UNTERFRANKEN

So wählen Sie richtig

Kommunalwahl: Es gibt Gemeinden, da müssen die Wähler am 16. März acht oder zwölf Ratsmitglieder bestimmen. In größeren Städten und Kreisen werden aber auch schon mal 50 oder gar 70 Volksvertreter gewählt. Entscheidungen, die gut vorbereitet sein wollen.
Stimmzettel für eine Mustergemeinde: Der Ort hat 1900 Einwohner, deshalb werden zwölf Gemeinderäte gewählt. Unser Musterwähler hat entschieden: Eine Stimme für die Liste A-Partei, zwei Stimmen für die D-Partei, vier Stimmen für die B-Partei und die restlichen fünf Stimmen – dank des Listenkreuzes – für die C-Partei. Anhand dieses Ergebnisses errechnet sich – unabhängig von Namen – die Zusammensetzung des Gemeinderats. In einer zweiten Zählrunde geht es um die Kandidaten-Reihung innerhalb der Listen. Da profitieren auf Liste A Kandidat Huber (eine Stimme), auf Liste B die Bewerber Palm (drei) und Weiß (eine) sowie auf Liste D Kandidat Bork (zwei). Auf Liste C gehen Kandidat Henneberger mit zwei sowie die Bewerber Fehrmann, Eschenbacher und Bach mit je einer Stimme in die Wertung. Durchgestrichene Bewerber fallen raus. Foto: Abbildungen: Heike Grigull

Kein Urnengang bietet so viel Übung in praktischer Demokratie wie die Kommunalwahl in Bayern – allen voran die Abstimmung über die Zusammensetzung von Kreistagen, Gemeinde- und Stadträten. Viele Hundert Kandidatinnen und Kandidaten bewerben sich um die Mandate. Wer die Möglichkeiten voll ausnutzen möchte, braucht vor allem Zeit. Insofern ist Briefwahl keine schlechte Lösung. Am Wahlsonntag im Stimmlokal könnte es nämlich schnell zu Unmutsbekundungen kommen, wenn jemand eine halbe Stunde damit verbringt, 50 Stadtrats- oder 70 Kreistagsstimmen zu vergeben.

Allein die Stimmzettel sind mancherorts so groß wie eine Zeitungsdoppelseite. Da bietet sich das Ausfüllen daheim am Esstisch geradezu an, zumal, wenn man seine Wahl gern im Familien- oder Freundeskreis diskutieren möchte. Aber Vorsicht, die Abstimmung ist geheim. Da muss eben ein jeder selbst entscheiden, wie viel Kommunikation er vor dem Ankreuzen braucht. Leider sind nämlich längst nicht alle Kommunen so vorbildlich, dass sie, wie beispielsweise die Gemeinde Schwarzach (Lkr. Kitzingen), „interaktive Musterstimmzettel“ auf ihre Homepage stellen, mit denen sich schon vor dem Wahltag nach Herzenslust Kommunalwahl spielen – pardon: üben – lässt.

  • Karte mit den unterfränkischen Bürgermeisterkandidaten

Wer bei der Stadtrats- oder Gemeinderatswahl lediglich ein Listenkreuz bei der Partei macht, die er immer auch auf Bundes- oder Landesebene wählt, der erleichtert zwar den Wahlhelfern das Auszählen, vergibt aber auch viele Chancen. Dabei darf man auch innerhalb der angekreuzten Liste unliebsame Kandidaten wie die Nachbarin, die nie grüßt, einfach durchstreichen – oder dem persönlichen Favoriten, wie dem Schafkopf-Kumpel von gegenüber, bis zu drei Stimmen geben. Kumulieren lautet der Fachbegriff.

Richtig Spaß macht das (Aus-)Wählen über unterschiedliche Listen hinweg. Panaschieren nennen das die Profis. Der Kollege Huber (alle Namen sind erfunden) aus dem Verein, von dem man Unterstützung für den neuen Sportplatz im Ort erwartet, bekommt ein Kreuz, obwohl er der „falschen“ Partei angehört. Gleich drei Stimmen erhält Kandidatin Palm, die im Bus immer so nett über die Kinder spricht, auch wenn deren prinzipielle Richtung so gar nicht passt. Oder man vergibt zwei Stimmen an Kandidat Bork, weil er auf den Wahlplakaten so schön lächelt. Pech für Kandidatin Meier. Die lächelt zwar auch. Aber der Slogan „Keine Feier ohne Meier“, der geht gar nicht. Kommunalwahl ist schließlich eine ernste Angelegenheit. Also wird sie trotz richtiger Partei einfach gestrichen.

