WÜRZBURG/SCHWEINFURT

Studie: Würzburg und Schweinfurt ziehen Kunden an

Einheimische lästern ja gerne mal über das Einzelhandelsangebot in Würzburg und Schweinfurt. Die Wirklichkeit aber ist eine andere: Beide mainfränkischen Städte sind für die Kundschaft aus dem Umland offenbar sehr attraktiv. In Sachen „Einzelhandelszentralität“ belegen Schweinfurt und Würzburg deutschlandweit Spitzenplätze.

Das ergibt eine Studie der Gesellschaft für Konsumforschung (GfK). Laut dieser Untersuchung zieht die Stadt Straubing deutschlandweit die meiste Kaufkraft von außen an. Der Zentralitätsfaktor beträgt 224,2. Es folgen Weiden/Oberpfalz (216,1), Passau (214,5) und dann auf Platz vier Schweinfurt (212,6) und auf dem siebten Rang Würzburg (186,3).

Faktor 100 bedeutet, dass die in einem Ort vorhandene Kaufkraft dort auch komplett ausgegeben wird. Werte, die darüber liegen, stehen für einen Kaufkraft-Zufluss. Für Schweinfurt heißt das, dass der Handel mehr als doppelt so viel von seiner Kundschaft einnimmt als in der Stadt an Kaufkraft vorhanden ist.

Liegt der Wert unter 100, fließt Kaufkraft ab. Deutschlandweites Schlusslicht in Sachen Einkaufszentralität ist mit einem Faktor 57,4 der Kreis Würzburg. Das heißt, das Würzburger Umland ist als Einkaufsort nicht so sehr gefragt. Wörtlich lautet die GfK-Analyse: „Die Einwohner des Landkreises fahren zum Einkaufen meist in die nahegelegene Stadt Würzburg und geben dort den Großteil ihrer Einzelhandelskaufkraft aus.“

Auffällig ist, dass die Spitzenplätze im Zentralitätsranking nicht von den großen Einkaufsmetropolen wie Berlin (106,0), München (116,6), Stuttgart (123,3) und Frankfurt (108,7) belegt werden. Dort kaufen laut GfK-Statistik vornehmlich die Leute ein, die dort auch wohnen. Auf dem Land hingegen haben die Zentren eine viel größere „Sogwirkung“ auf die Kunden. Darunter leiden dann die Geschäfte im Umland. Eine Ausnahme ist Nürnberg (132,0), das deutlich mehr Kaufkraft als andere Großstädte anzieht.

Dass Schweinfurt und Würzburg bei den Kunden in der Region beliebt sind, freut Volker Wedde. „Die Zahlen sind sehr schön, ich gratuliere“, so der Bezirksgeschäftsführer des Bayerischen Einzelhandelsverbands. Die GfK-Untersuchung bestätige die „oberzentrale Funktion“ der beiden Metropolen. Gleichzeitig warnt Wedde aber davor, die Zahlen zu überinterpretieren. So sagten sie weder etwas darüber aus, in welchen Branchen Kaufkraft gewonnen wird noch an welchen konkreten Orten.

Ein Einkaufsmarkt auf der grünen Wiese könne genauso Kunden anlocken wie einer in der Innenstadt, „das macht quantitativ keinen Unterschied, qualitativ aber schon“, sagt Wedde. Interesse des Einzelhandelsverbands sei es, die Innenstädte zu stärken, so wie es aktuell in Würzburg mit der Erweiterung der Fußgängerzone in der Eichhornstraße geschieht. „Es gibt also keinen Grund, sich auf den Zahlen auszuruhen.“

Fürs Umland sieht Wedde keinen Grund, die Flinte ins Korn zu werfen. Kleine und mittlere Städte könnten durch attraktive Angebote Kunden zurückgewinnen. „Manchmal“, so der Geschäftsführer, „lockt ein neues Geschäft auch nur vorübergehend Neugierige in die Stadt.“

Kaufkraft im Einzelhandel

5420 Euro hat jeder Würzburger – statistisch vorhergesehen – in diesem Jahr fürs Einkaufen im Einzelhandel zur Verfügung. Der Einzelhandelskaufkraft-Index beträgt 100,1, das heißt, die Kaufkraft in der Stadt Würzburg entspricht ziemlich exakt dem Bundesschnitt, dieser liegt bei 5413 Euro.

Die regionalen Unterschiede bei der Kaufkraft sind groß. Sie reichen von knapp 7100 Euro im hessischen Hochtaunuskreis bis rund 4500 Euro im Eifelkreis Bitburg-Prüm (Rheinland-Pfalz). Im Landkreis Würzburg liegt die Kaufkraft bei 5348 Euro (Index 98,8). Für die Stadt Schweinfurt beträgt der Wert 5279 Euro (Index 97,5), im Landkreis Schweinfurt 5252 Euro (Index 97,0) sowie im Kreis Rhön-Grabfeld 4843 Euro (Index 89,5). Weitere Zahlen veröffentlicht die „GfK GeoMarketing“ (Bruchsal), eine GfK-Tochter, eigenen Angaben zufolge gegen Gebühren.

 

Insgesamt setzt der stationäre Einzelhandel (ohne Online) in Deutschland laut GfK in diesem Jahr 410 Milliarden Euro um. TEXT: MICZ

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Symbolbild Foto: dpa

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