungen der Pfadfinder laut dem Angeklagtem nicht unüblich sind. Nur wenn Kinder dabei seien, halte man sich zurück. Der 23-Jährige ist übrigens nicht mehr bei den Pfadfindern. Als die versuchte Vergewaltigung am nächsten Morgen bekannt wurde, gab es neben seelsorgerlichen Gesprächen den Rausschmiss des jungen Mannes. Sein 19-Jähriges Opfer erstattete am Abend Anzeige. Als Nebenklägerin trat sie nicht auf.

Komplettes Geständnis

Das frühe und komplette Geständnis des Studenten ersparte seinem Opfer eine Aussage in der öffentlichen Verhandlung und ihm selbst vermutlich eine noch härtere Bestrafung. „Sexueller Missbrauch von Widerstandsunfähigen ist ein schweres Delikt“, verdeutlicht der Staatsanwalt. Deshalb komme nur eine Freiheitsstrafe in Betracht, wenn auch in diesem Fall mit zwei Jahren im unteren Drittel des Strafrahmens. Dank der positiven Sozialprognose des 23-jährigen, er wohnt zu Hause und hat ein Studium begonnen, und weil er nicht vorbestraft ist, komme Bewährung in Betracht.

Die Anwältin des Angeschuldigten verweist darauf, dass ihr Mandant noch fast ein Jugendlicher sei und sich gleich am nächsten Morgen entschuldigte. Letztlich beantragt sie ein Jahr und fünf Monate Freiheitsstrafe.

Das Schöffengericht folgt in seinem Urteil dem Antrag des Staatsanwaltes. Zusätzlich wird der Verurteilte für das erste Jahr der dreijährigen Bewährungszeit unter die Aufsicht eines Bewährungshelfers gestellt, muss 2000 Euro in Raten an das Opfer bezahlen und darf keine Tätigkeit in der Jugendarbeit aufnehmen. Das Urteil ist rechtskräftig.

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