ALLERSHEIM

Synagoge wartet auf den Umzug

Zugedeckt mit einer Plastikplane: Die Synagoge in Allersheim ist baufällig. Bevor sie in sich zusammenfällt, soll eine Folie verhindern, dass Wasser in das Gebäude kommt und noch mehr Schäden anrichtet. Denn das historisch wertvolle Gebäude soll im Bad Windsheimer Freilichtmuseum wieder aufgebaut werden.
Zugedeckt mit einer Plastikplane: Die Synagoge in Allersheim ist baufällig. Bevor sie in sich zusammenfällt, soll eine Folie verhindern, dass Wasser in das Gebäude kommt und noch mehr Schäden anrichtet. Denn das historisch wertvolle Gebäude soll im Bad Windsheimer Freilichtmuseum wieder aufgebaut werden. Foto: Thomas Fritz

Das Gemäuer ist eingefallen, Teile des Dachs bereits durchgebrochen. Die Hölzer morsch, an manchen Stellen gar schon vom Holzwurm gezeichnet. Die Fassade bröckelt, teilweise fehlt sie völlig. Die Treppe zum Dachboden ist in ihre Einzelteile zerlegt. Und doch ist das Haus wertvoll. Es steht sogar unter Denkmalschutz. Gebaut wurde es um 1740, wie eine Untersuchung der Jahresringe der verwendeten Floßhölzer ergab.

Und zwar als Synagoge mit der Wohnung für den Rabbiner im Erdgeschoss und dem von einer Holztonne überwölbten Synagogenraum darüber. In einer Nische in der Ostfassade des Hauses befand sich der Thoraschrein, umgeben von Wandmalereien. Und drei Sandsteinstufen führen hinab in einen kleinen Kriechkeller zur Mikwe, dem rituellen Taufbad der jüdischen Gemeinde. So die Ergebnisse einer Bestandsaufnahme des Gebäudes.

Für manch einen Allersheimer (Lkr. Würzburg) ist das baufällige Haus in der Hauptstraße Nummer 20 ein ziemlicher Schandfleck. Dass der Eigentümer das alte Gerütsch am liebsten abreißen würde, verstehen viele Bürger des kleinen Ortes – Allersheim hat 325 Einwohner – nur zu gut. Doch das Haus ist ein wichtiges Monument jüdischer Zeitgeschichte. Weil in Allersheim dafür kein Platz ist und eine Nachnutzung des historischen Gebäudes wirtschaftlich nicht sinnvoll ist, soll es nun ins Museum. Bis 1880 war das Haus in der Hauptstraße der Treffpunkt für die jüdischen Allersheimer. 1911 wurde die Synagoge dann zu einem Wohnhaus umgebaut und Tagelöhner zogen ein. Für Egon Johannes Greipl, Generalkonservator des Bayerischen Landesamtes für Denkmalpflege, verbirgt sich hinter dem alten Gemäuer „eine typische Landsynagoge, die, ebenso wie die Veitshöchheimer Synagoge, mehrere Nutzungen unter einem Dach vereinte“. Und eben diese typische Landsynagoge fehlt dem Freilandmuseum in Bad Windsheim noch. Sie würde neben der spätmittelalterlichen Spitalkirche und der Kapelle aus Rodheim sozusagen gut ins Portfolio des Museums passen. Museumsleiter Herbert May hat seine Zimmerleute zur Allersheimer Synagoge geschickt. Sie sollten prüfen, ob ein Umzug ins Mittelfränkische möglich ist. Vor allem, ob die teilweise schon durchgemorschten Schwellen der wertvollen Holzkonstruktion das überhaupt durchhalten. „Die Synagoge ist zwar in keinem wunderbaren Zustand, aber verglichen mit dem, was wir schon erlebt haben, ist ein Ab- und Wiederaufbau durchaus möglich“, sagt May. Er weiß sogar schon einen Platz für das jüdische Gotteshaus.

Doch so ein Umzug kostet Geld. May ist gerade dabei, über kurz oder lang eine Finanzierung dafür zu bekommen. „Wir haben ja keinen Druck“, sagt er. Denn das Gebäude ist notgesichert. Damit es keinen weiteren Schaden nimmt, haben Arbeiter des Giebelstadter Bauhofs eine Plane über das Dach gezogen. Sie soll verhindern, dass eindringendes Wasser weitere Schäden verursacht.

Ob es noch im nächsten Jahr mit dem Abbau und Transport der Synagogenteile nach Bad Windsheim klappt, kann May nicht versprechen. „Dann peilen wir 2014 an“, sagt er. Das sollte aber der späteste Termin sein.

Juden in Allersheim

Bis zum Beginn des 20. Jahrhunderts bestand eine jüdische Gemeinde in Allersheim. Der Würzburger Historiker Joachim Braun berichtet, dass die erste Erwähnung auf das Jahr 1580 zurückgeht. 1693 werden in der Allersheimer Bürgermeisterrechnung erstmals die Namen jüdischer Haushaltsvorsteher am Ort genannt. Mehr jüdische Familien gibt es im 18. Jahrhundert. 1718 waren es neun, 1797 18 Familien. Die jüdische Gemeinde war dem „Ritterschaftlichen Oberrabbinatsbezirk" mit Sitz in Heidingsfeld unterstellt.

Eine Synagoge wird in Allersheim erstmals 1718 in einer Güter- und Feldbeschreibung erwähnt. Ob das Gotteshaus neu erbaut oder ein bestehendes Wohnhaus umgebaut wurde, ist nicht bekannt. Fest steht nur, dass sich neben der Wohnung des Rabbiners auch ein rituelles Bad im Keller der Synagoge befand. Text: Tf

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