WÜRZBURG/HOF

Toter Flüchtling in Hof: Behörden widersprechen sich

Der Tod eines iranischen Asylbewerbers in der Gemeinschaftsunterkunft (GU) Hof weckt Erinnerungen an die Vorkommnisse vor einem Jahr in Würzburg. Nach dem Suizid von Mohammad Rahsepar, der sich in der Würzburger GU erhängt hatte, starteten iranische Flüchtlinge am 19. März öffentliche Proteste, um gegen die Asylpolitik in Deutschland zu protestieren. An diesem Donnerstag besucht Bayerns Sozialministerin Christine Haderthauer die GU gemeinsam mit dem Würzburger Bischof Friedhelm Hofmann.

Die Darstellung der Umstände, unter denen der 28-jährige Hamed Samii vor einer Woche in Hof ums Leben gekommen ist, könnte widersprüchlicher nicht sein. Während Landsleute des Iraners und die Polizei von einem Suizid ausgehen, spricht die Regierung von Oberfranken in Bayreuth, die für die GU Hof zuständig ist, auf Nachfrage von einem „natürlichen Todesfall“.

Man müsse noch „weitergehende Untersuchungen“ abwarten, so Sprecher Uwe Zeuschel, von einem Suizid könne „definitiv“ keine Rede sein. Genau das Gegenteil schreibt der Bayreuther Polizeisprecher Matthias Singer: „Nach derzeitigem Stand der Ermittlungen muss von einer nicht natürlichen Todesursache ausgegangen werden. Ein Fremdverschulden kann jedoch ausgeschlossen werden.“

In einer Mitteilung der Initiative „United4Iran – Bayern“ heißt es, Sammiis Freunde gingen davon aus, dass er an einer Überdosis Antidepressiva gestorben ist. Seit einigen Monaten habe er Medikamente genommen. Der Iraner, der seit 20 Monaten in Deutschland gelebt haben soll, sei unter großem psychischen Druck gestanden. Dafür seien „auch“ die schlechten Lebensbedingungen und die teilweise willkürliche Behandlung von Asylbewerbern in Bayern verantwortlich.

Ähnliche Motive sahen Flüchtlingsorganisationen im Würzburger Fall Rahsepar. In der Folge begannen acht iranische Flüchtlinge vor einem Jahr in der Würzburger Innenstadt einen ersten mehrwöchigen Hungerstreik, dem im Lauf des Jahres weitere Protestaktionen folgten, darunter ein bundesweit beachteter Marsch von Flüchtlingen nach Berlin.

Zwar gelang es einzelnen Asylbewerbern, ihre Verfahren zu beschleunigen und die Öffentlichkeit für die Flüchtlingsthematik zu sensibilisieren – geändert hat sich an der restriktiven bayerischen Politik indes wenig. Die Hauptforderungen wie Abschaffung der GU-Unterbringung, der Residenzpflicht und der Essenpaket-Verpflegung sowie leichterer Zugang zu Sprachkursen und zum Arbeitsmarkt wurden nicht erfüllt.

Das beklagt derweil die Grünen-Landtagsabgeordnete Simone Tolle in einem „offenen Brief“ an Christine Haderthauer (CSU). Anlass ist der für diesen Donnerstag angekündigte Besuch der Sozialministerin in der Würzburger GU – gemeinsam mit Bischof Hofmann. Letzterer hatte immer wieder Kritik an der bayerischen Asylpolitik geäußert. Tolle bittet Haderthauer, „die Missachtung der berechtigten Forderungen der Flüchtlinge zu beenden und mit diesen in den Dialog einzutreten“.

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