WÜRZBURG

Skeptiker suchen weiter nach Wundern

Hat er paranormale Fähigkeiten? Unter Beobachtung eines Fernsehteams sucht Hilmar Posche mit einer Wünschelrute eine Metallplatte, die unter einem von zehn Waschlappen versteckt ist.
Hat er paranormale Fähigkeiten? Unter Beobachtung eines Fernsehteams sucht Hilmar Posche mit einer Wünschelrute eine Metallplatte, die unter einem von zehn Waschlappen versteckt ist. Foto: Thomas Obermeier

Glauben Sie, dass man sich mit meditativer Gymnastik messbar leichter machen oder das Keimen von Sesamsamen mit spiritueller Bestrahlung beeinflussen kann? Mit Leuten, die glauben, solche Fähigkeiten zu besitzen, haben es der Würzburger Skeptiker Rainer Wolf und seine Kollegen von der Gesellschaft zur wissenschaftlichen Untersuchung von Parawissenschaften (GWUP) zu tun. Einmal im Jahr laden die Skeptiker Frauen und Männer, die überzeugt sind, übersinnliche Kräfte zu haben, zu den Psi-Tests ein an die Universität Würzburg.

Rainer Wolf, Physiker und habilitierter Biologe, und sein Kollege Martin Mahner, Deutschlands einziger hauptamtlicher Skeptiker, Biologe und Wissenschaftsphilosoph, glauben nicht an Hokuspokus. Aber sie setzen sich mit wissenschaftlichen Methoden mit diesem auseinander.

„Der Erfolg unserer Kandidaten würde eine wissenschaftliche Revolution auslösen.“
Rainer Wolf, Physiker und Biologe

Der Wahrheitsgehalt von Parawissenschaften ist fragwürdig. Demjenigen, der seine paranormalen Fähigkeiten mit wissenschaftlichen Tests nachweisen kann, schenken die Skeptiker 10 000 Euro. Bis jetzt mussten sie den Preis noch nicht auszahlen. Wer das Würzburger Preisgeld absahnt, ist für die nächste Stufe der weltweiten Psi-Tests qualifiziert: den mit einer Million Dollar ausgelobten Preis des US-amerikanischen Zauberkünstlers James Randi.

„Der Erfolg unserer Kandidaten würde eine wissenschaftliche Revolution auslösen. Es wäre ein Paradigmenwechsel“, so Wolf. Vier Kandidaten wollten diesmal zu den jährlichen Psi-Tests antreten. Eine Kandidatin behauptete durch Meditation schweben zu können – würde es funktionieren, wäre es ganz sicher spektakulär. Anscheinend war sie sich ihrer Fähigkeit dann aber doch nicht so sicher und sagte kurzfristig ab – wie schon im vergangenen Jahr.

Außer Konkurrenz lief der Versuch eines Mannes, der sich durch meditative Gymnastik – mit heftigen Auf- und Abwärtsbewegungen der Arme – messbar leichter machen wollte. Was natürlich nicht gelang. Angetreten war er zudem mit dem Versuch, das Keimen von Sesamsamen mit positiver und negativer spiritueller Bestrahlung zu beeinflussen. Ob er damit das Preisgeld abräumt, wird sich wohl in ein paar Tagen zeigen.

„Die Kandidaten sind von ihren paranormalen Fähigkeiten überzeugt und lügen nicht“, sagt Rainer Wolf. Auch Hilmar Posche aus der Nähe vom Zwickau glaubte, übersinnliche Fähigkeiten zu haben. Er versuchte mit einer Wünschelrute eine verdeckte Metallplatte, die unter einem der zehn blauen Waschlappen in einer Wiese vor dem Biozentrum am Hubland versteckt war, zu finden – und scheiterte. 13 Versuche hatte Posche, sieben hätten positiv verlaufen müssen – lediglich einmal hat er richtig gelegen.

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PSI-Experiment Wünschelroutengänger

Die meisten Kandidaten sehen nicht ein, dass sie keine paranormalen Fähigkeiten haben – nur vier von 50 getesteten Kandidaten tun dies. Stattdessen denken sich die Gescheiterten raffinierte Ausreden aus, sagt Rainer Wolf. Hilmar Posche hingegen habe seine Niederlage sehr gefasst aufgenommen, so Wolf nach dem Versuch. Posche werde das Wünschelrutengehen wohl auch aufgeben. In diesem Jahr bleibt das Preisgeld wohl in der Schatulle. Im nächsten Jahr bekommen dann neue Kandidaten erneut die Chance, es zu gewinnen.

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