Eine, zwei oder drei Stimmen pro Kandidat erlaubt das Wahlrecht. Aber Achtung: Wer mehr Kreuze verteilt als in der Kommune Mandate zu vergeben sind, der macht seinen Stimmzettel ungültig. Nur 17 Bewerber zu markieren, obwohl es 24 Ratssitze gibt, das ist erlaubt. Wer die verbleibenden sieben Stimmen indes nicht verschenken möchte, der setzt zu guter Letzt noch ein Listenkreuz. Damit bekommen die Ersten sieben auf der gewählten Liste eine Stimme. Für die Wahlhelfer sind solch kunterbunt ausgefüllte Stimmzettel eine besondere Herausforderung. Ein Preis der Demokratie.

Stadtrats-, Kreistags- und Gemeinderatswahlen sind Persönlichkeitswahlen. Die Wähler haben es in der Hand, wer sie im Gemeindeparlament repräsentiert. Allgemeines Lästern nach dem Motto „Die taugen alle nichts“ zählt nicht. Jeder Bürger ist aufgerufen, wenn er denn schon selbst nicht antritt, wenigstens die vermeintlich Richtigen zu wählen. Und dabei selbst mitzuentscheiden, ob man lieber von dem Kandidaten „regiert“ werden will, dem nachgesagt wird, er wolle nur in den Gemeinderat, damit sein Acker endlich Bauland wird, oder von der Bewerberin, die als Musikerin kulturelle Interessen fördert – und sich ansonsten in der politischen Debatte meist still verhält.

Es gibt Bürger, die hätten am liebsten, dass über Bauanträge nur die im Rat beraten, die Ahnung von der Sache haben, also Ingenieure, Architekten und eventuell noch Dachdecker. Anderseits lebt die Demokratie davon, dass auch die Erzieherin und der Erdkundelehrer in der Ratsdebatte mitmischen – und statt Sachverstand ihren gesunden Menschenverstand bemühen. Der Beratung über Bauanträge muss das nicht abträglich sein.

Letztendlich macht's die Mischung in den Gemeindeparlamenten. Je größer die Vielfalt, desto besser. Gute Kommunalpolitik braucht engagierte Frauen genau wie Männer, Junge wie Alte, Akademiker wie Handwerker, Verwaltungsprofis wie unorthodoxe Querdenker. Wir haben die Wahl.

Bürgermeister-Wahl mit keinem oder nur einem Kandidaten

Wilde Wahl: Allgemein sind die Bürgermeisterposten in Mainfranken recht begehrt. Gleichwohl gibt es mit Abtswind (Lkr. Kitzingen) und Bieberehren (Lkr. Würzburg) zwei Gemeinden, wo sich bis Ablauf der Bewerbungsfrist kein einziger Kandidat gefunden hat. Die Stimmzettel sind also leer. Somit kommt es zur „wilden Wahl“. Das heißt, die Wähler können am 16. März irgendjemanden aus dem Dorf auf den Zettel schreiben. Deutscher muss er sein und mindestens 18 Jahre alt. Eine Chance also für Großfamilien im Dorf, einen Verwandten, Oma Gerda oder Onkel Erwin, an die Rathausspitze zu wählen.

Ganz so blauäugig geht man die Bürgermeisterwahl in den beiden Gemeinden aber dann doch nicht an. In Bieberehren wird mittlerweile die Wahl eines gewissen Engelbert Zobel empfohlen. In Abtswind, wo die wilde Wahl schon lange Tradition ist, haben bei einer Versammlung gar zwei Männer Interesse angezeigt, gewählt zu werden: Jürgen Schulz und Winfried Weidt. Es sieht also nicht so gut aus für die Ambitionen von Onkel Erwin.

Tritt lediglich ein nominierter Bewerber an, so darf man ebenso einen Kandidaten seiner Wahl auf den Stimmzettel schreiben. Dies verhindert in der Regel nur, dass dieser Bewerber hundert Prozent der gültigen Stimmen bekommt. Für Burkard Wachenbrönner, den einzigen Bürgermeisterkandidaten in Aubstadt (Lkr. Rhön-Grabfeld) könnte es dennoch eng werden. Der bisherige Bürgermeister Wolfgang Abschütz (63) hat sich nach 30 Amtsjahren offiziell nicht mehr aufstellen lassen. Insider vor Ort berichten aber, Abschütz kokettiere durchaus damit, über den Umweg gewählt zu werden, dass sein Name von der Mehrheit der Bürger handschriftlich auf den Stimmzettel geschrieben wird. Text: micz

Qual der Wahl: Das Ausfüllen der Stimmzettel für die Gemeinderats-, Stadtrats- und Kreistagswahl ist kein leichtes Spiel. Foto: Ivo Knahn

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