ELSENFELD

Tieraugen und Blut: Anschlag auf neue Moschee

Unbekannte haben in der Nacht zum Samstag den Neubau der Moschee in Elsenfeld (Lkr. Miltenberg) mit Tierblut verschandelt. Außerdem warfen sie mehr als 30 Tieraugen vor den Haupteingang des Gebäudes, wie Yavoz Güzel, Vorstandsmitglied des Deutsch-Türkischen Kulturverein Elsenfeld, bestätigte.

Das Tierblut sei von den Tätern in Luftballons gefüllt worden, die dann gegen die Fassade der Moschee geworfen worden seien. Der Islamrat für die Bundesrepublik Deutschland zeigte sich entsetzt über die Tat.

Es war ein Aufschrei von Kindern, durch den Güzel am Samstagmorgen auf die Verschandelung des künftigen Gotteshauses aufmerksam wurde. Güzel und den Kindern, die sich auf dem Weg zum Koranunterricht in das alte Gemeindezentrum befanden, bot sich ein ekelerregender Anblick: An vielen Stellen rann Blut über den Rohbau des künftigen Gemeindezentrums mit Gebetsraum, vor der Tür lagen zwischen Blutspritzern über 30 Tieraugen verstreut.

„Mir dreht sich der Magen um“, sagte Güzel. „Wer so etwas macht, muss ein kranker Mensch sein.“ Laut Polizei wurde zwar noch nicht nachgewiesen, dass es sich bei der roten Flüssigkeit um Blut handle, es deute aber alles darauf hin. Die Hintergründe der Tat seien noch völlig unklar. „Wir ermitteln in alle Richtungen“, hieß es. Sicherheitshalber würden Polizeistreifen häufiger an dem Gebäude vorbeifahren.

Und so soll es 2012 weiter gehen: "Alkohol- und Geschwindigkeitskontrollen werden auch 2012 ein Schwerpunkt der Polizei ... Foto: mp
Das neu gebaute Vereinsheim mit Gebetsraum wird noch nicht benutzt, es soll bis zum Frühjahr fertiggestellt werden. Die bisherige Moschee befindet sich in unmittelbarer Nähe des Gebäudes im Kellergeschoss unter einem Lebensmittelgeschäft. Durch den Neubau wolle die Gemeinde in der Öffentlichkeit präsenter werden und seine Tätigkeit transparenter machen, so Güzel.

In dem Gebäude solle neben einer Moschee ein Kulturzentrum untergebracht werden mit Räumen für Nachhilfeunterricht für Migrantenkinder, für Sprachförderkurse und den Koranunterricht. Zwar habe es vor längerer Zeit eine Unterschriftenkampagne gegen den Neubau gegeben, durch einen Tag der offenen Moschee seien aber Vorurteile abgebaut worden, betonte Güzel. Selbst einstige Gegner des Projekts hätten ihre Meinung mittlerweile geändert.

Der Islamrat nannte den Zeitpunkt der Tat „sehr fatal“. Sie stehe in einem Zusammenhang mit „den ganzen Debatten“ der vergangenen Wochen, sagte Islamrat-Sprecher Engin Karahan mit Blick die umstrittenen Äußerungen des Bundesbankvorstands und Berlins Ex-Finanzsenator Thilo Sarrazin (SPD) über Türken und Araber. Angesichts der wiederholten Kritik an Muslimen und Türken „wundert es uns nicht unbedingt, dass sich Spinner animiert fühlen, Worte in Taten umzusetzen“, betonte Karahan.

Güzel vermutet eine Gruppe von Rechtsradikalen oder Antiislamisten hinter der „empörenden“ Tat. Entmutigen lassen wolle sich der Deutsch-Türkische Kulturverein aber nicht: „Wir werden uns nicht nach dieser Attacke zurückziehen. Wir wissen, dass viele Mitbürger in Elsenfeld für diesen Bau sind.“ Manch einer mache sich jetzt Sorgen: „Was ist, wenn das jetzt nur ein Warnzeichen war und noch etwas Schlimmeres kommen könnte?“

Schlagworte

Lädt

Schlagwort zu
„Meine Themen“

hinzufügen

Sie haben bereits
/ 15 Themen gewählt

bearbeiten

Sie folgen diesem Thema bereits

entfernen

Um "Meine Themen" nutzen zu können müssen Sie der Datenspeicherung zustimmen

zustimmen
0 0
Kommentar schreiben

Der Diskussionszeitraum für diesen Artikel ist leider schon abgelaufen. Sie können daher keine neuen Beiträge zu diesem Artikel verfassen!