WÜRZBURG

Slow Food hat einen neuen Chef

Am Ende des Tages war den Organisatoren aus Würzburg die Erleichterung anzusehen. 350 Teilnehmer, so viel wie nie bei einer Mitgliederversammlung von Slow Food, waren am Samstag auf die Festung Marienberg gekommen. Nach reichlich Zwist, juristischen Scharmützeln und Grabenkämpfen sollte und wollte die Genießerbewegung einen neuen Vorstand wählen. Und selbst wenn man im Vorfeld nur einen kleinen Einblick in die internen Querelen bekommen hatte, konnte man ahnen: Die Organisation der außerordentlichen Versammlung war ein undankbarer Job. Die Stimmung bei Slowfood war gereizt, die Anspannung groß, Presse bei der Versammlung unerwünscht.

Die Amtszeit des bisherigen Vorsitzenden Otto Geisel war im Herbst ausgelaufen. Wegen eines zähen Streits um die neue Satzung hatte es Slow Food nicht geschafft, rechtzeitig Neuwahlen anzusetzen. Abgesehen davon wollte der 48-jährige Gastronom und Hotelier aus Bad Mergentheim gar nicht mehr kandidieren: Geisel hatte den Deutschland-Ableger der internationalen Genießerbewegung zwar erfolgreich geführt, die Mitgliederzahl war seit 2006 von knapp 6000 auf rund 10 000 derzeit gestiegen. Aber intern wurde die Kritik immer lauter. Er polarisiere offenbar zu sehr, begründete der Weinfachmann seinen Rückzug.

Von der außerordentlichen Mitgliederversammlung in Würzburg, die die Regionalgruppe Mainfranken-Hohenlohe um ihren Leiter Gerd Sych organisiert hatte, sollte nun ein Neuanfang ausgehen. Und in der Tat schafften es die rund 330 Teilnehmer, einen neuen Vorstand zu wählen. In einer „bemerkenswert sachlichen Atmosphäre“, wie der neu gewählte deutsche Slowfood-Chef Andreas Eichler am Abend meinte. Auf den 61-jährigen Unternehmensberater vom Convivium Freiburg, der lange Jahre Generalsekretär des Deutschen Sportbundes gewesen war, entfielen 181 Ja- und 140 Neinstimmen. „Der Verein war kurz davor, sich in den Konflikten zu verlieren“, sagte Eichler, dessen Wunschkandidaten für Schatzmeister-, Stellvertreter- und Beisitzerposten alle ebenfalls gewählt wurden.

Seine Ziele? „Wir wollen politischer werden, wir sind mehr als ein Club der Genießer.“ Der bewusste Genuss müsse mit politischen und gesellschaftlichen Initiativen gekoppelt sein, sagte Eichler. „Die Slow-Food-Bewegung ist einzigartig, weil bei uns alle Mitglieder sind: vom Erzeuger über die Handwerker bis zum Verbraucher.“

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